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Berlin Fashion Week: fünf Labels – fünf Orte

Von Jan Schroder

25. Jan. 2016

Mode

Eine Modenschau ist teuer. Aber sie soll der Vorstellung einer neuen Kollektion das gewisse Etwas verleihen – sonst könnten sich die Labels ja darauf beschränken, ihre Entwürfe einfach auf einer Messe an Kleiderständer zu hängen, was um einiges einfacher und günstiger wäre. Doch viele Firmen setzen auf Models, Musik und Lichtregie, um eine passende Atmosphäre zu schaffen, mit der die Aussage der Kleider noch verstärkt werden soll. Und damit nicht genug: Auf der Mercedes-Benz Fashion Week in Berlin spielt die Wahl der Räumlichkeiten traditionell eine große Rolle. Manche Designer nutzen die von den Veranstaltern zur Verfügung gestellten Locations, andere suchen sich individuelle Orte in der Stadt. Entsprechend unterschiedlich fällt die Wirkung der Schauen aus. Wir haben fünf Beispiele ausgewählt

Label: Laurèl – Ort: das Zelt

Das Zentrum der Mercedes-Benz Fashion Week ist das große Zelt am Brandenburger Tor. Neben dem Laufsteg finden sich dort weitere Anziehungspunkte: Die exklusive Lounge für geladene Gäste, die um die Modenschau herum auch soziale Kontakte pflegen wollen, und ein Pressezentrum, von dem aus direkt nach der Show aktuelle Bilder und erste Kritiken in die Welt gesandt werden. Die Laufsteghalle selbst ist grundsätzlich eher karg, bietet gerade großen Marken aber alles, was traditionell zu einer professionellen Modenschau gehört: Den großen Catwalk mit aufwändiger Licht- und Soundtechnik, Podeste für die Fotografen am Kopfende des Laufstegs und Tribünen, in denen mehrere hundert Gäste sauber hierarchisch sortiert werden können: Von den VIPs in der Front Row bis zu den weniger namhaften Besuchern auf den Stehplätzen hinter den Sitzreihen.

Das ist wenig stimmungsvoll, lenkt aber auch nicht ab: Die geladenen Prominenten stehen ebenso im Scheinwerferlicht wie die gezeigten Entwürfe. Und so zeigten in dieser Saison fast alle in Berlin vertretenen etablierten Marken im Zelt. Mit seiner nüchternen Neutralität eignet es sich eben besonders für vielfältige, marktgängige Kollektionen, die verschiedene Geschmäcker bedienen sollen und daher nicht unbedingt einem klar definierten ästhetischen Leitgedanken folgen. Ihren großen Auftritt zelebrierten dort Labels wie Marc Cain, Baldessarini, Dorothee Schumacher oder eben Laurèl. Die Marke aus dem Münchener Vorort Aschheim zeigte, was im kommenden Herbst vermutlich das Straßenbild bestimmen wird: Bequeme voluminöse Schnitte, weite Hosen und viele flauschig-pelzige Materialien.

Label: Lala Berlin – Ort: die Kunstgalerie

Nicht jedes Label hat Interesse am großen Auftritt auf dem Laufsteg. Das kann eine Frage des Geldes sein oder eine des Konzepts. Die Veranstalter der Mercedes-Benz Fashion Week haben für solche Fälle schon seit Jahren eine kleinere offizielle Zweitlocation namens Stage im Angebot. Anfangs war das einfach ein kleiner Raum ohne feste Einbauten – ohne Laufsteg oder Sitzreihen – im Zelt. Inzwischen hat die Stage einen eindrucksvolleren Ort gefunden: Die Kunstgalerie Me Collectors Room im Stadtteil Mitte. In der stimmungsvollen Ausstellungshalle können Labels ihre Kollektionen individuell präsentieren: im Rahmen einer informelleren Modenschau, einer statischen Präsentation – oder ganz anders.

Das tat in dieser Saison Lala Berlin, eine der etablierten Berliner Modemarken. Die setzte auf eine Videoinstallation mit Livemusik. Beim Heimspiel wurde auf die große Modenschau verzichtet – denn die gibt es Anfang Februar in Kopenhagen. Dann wird Lala Berlin während der Copenhagen Fashion Week den zentralen Laufsteg im historischen Rathaussaal der dänischen Hauptstadt bespielen.

