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Breuninger-Einkäuferin: „Es wird wieder angezogener, aber die liebgewonnene Bequemlichkeit bleibt“

Von Regina Henkel

3. Jan. 2022

Mode |Interview

Breuningers Head of Style Martina Haberbosch. Bild: Breuninger

Wenn im neuen Jahr die Orderrunde für FW22/23 startet, stehen die Einkäuferinnen und Einkäufer wieder vor der Herausforderung, eine Saison vorauszuplanen, deren Rahmenbedingungen schwerer als sonst abzuschätzen sind.

Welches modische Angebot wollen die Marken und Handel im nächsten Jahr ihren Kundinnen unterbreiten? Welche Mode wünschen sich die Frauen im nächsten Herbst? Wollen sie sich dann immer noch weit und bequem kleiden oder doch wieder eng und sexy? Welche Tendenzen lassen sich jetzt schon erkennen? Wir haben Martina Haberbosch, Head of Style bei Breuninger, nach ihrer Prognose gefragt.

Frau Haberbosch, die Orderrunde für die Saison FW22/23 steht vor der Tür. Was sind für Sie die wichtigsten Trendthemen für die DOB?

Da gibt es verschiedene Themen. Allen voran moderne Konfektion, es wird also wieder angezogener, aber die liebgewonnene Bequemlichkeit wird miteinbezogen. Konkret sehe ich lässige Blazer-Formen und bequeme Pants in komfortablen, wertigen Materialien, auch konfektionierte Sets bleiben stark. Der Kombi-Gedanke generell erlaubt vielfältige Möglichkeiten.

Das Breuninger-Flagship in Stuttgart. Bild: Breuninger

Wichtig sind auch zeitlose Stücke in hoher Qualität mit Langlebigkeitsfaktor als Key Pieces für die Garderobe, beispielsweise Wollmäntel und Cashmere-Strick. Strick spielt generell als Wohlfühlgarant in hochwertigem Cashmere eine große Rolle und kommt in interessanten Materialmischungen und tollen neuen Strukturbildern – als Cardigans, lässige Sweater, Troyer-Formen und auch weiterhin als Pullunder mit frischen Updates. Modische Highlights sind offene Gestricke mit losen Maschenbildern und Details wie tiefe Ausschnitte. Genauso wichtig: Highlights, die sich spielerisch in die aktuelle Garderobe einfügen und für den Wow-Effekt sorgen. Gerne auch zu Anlässen! Sozusagen „From Desk to Party“.

Wie sieht es mit den Silhouetten und Längen aus?

Neben der relaxten Silhouette und modernem Layering, die vor allem den Maxi-Silhouetten den richtigen Auftritt geben, sind auch verstärkt wieder körperbetontere Formen zu sehen. Hier denke ich an die Stricksets und Strickkleider, die wieder stärker an den Körper herangeführt werden und dennoch komfortabel sind. Auch im Basic-Strickbereich sind wieder schmalere Rollis und kleine Strickteile zu sehen, die zu lässigen Hosen kombiniert werden können. Oben schmal – unten weit. Modisch sind Bodycon- und Mini-Silhouetten, die vor allem für den Abendbereich verführerisch umgesetzt werden können.

Welche Art von Kleidern werden wir im nächsten Winter bei Breuninger sehen?

Kleider spielen eine große Rolle – von raffiniert mit Drapés und Wickeleffekten bis zu lässigen Kleidern im Boho-Style. Prints geben neue Impulse, und natürlich dreht sich bei den ganzen Partydresses viel um Raffinesse und Glam-Effekte.

Trendagenturen sprechen aufgrund der aktuellen Corona-Einschränkungen von einer neuen Lust auf Sexyness. Was denken Sie?

Hier muss man natürlich seine Zielgruppen genau im Blick haben und schauen, was für unsere Kundinnen und in welcher Form umsetzbar ist. Sexyness kann auch subtiler zum Ausdruck kommen, beispielsweise indem man ein Crop Top unter einen Blazer zieht. So funktioniert das auch für den breiteren Markt. Dann kann man auch sehr gut mit den Details spielen, die der neuen Sexyness den Weg ebnen, beispielsweise mit Cut-Outs oder einfach, indem man eine schmalere Silhouette wählt. Beim Party Dressing liefern Mini- und Bodycon-Formen aber klar neue Impulse. Hier bleibt der Glam-Faktor durch Pailletten, Metallics und Lamé weiter wichtig, auch der Partyblazer zur Legging.

Bei den Hosenschnitten haben wir gerade eine riesige Bandbreite. Bleibt das so, oder kristallisiert sich eine (neue) Form heraus?

Die Bandbreite bleibt stark. Neben relaxten Formen und der Wide-Pant im Denim-Bereich bekommen wir wieder mehr gerade bis schmale Formen. Auch die Leggings bekommen im modischen Bereich wieder einen Push. Mal sehen, wie und ob sich die schmaleren Formen schnell durchsetzen werden.

Auf welche Farben und Materialien kommt es nächsten Winter an?

Warme Nussbrauntöne bilden die Basis bis zu Schokobraun. Daneben kommen auch wieder Grautöne ins Spiel. Farbe ist und bleibt wichtig! Pink und Rot bleiben. Orange und Grün kommen. Nicht zu vergessen Violett- und Fliedernuancen, Flieder ist die Pantone Colour of the Year 2023. Bei den Materialien sind Softness und Komfort wichtig, im Kontrast dazu alles Technische und Funktionsunterstützende.

Auch Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Trendthema. Wie setzen Sie das Thema um?

Breuninger setzt sich im Rahmen von vier eigens kreierten Handlungsfeldern aktiv mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinander. Für uns ist es kein Trend, sondern wichtiger Teil unseres unternehmerischen, verantwortungsvollen Handelns, den wir als Teil der Gesellschaft tragen. Im Breuninger Onlineshop und in den Department Stores sind alle von uns akzeptierten, als nachhaltig zertifizierten Marken und Produkte entsprechend deklariert.

Wie sind Ihre Erfahrungen: Ist Nachhaltigkeit ein Entscheidungskriterium für Ihre Konsumentinnen?

Wir beobachten ein zunehmendes Bewusstsein und Interesse unserer Kundinnen und Kunden.

Welche Mode funktioniert bisher gut, welche weniger?

Alles, was komfortabel und praktisch ist, funktioniert sehr gut. Cashmere-Strick ist bei uns eindeutig ein Gewinner in den Sortimenten. Steppjacken haben ebenfalls gut funktioniert – von Westen im Herbst bis zu langen Mänteln im Winter. Daneben laufen modische Highlight Pieces gut, beispielsweise ein besonders attraktiver Druck oder ein Hingucker in Farbe.

Dieses Interview wurde in schriftlicher Form geführt.

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