Blogs in Business: Geld Verdienen mit dem Blog

Blogger sind mittlerweile zu einem essenziellen Teil der Modeindustrie geworden. Das Bloggen hat sich zum Vollzeitjob gemausert, der eine Mischung von Content, Branding und Strategie erfordert. Modelabels haben den Einfluss der Modeblogger und ihren Wert für ihre Marken erkannt, und kooperieren mit ihnen. Wie genau sieht das tägliche Business der Blogger konkret aus? Fashionunited.de hat sie gefragt. In der neunten Folge: Wie Blogger Geld verdienen.

Sind Blogger die neuen Millionäre?

Internationale Blogstars wie Bryan Grey Yambao (Bryanboy), Rumi Neely (Fashion Toast) Chiara Ferragni (The Blonde Salad), Leandra Medine (Man Repeller) oder Susanna Lau (Style Bubble) sind MeisterInnen der Selbstinszenierung - und Topverdiener. Bereits im Jahre 2010 soll Bryanboy ein jährliches Einkommen von 100.000 US-Dollar verzeichnet haben, doch diese Zeiten sind längst vergangen. Die Tagessätze sind seither deutlich gestiegen. So soll Chiara Ferragni laut Observer 40.000 US-Dollar alleine für einen Auftritt bei einer Shoperöffnung des amerikanischen Schuhlabels Stuart Weitzman bekommen haben. Laut RewardStyle, einem Monetarisierungstool aus den USA, das Influencer mit Brands verbindet, können Blogger bis zu 80.000 US-Dollar monatlich alleine durch Verkaufsbeteiligungen der von ihnen inszenierten Produkte erzielen.

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Deutsche Blogger verdienen schlecht

Die Deutschen hingegen verdienen offenbar weit weniger. Vergleicht man die deutsche Bloggerszene mit der internationalen fällt auf: Auch beim Modebloggen bleiben die Deutschen ihren Tugenden treu. Kontinuität und Seniorität zahlen sich aus, zu viel Selbstinszenierung wird vom Publikum hierzulande eher kritisch beäugt und nicht zuletzt scheint auch Bescheidenheit eine unfreiwillige Tugend zu bleiben. Laut einer Umfrage der Plattform Styleranking vom Januar diesen Jahres nehmen 50 Prozent der gut 100 Befragten gerade einmal 100 Euro im Monat ein; zwei Prozent verdienen zwischen 3.000 und 5.000 Euro monatlich. Die Haupteinnahmequelle ist laut dieser Studie das Advertorial, also ein bezahlter Beitrag, dahinter folgen Verlinkungen und Produktnennungen. Die aufgerufenen Preise liegen laut Studie bei durchschnittlich 400 Euro pro Advertorial, allerdings kann ein größerer, bekannterer Blog auch mit „deutlich mehr als 1.000 Euro vergütet werden.“ Bezahlte Links werden für durchschnittlich 240 Euro gesetzt, Produkterwähnungen kosten um die 300 Euro, Social Media liegt (noch) mit einer durchschnittlichen Vergütung von 155 Euro auf dem letzten Platz. Am besten bezahlt sind Videos, die den Bloggern durchschnittlich 1300 Euro einbringen können.

Jessica Weiß von Journelles, die Deutschlandweit sicherlich unter den TopverdienerInnen der Modeblogger liegen dürfte, verriet 2013 im Interview mit LousyPennies, dass sie mit Bannerwerbung über Glam Media 900 bis 2.000 Euro monatlich verdiene, über Affiliate mit Zanox oder Rewardstyle ebenfalls 500 Euro. Es ist davon auszugehen, dass seither die Preise, proportional zu der Reichweite des Blogs, gestiegen sein dürften. Im Gespräch mit FashionUnited sprach Weiß von regemäßigen Kunden wie „KaDeWe, Net-a-Porter, Edited, Peek & Cloppenburg, Luisaviaroma, Weekday oder Closed.“ Zu den Einnahmen aus Affiliate und Bannervermarktung kommen demnach noch Einnahmen aus Advertorials und Kooperationen sowie Vorträge, Moderationen, ein Modelabel sowie Consulting für Firmen.

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Mehrere Standbeine

So verteilen sich die Einnahmequellen der meisten Blogger laut eigener Aussage auf mehrere Monetarisierungsmodelle. Berit Müller von TheShopazine zum Beispiel verriet im Interview, dass die Modelle Affiliate, Advertorial und Bannerwerbung sich bei dem Geschäftsmodell „ziemlich gut die Waage“ hielten. Es sei wichtig, diese unterschiedlichen Standbeine zu haben, aus denen sich die Einnahmen speisen. Auch Jana Wind von bekleidet bekräftigte die Wichtigkeit einer Verteilung der Einnahmequellen: „Meine Haupteinnahmequelle sind Advertorials. Bannerwerbung biete ich nicht an, einen kleineren Teil nehme ich durch Affiliate-Einnahmen ein.“

Oft verdienen Modeblogger zwar nicht ihren vollen Lebensunterhalt mit dem Bloggen selbst, können aber mit den dadurch erlernten Fähigkeiten Geld verdienen. Einige der von FashionUnited interviewten Modeblogger gaben an, als Nebenverdienst Brands und Modefirmen bei Fragen der Digitalisierung Hilfestellung zu leisten. Wie genau eine solche Zusammenarbeit verläuft, schildert Katrin Schlotterhose vom Blog Metropolitan Circus:„Ich arbeite nun schon seit etwa sechs Jahren als Blogger und seit drei Jahren als Consultant. Vor Jahren war die Bloggerszene noch nicht so enorm kommerzialisiert und materialisiert, ich habe mein Geld damals mit Alternativen erarbeiten müssen, wie beispielweise Styling und Beratung. Anfänglich war es sehr schwierig für mich mit Unternehmen zu arbeiten, denn ich war bisher immer Freelancer. Ein Unternehmen ist ganz anders aufgebaut. Entscheidungen dauern länger; Impulsentscheidungen gibt es gar nicht; Kreativität, Schnelligkeit und persönliche Meinungen, für die dass das Bloggen eigentlich steht, werden kritisch auseinandergenommen und nach Marketingaspekten umgestellt. Unternehmen aber können durch die Zusammenarbeit mit Bloggern offener werden, Informationswege abkürzen und die Etats für Werbung und Kommunikation anders verteilen. Vielen Unternehmen fehlt es an guten Social Media Heads, hier liegt ein wichtiger Teil der Markenbildung für neue Zielgruppen.“

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Blogger als Chance

Die gesamte Modeindustrie, dies betrifft sowohl Handel als auch Journalismus, befindet sich im Umbruch. Neue Bezahlmodelle für Inhalte im Netz sind ein wichtiger weiterer Schritt für die Zukunft der Branche – die BloggerInnen, das zeigte sich bereits in Teil acht unserer Serie, werden nicht wieder verschwinden - der Widerstand des ‚Establishments' gegen sie ist zwecklos. Stattdessen sollten Sie als ein Teil des Netzwerkes begriffen werden, das die Branche fit für die Zukunft macht. Die BloggerInnen und ihre Lösungsansätze zum Geldverdienen, ebenso wie ihre Erfahrungen und Ideen, helfen Unternehmen, Verlagen und dem E-Commerce, neue Wege zu gehen und neue Zielgruppen zu erschließen.

Im nächsten und letzten Teil von Blogs in Business: Bloggerrankings – Wer sind Deutschlands wichtigste Modeblogger?

 

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