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Das 'Dirndl' ist so beliebt, wie nie zuvor

Von AFP

13. Aug. 2021

Mode

ALEX HALADA / AFP

Schürze, Glockenrock und weißes Mieder: das „Dirndl“, das alpenländische Wahrzeichen hat in den letzten Jahren sowohl in Österreich als auch in der Schweiz und im süddeutschen Raum einen neuen Aufschwung erlebt.

„Das Dirndl wurde im Laufe der Zeit immer wieder neu erfunden und hat in den letzten Jahren eine neue Blütezeit erlebt. Er ist für Österreich das, was der Kilt für Schottland oder der Kimono für Japan ist“, sagt Thekla Weissengruber, Kuratorin einer neuen Ausstellung in Bad Ischl (Zentralösterreich), die die überraschende Geschichte dieses Alpenkleides nachzeichnet. In dieser Region hat sich das Baumwollkleid, das auch in Bayern und Tirol getragen wird, zu einem Trend entwickelt.

Praktisch und preisgünstig, wurde es zuerst von jungen Bäuerinnen und Dienstmädchen getragen. Abgeleitet von den lokalen Dialekten kann „Dirndl“ übersetzt werden mit „Mädchen“. Ende des 19. Jahrhunderts wurde dieses Kleid dann von den Hofdamen im Urlaub getragen, die es wiederum später in der Stadt salonfähig machten. Sie strömten im Sommer herbei und fanden Gefallen daran, sich im Wasser zu tummeln oder sich auf den umliegenden Almen auszutoben. „In Wien war alles sehr korsettiert“, erklärt Weissengruber. „Sie haben sich mit diesen leichteren, farbenfrohen Schnitten im Urlaub befreit.“

Keine Aufregung

In der Umgebung des Marmorschlössls, eines kleinen Schlosses, das der Kaiser Franz Josef seiner Frau Sissi schenkte, entdeckt der Besucher der Ausstellung etwa fünfzig Modelle, die je nach Zeitgeist neu interpretiert wurden. Das Dirndl entwickelte sich schnell vom schnörkellosen Freizeithgewand zur Zeremonialkleidung für reiche Kunden, die eine Audienz in der kaiserlichen Villa suchten.

„Mein Großvater hat diese Gäste immer eingekleidet“, sagt Angelika Schauer, die zusammen mit ihrem Mann einen Familienbetrieb aus dem Jahr 1895 führt. „Wenn er Maß nahm, war er sehr kontrolliert, denn bestimmte Gesten waren verboten“, sagt die Nachfahrin des Schneiders.

Am Fuße der romantischen Berge haben Künstler wie der Maler Gustav Klimt und zahlreiche Schauspieler und Akademiker aus Wien, sich in das Reiseziel verliebt. Auch heute noch „tragen die Frauen das 'Dirndl' bei vielen Gelegenheiten“, während die Männer nicht zögern, die Lederhosen herauszuholen, betont Schauer.

Bierfeste

Die Tracht erlebte mit dem Ersten Weltkrieg einen Höhepunkt, dann verboten die Nazis das Wort „Dirndl“, weil es ihrer Meinung nach zu eng mit der jüdischen Bekleidungsindustrie verbunden war. Sie ermutigten die Frauen stattdessen, Kleider selbst zu nähen, die ihm ähnelten.

Aber er ist nie wirklich verschwunden, sondern wurde von den Gesellschaftsschichten der Salzburger Festspiele von 1920 und durch ein Broadway-Musical von 1936 populär gemacht. „Bei jedem Besuch kleidete sich Marlene Dietrich bei Lanz Trachten ein, das 400 Filialen in den Vereinigten Staaten hatte“, erinnert sich die Ausstellungskuratorin.

In jüngerer Zeit sind Dirndl auf Bierfesten wieder in Mode gekommen. „In den letzten zehn Jahren ist die Trachtenmode bei jungen Leuten sehr beliebt geworden und Designer aus aller Welt haben es aufgegriffen. Obwohl viele billige Polyesterdirndl heute in China hergestellt werden, wächst der österreichische Bekleidungssektor rasant. 844 Millionen Euro war er im Jahr 2020 wert und wird unter anderem vom Dirndl sowie von Berg- und Outdoor-Bekleidung getragen.

Auf der Höhe der Zeit

Nach Angaben der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) machen Exporte 70 Prozent des Umsatzes aus. Dies unterstreicht den Ruf des Dirndls, Grenzen zu überwinden. In Zeiten der Klimakrise und der Suche nach Authentizität ist „seine Nachhaltigkeit auf der Höhe der Zeit“, sagt Johannes Topizopoulos, Ehemann von Angelika Schauer, der die zeitlose lokale Handwerkskunst lobt.

Es „muss die Persönlichkeit der Trägerin unterstreichen“, fasst der Ladenbesitzer zusammen. „Jede Länge, jeder Stoff“ wird hier sorgfältig ausgewählt. Eine Maßanfertigung, die ihren Preis hat: Zwischen 650 und 1.000 Euro muss man für ein handgefertigtes Modell – oder viel mehr für 'Haute Couture Dirndl' ausgeben. Das Modehaus des von Großbritanniens punkigster Frau, Vivienne Westwood, hat ebenfalls eigene Dirndl. „Hässlichkeit würde der Vergangenheit angehören, wenn jede Frau so etwas tragen würde", wird die Designerin in der Ausstellung zitiert. (AFP)

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.fr veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