Label: Marina Hoermanseder – Ort: das Kronprinzenpalais

Zu einer festen Location während der Mercedes-Benz Fashion Week hat sich das Kronprinzenpalais entwickelt. Dort stellen ausgewählte anspruchsvolle Labels im Rahmen des Berliner Modesalons ihre Kollektionen aus. Die Veranstaltung ist mittlerweile eine Institution, angesichts der hohen Qualität der Teilnehmer kann sie als Leistungsschau des deutschen Modeschaffens gelten. Wer hier dabei ist, zählt zur kreativen Elite.

Einige der im Salon vertreten Labels nutzen das Palais auch für Modenschauen. Die fallen gediegener aus als im Zelt: Die Models durchwandern die Zimmerfluchten mit ihren Parkettböden, der dezente DDR-Retroschick des 1968 rekonstruierten Gebäudes sorgt für eine kontemplative Grundstimmung, die weit vom Bombast des Laufstegs im Zelt entfernt ist. So sind es vor allem die künstlerisch ambitionierten Labels, die hier zu finden sind: Augustin Teboul, Vladimir Karaleev oder Marina Hoermanseder zählten zu denen, die diesmal im Palais zeigten – Marken also, bei denen es eher um die Qualität der Entwürfe als um den krachigen Auftritt geht.

Marina Hoermanseder zeigte eine Weiterentwicklung ihrer furiosen Sommerkollektion: Noch immer ist das Lederriemenmotiv ihr Markenzeichen, auch die skulpturalen Kunststoffkreationen durften nicht fehlen. Kombiniert wurden sie mit subtil interpretierten historischen Klassikern wie Bundfaltenhosen, weiten, weichen Mänteln und Fliegerjacken – kein Wunder, war ihre Kollektion doch diesmal von der 1897 geborenen Flugpionierin Amelia Earhart inspiriert.

Label: Perret Schaad – Ort: der Baumarkt

Der besondere Reiz Berlins besteht gerade für viele internationale Besucher darin, dass es noch zahlreiche Orte zu entdecken gibt, die eine unverfälschte Authentizität ausstrahlen. Da ist es naheliegend, seine Mode an diese Plätze zu tragen. Das Label Perret Schaad hat schon länger ein Faible für solche Entdeckungsreisen: Seine Gäste lud es beispielsweise schon in die Neue Nationalgalerie oder an ein trockengelegtes Schwimmbecken zwischen Plattenbauten.

Diesmal hatte es sich einen besonders typischen Ort aus dem realen Berliner Alltagsleben ausgesucht: einen Baumarkt im Stadtteil Schöneberg. Bei laufendem Betrieb wurde die neue Kollektion in der Holzabteilung vorgeführt. Das sorgte nicht nur für eine erfrischend zwanglose Atmosphäre, sondern passte auch gut zu den gezeigten Entwürfen. Haptische und visuelle Materialkontraste bereicherten diesmal den elegant-puristischen Stil des Duos, unterschiedliche Oberflächenstrukturen – mal glatt und schimmernd, mal flauschig, mal robust – ließen die klar strukturierten, bequemen Schnitte immer wieder anders erscheinen. Die Location bot den perfekten Hintergrund: Denn was ist ein Baumarkt schließlich anderes als eine Fundgrube für die verschiedensten Materialien?

Label: Bobby Kolade – Ort: der Modeladen

Auch Bobby Kolade, zuletzt als Shootingstar der lokalen Modeszene gehandelt, entschied sich für einen Alltagsort, um seine Kollektion zu präsentieren – allerdings an einen weniger ausgefallenen als den Baumarkt weitab des modischen Berliner Zentrums. Er zeigte seine Entwürfe dort, wo sie prinzipiell einmal hinsollen: in einem Modeladen. Im „Happy Shop“ in der mittlerweile ausgesprochen trendigen Torstraße an der Grenze der Stadtteile Mitte und Prenzlauer Berg wurden die Kleider tagsüber den geladenen Gästen im Detail erläutert – abends wurden sie unter die Decke entrückt und zu Bestandteilen einer stimmungsvollen Multimediainstallation.

Damit vereinte Kolade die Vorteile eines Messestandes – die Möglichkeit, die oft avantgardistisch-komplexen Outfits mit der nötigen Ruhe aus der Nähe zu sehen und zu berühren – mit der emotionalen Wirkung einer klassischen Modenschau. Und vermied gleichzeitig die Nachteile der traditionellen Präsentationsformen: die oft unpersönliche Hektik einer Modemesse und den organisatorischen und finanziellen Aufwand einer Catwalkshow.

Fotos: Fashionunited, ©Mercedes-Benz Fashion, Timothy Schaumburg