Das Phantom der Mode: Martin Margiela versteigert sein Archiv
Der belgische Stardesigner Martin Margiela hat seine gesamte Karriere über konsequent vermieden, fotografiert zu werden. Nun hat er sich entschieden, sich zu öffnen und einen Teil seines persönlichen Archivs zu verkaufen.
Fans des 69-jährigen Pioniers, der sich 2009 zurückzog, können bei einer Auktion am Donnerstag in Paris Artefakte ersteigern. Das Angebot reicht von Skizzen bis zu einem seiner weißen Arbeitskittel. Margiela hat die Auktion persönlich betreut.
Doch wer hofft, mehr über eine der rätselhaftesten Persönlichkeiten der Mode zu erfahren, dürfte enttäuscht werden. Der Verkauf lüftet kaum den Schleier über dem Mann hinter der minimalistischen Marke für monochrome Kleidung.
„Dieser Verkauf ist ein kreativer Akt und zugleich eine Manifestation seines Konzepts, seiner Philosophie“, sagte die Auktionatorin Salome Pirson von Maurice Auction während einer Besichtigung der Objekte gegenüber AFP.
„Er gibt der Öffentlichkeit die Möglichkeit, seine innere Welt zu entdecken, seine Objekte zu berühren und seinen persönlichen Mantel zu besitzen. Gleichzeitig ist er aber auch derjenige, der am auffälligsten abwesend ist“, fügte sie hinzu.
Mehr als 3.000 Menschen haben sich angestellt, um die Sammlung zu sehen. Sie umfasst unter anderem den Prototyp einer der Gesichtsmasken, die er Models tragen ließ, um nicht von der Kleidung abzulenken. Auch Champagnerkorken von Flaschen, die mit einigen seiner ersten Kund:innen bei einer Feier getrunken wurden, sind Teil der Sammlung.
Zu den weiteren Objekten gehören Barbie-Puppen, die als Mannequins dienten, und ein lilafarbenes Samtabzeichen, das auf AIDS aufmerksam machen soll. Es trägt die Aufschrift: „Es gibt mehr zu tun, als dieses Zeichen zu tragen, aber es ist ein guter Anfang.“
Margielas Beweggründe für den Verkauf seiner persönlichen Gegenstände sind vielfältig. Sie reichen von der Räumung seines Lagers bis hin zur persönlichen Kontrolle der Verteilung der modehistorischen Stücke an Sammler:innen und Institutionen.
„Er ist 69 Jahre alt und hat keine Erb:innen. Indem er diesen Verkauf organisiert, gestaltet er in gewisser Weise sein eigenes Vermächtnis. Er lässt alle potenziellen Käufer:innen, die interessiert sein könnten, gegeneinander antreten“, sagte Pirson.
Angesichts seiner großen Anhängerschaft in Japan wird erwartet, dass viele japanische Käufer:innen bei der Auktion mitbieten werden, die sowohl physisch als auch online stattfindet. Auch Museen und andere Institutionen werden im Wettbewerb stehen.
Margiela wurde so gut wie nie fotografiert und gab keine Interviews. Er mied auch die in der Branche übliche Konvention, sich am Ende einer Modenschau öffentlich zu verbeugen, wie es die meisten seiner Kolleg:innen tun.
In einem seltenen Versuch, mit seinen Fans in Kontakt zu treten, wirkte er 2018 an einer Retrospektive seines Schaffens im Museum Palais Galliera in Paris mit.
Die Auktion wird auch Stücke des französischen Luxushauses Hermès umfassen, die von Margiela entworfen wurden, als er von 1997 bis 2003 als Kreativdirektor für das Label tätig war. Alle diese Stücke waren Geschenke an seine verstorbene Mutter.
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