Das war die London Fashion Week HW/2020

Eine Erkundung britischen Stils, nachhaltigere Kollektionen, eine drastisch verringerte chinesische Beteiligung. Was man über die Londoner Modewoche wissen sollte, die am Dienstag zu Ende ging.

Der Schatten des neuen Coronavirus

Die Teilnahme chinesischer Einzelhändler und Medien an der Modewoche wurde in London aufgrund der Reisebeschränkungen, die durch den neuen Coronavirus-Ausbruch verhängt worden waren, stark eingeschränkt. Diese Epidemie habe „erhebliche negative Auswirkungen“ auf die Nachfrage nach Luxusgütern, warnte Burberry am 7. Februar und sah sich gezwungen, 24 seiner 64 Geschäfte in China vorübergehend zu schließen, während die restlichen Geschäfte unter reduzierter Arbeitszeit öffneten.

Das war die London Fashion Week HW/2020
Foto: Burberry Press Room

Während die Zahl der diagnostizierten Fälle auf dem chinesischen Festland auf über 70.000 und etwa 900 in dreißig Ländern weiteren stieg, hatte der British Fashion Council, die Organisation, die die britische Mode vertritt, Vorsichtsmaßnahmen mit einer gründlichen Reinigung der Schauen-Location und der Bereitstellung von Desinfektionslmitteln getroffen.

Die Teilnehmer an den Schauen blieben jedoch eher untätig, und nur wenige trugen Masken, die zu ihren Outfits passen, wie es bei einer Modewoche zu erwarten ist.

Optimistische Mode

Machen Sie sich Sorgen wegen des Coronavirus? Der Winter scheint Ihnen unendlich lang zu sein? Werfen Sie einen Blick auf die farbenfrohen Kollektionen der serbischen Designerin Roksanda oder der britischen Molly Goddard, um sich aufzumuntern.

Zu Roksandas auffälligsten Stücken gehörte ein voluminöses Abendkleid aus orangefarbener, fluoreszierender Seide mit einer violetten Schleppe. Molly Goddards kultige Tüllkleider waren mit Jacquard-Strick überzogen und sorgten für einen kindlichen und fröhlichen Look.

Das war die London Fashion Week HW/2020
Foto: JW Anderson AW20/21, Catwalkpictures

Texturen und Volumina sind der „neue Chic“, sagte JW Anderson. Für seine neue Saison wollte er „etwas Optimistisches“. Als guter Ire ließ er sich für die Farben und das Design bestimmter Kleider von dem berühmten Guinness-Bier inspirieren. „Die Guinness-Typografie hat etwas Schönes, es enthält Gold, Schwarz, einen kleinen Hauch von Silber und Burgunder“, erklärt er.

„Wollen Sie die Königin der Nacht sein? Entscheiden Sie sich für einen engen in mehrfarbigen Paillettenanzug bei Halpern oder einen mit Kristallen bestreuten mit passender Sturmmütze bei Richard Quinn.

Diese funkelnden Kreationen widmete Quinn den „Perlen“, jenen Londonern aus populären Kreisen, die seit Jahrzehnten Jacken und Hosen mit Hunderten von Perlmuttknöpfen schmücken.

Das war die London Fashion Week HW/2020
Fotos: Roksanda AW20/21, Catwalkpictures

Britischer Stil steht hoch im Kurs

In einer Zeit der Nabelschau für das Vereinigte Königreich, mit Brexit als Hintergrund, wenden sich die Designer typisch britischen Materialien zu, wie z.B. Harris-Tweed bei Vivienne Westwood, mit klassischen beigen Karos, die mit einem Hauch von Lila ausstaffiert werden. Margaret Howell, die in diesem Jahr das 50-jährige Jubiläum ihrer Marke feierte, blieb dem britischen Look treu, mit einem kurzen Trenchcoat, Faltenröcken und lässig um Blusen gebundenen Krawatten im Schulmädchenstil.

Tartankaros, beige Reitershorts und Wollhauben: Bei Shrimps waren die Modelle bereit für ein Wochenende in Balmoral, der Residenz von Elisabeth II. in Schottland.

Für Burberry setzte der Kreativdirektor Riccardo Tisci die Überarbeitung des "britischen Looks" mit einem neuen, zeitgemäßen und modernen Look für den Trenchcoat fort, der die Marke berühmt machte, und ließ sie jünger und sexier aussehen.

Für seine vierte Saison schuf er vor allem hybride Mäntel zwischen Daunenjacken und Trenchcoats und mischte kühn verschiedene karierte Drucke.

Das war die London Fashion Week HW/2020
Fotos: Burberry Press Room

Umweltbewusstsein

Es ist für Designer nicht mehr möglich, die Auswirkungen ihrer Industrie auf die Umwelt zu ignorieren - daran erinnerten die Aktivisten von Extinction Rebellion bei einem Protest am Samstag.

Verwendung erneuerbarer Materialien, „Upcycling“: Innovative Designer wurden in einer Ausstellung des British Fashion Council zum Thema „Positive Mode“ hervorgehoben.

Große Marken entwickeln sich ebenfalls weiter: Burberry gab bekannt, dass seine Modenschau als "CO2-neutral" zertifiziert wurde, und Tommy Hilfiger präsentierte seine Frühjahrs-Kollektion 2020 als die umweltfreundlichste, die je produziert wurde.

Die Fashion Week bot Besuchern außerdem an, hochwertige Outfits zum Tausch mitzubringen. Der Gipfelstürmer dieser sich entwickelnden Industrie: Der Ire Richard Malone, einer der weltweit führenden jungen Designer im Bereich der Nachhaltigkeit, erhielt am Montagabend den internationalen Woolmark Award, während der erste Karl Lagerfeld Preis für Innovation an das amerikanische Upcycling-Label von Emily Adams Bode ging. (AFP)

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited. fr veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

Fotos: Burberry

 

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