Circular Fashion – des einen Müll ist des anderen Must-Have

Die Sharing-Economy ist in aller Munde und deshalb auch ziemlich schnell wieder abgekaut. Spielt sie wirklich so eine wichtige Rolle in der Konsumentwicklung, wie überall verkündet wird? Bei Carsharing und Ferienwohnungen ist das Teilen von nicht genutzten Ressourcen ja einfach vorstellbar, aber wie sieht es damit eigentlich bei so etwas persönlichem wie Bekleidung aus?

Laut Greenpeace landen europaweit jährlich 5,8 Millionen Tonnen Kleidung auf dem Müll, davon wiederum werden 75 Prozent auf Müllkippen verbrannt. Circular Fashion ist eine neue Idee, die Abhilfe schaffen soll.

What goes around comes around

Bei Circular Fashion hat man sich die Sharing-Economy zur Orientierung genommen und deren Prinzipien auf den Bekleidungssektor übertragen. Ein Lösungsansatz zu der Ressourcenverschwendung am Konsumentenende also - denn oft ist nichts von den Stücken, die auf dem Müll landen kaputt, die Teile sind lediglich nicht mehr gewollt. Bei Circular Fashion werden Kleidungsstücke nach Gebrauch zurückgegeben, um repariert, weiterverkauft oder recycelt zu werden. Auch das Tauschen von Kleidung auf Onlineplattformen wie der Tauschseite Kleiderkreisel, oder das Leihen auf Online-Leihbörsen wie Pret-à-louer, ist beliebt. Beide Modelle bedienen sich an dem Prinzip der Circular Fashion: Was dem einen nicht mehr gefällt, ist noch lange kein Abfall und kann wieder in den Kreislauf der Mode eingespeist werden.

Circular Fashion – des einen Müll ist des anderen Must-Have

Circular Fashion ist also eine Art weitergedachtes Upcycling und setzt dort an, wo die gebrauchten Kleidungsstücke für Letzteres herkommen, nämlich beim Endverbraucher. Um bei diesem das Bewusstsein zu schaffen, dass die Klamotten, die er oder sie aufgetragen hat, deshalb noch lange keine Wegwerfartikel sind; dass sie ein Leben nach dem Erstgebrauch haben können, haben sich einige Akteure der Modebranche Gedanken gemacht – und Prozesse optimiert. Sie setzen dort an, wo normalerweise der Gang zur Mülltonne erfolgt und hauchen den Kleidungsstücken an dieser Stelle neues Leben ein. So entsteht ein Kreislauf, der nicht nur die Umwelt, sondern auch den Verbraucher entlastet – keine Entsorgungsfrage mehr, kein überfüllter Kleiderschrank, geringere Kosten, aber dennoch immer das, was gerade angesagt ist, verfügbar.

Alles, nur nicht wegwerfen: Mode mieten, leihen, tauschen, recyceln

Modelabels, die es vormachen, sind bisher rar gesät: Patagonia, ohnehin der Musterschüler unter den Modemarken, sowie H&M sind Vorreiter auf dem Gebiet des Zurücknehmens von Kleidung. Rick Ridgeway, Patagonias Vice-president of Environmental Affairs bezeichnete in der Responsible Economy Kampagne, welche die Brand im September 2013 launchte, endloses Wachstum als eine „Sackgasse“ und setzt daher auf den Wiederverkauf bereits getragener Produkte, auf das Reparieren von Kleidung und, wenn nichts mehr zu machen ist, auf Recycling.

Bei H&M kann Kleidung zurückgebracht werden - und das unabhängig davon, woher sie kommt. Der Kunde erhält im Gegenzug einen Rabattgutschein auf den nächsten Einkauf. Das laut Unternehmenswebsite verfolgte Ziel „kein Müll mehr“, bleibt allerdings fragwürdig – ist doch H&M einer der größten Lieferanten für schnelle Wegwerfmode vor allem für Jugendliche. Das Angebot, Getragenes zurückzubringen und dafür Einkaufsgutscheine zu bekommen, könnte auch das Gegenteil bewirken, nämlich noch mehr unbedachten Konsum. Dennoch setzt die Zurücknehmaktion des Textilriesen natürlich ein Zeichen und statuiert ein Exempel, dem andere folgen können.

In diesem Jahr hat nun auch das Label Filippa K. sein ‚Lease the Look’- Programm gelauncht. Mit diesem suchen die Schweden „innovative Lösungen, um den Verbraucher an Circular Fashion heranzuführen und einen bewussteres Verbraucherverhalten zu fördern.“ Bei ‚Lease the Look’ können Laufsteglooks geliehen werden, und das bereits einen Tag nach der Show in Stockholm – Kleidung direkt vom Laufsteg also. Der kleine Haken an der Sache: Es gibt vorerst nur die Samples der Kollektion, also nur die Standardgroßen S für Frauen und M für Herren. Für 40 euro pro Verleih können Kunden in Schweden, Finnland, Belgien, Dänemark, den Niederlanden und Deutschland die Runwaylooks ausleihen.

Ob Circular Fashion nun einen relevanten Beitrag zur Verbesserung der Auswirkungen der Modeindustrie auf die Umwelt leisten kann, hängt entscheidend davon ab, wie viele Verbraucher sich überzeugen lassen, und wie viele Brands ihr Budget für Kampagnen wie die oben aufgeführten verwenden. Der angenehme Nebeneffekt, ein positives Image beim informierten Endverbraucher, schadet jedenfalls auch der Bilanz zumeist nicht.

Foto 1: Filippa K Lease the Look

Foto 2: Blogger Camille Charrière from Camilleovertherainbow.com in Filippa K Lease the Look

 

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