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Denim-Pionier Adriano Goldschmied über den epochalen Wandel in der Modebranche und die Kraft der Innovation

Für den Denim-Experten Goldschmied gewinnt auf dem Markt, wer Innovation, Nachhaltigkeit, Qualität und neue Technologien bringt.
Mode|Interview
Die Kollektion ‘Perfume of the Highlands’ von Pioneer Denim, entstanden in Zusammenarbeit mit Adriano Goldschmied Credits: Pioneer Denim
Von Isabella Naef

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Denim hat eine jahrhundertealte Geschichte und bleibt dennoch ein fester Bestandteil der modernen Mode – insbesondere im Luxussegment, wo Innovation, neue Materialien und Kooperationen den Stoff immer wieder neu definieren. Einer der prägendsten Akteure dieser Entwicklung ist Adriano Goldschmied, der die Branche seit über fünf Jahrzehnten mitgestaltet. Zu seinen wichtigsten Beiträgen zählen die Einführung der Stonewash-Technik, die Entwicklung von Super-Stretch-Denim sowie frühe Ansätze in Sachen Nachhaltigkeit.

Heute arbeitet Goldschmied mit Projekten wie Daily Blue und House of Gold zwischen Italien und Los Angeles und treibt die textile Innovation weiter voran. Dabei sieht er Denim – wie die gesamte Modebranche – in einem tiefgreifenden Wandel: Entscheidend seien nicht mehr Herkunftslabels, sondern Qualität, Innovation und Glaubwürdigkeit in einem zunehmend globalen Markt.

Ein Porträt von Adriano Goldschmied Credits: Courtesy of Adriano Goldschmied

Am 14. April wird in Amsterdam die Herbst/Winter 2027 Kollektion von Pioneer Denim, ‘Storm of Love’, vorgestellt: Können Sie uns einen Ausblick auf die Zusammenarbeit mit dem Designer Kentroy Yearwood geben?

Noch im April wird in Amsterdam die Herbst/Winter-2027-Kollektion von Pioneer Denim, „Storm of Love“, vorgestellt. Können Sie uns erzählen, was diese besonders macht?

Die Kollektion ist aus meiner Zusammenarbeit mit Pioneer Denim, einem Teil der Badsha-Gruppe [Anm. d. Red.: ein Garnhersteller und Textilproduzent aus Bangladesch], entstanden. Bereits im vergangenen November ist daraus eine erste Kollektion hervorgegangen, die von den Stoffen und dem Stil der nordischen Länder inspiriert war. Gemeinsam mit Pioneer haben wir ein Garn aus einer Woll-Baumwoll-Mischung entwickelt. Es ist uns gelungen, die Kette mithilfe der Rope-Dyeing-Technik zu färben und so einen einzigartigen Woll-Baumwoll-Denim zu schaffen.

Die Kollektion wird zudem mit einer Hydrogel-Technologie veredelt. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, das Wasser in ein Gel umwandelt und so ein schonenderes, schnelleres und nachhaltigeres Waschen ermöglicht. Das Gel wirkt wie ein Schutzpolster um die Fasern, schont die Oberfläche und sorgt gleichzeitig für ein sauberes, anspruchsvolles Finish.

Auch die neue Capsule ist besonders interessant, da ich hierfür weitere innovative Stoffe entwickelt habe. In der ersten Kollektion haben wir Wolle in den Denim integriert – allerdings anders als viele andere: Unser Stoff besteht zu 30 Prozent aus Wolle und zu 70 Prozent aus Baumwolle, wobei wir die Wolle in die Kette eingearbeitet haben, während sie üblicherweise im Schuss verwendet wird. Dadurch entsteht eine spürbare Verbindung von Baumwolle und Wolle. Das bietet einen entscheidenden Vorteil: Die Wolle ist tatsächlich fühlbar, während ihr Effekt im Schuss oft verloren geht. Zudem gibt es keine Probleme beim Waschen, da der Stoff bei denselben Temperaturen wie Baumwolle gewaschen werden kann, ohne zu verfilzen.

‘Perfume of the Highlands’ von Pioneer Denim in Zusammenarbeit mit Adriano Goldschmied Credits: Courtesy of Pioneer Denim

Im vergangenen November haben Sie in Mailand auf der Denim Première Vision zusammen mit dem Denim-Produzenten Isko die Kollektion „Moonskin Denim“ vorgestellt, die Innovation und Handwerkskunst durch Multifaser-Kompositionen aus Modal, Tencel und Leinen verbindet. Wie läuft die Kollektion?

Die Kollektion, die ich für Isko entworfen habe, zeichnet sich durch moderne und fließende Silhouetten aus. Sie umfasste sowohl Prototypen als auch fertige Kleidungsstücke, um zu zeigen, wie Denim-Marken mit den Stoffen von Lieferant:innen arbeiten und die verschiedenen Kollektionen interpretieren können.

Das gemeinsam mit meiner Marke Daily Blue entwickelte Projekt „Moonskin“ zeigt das kreative Potenzial, das entsteht, wenn modernste Textiltechnik auf visionäres Design trifft. Es hebt die „City Glam“-Beschichtungstechnologie von Isko hervor – ein Finish, das entweder glänzenden Glanz oder eine weiche, matte Feinheit bietet und dabei den authentischen Charakter des Denims bewahrt.

Die Kollektion war ein großer Erfolg, auch weil es uns gelungen ist, einen beschichteten Stoff mit einem sehr interessanten, weichen und femininen Griff zu entwickeln. Das ist normalerweise nicht möglich, da beschichtete Stoffe meist hart sind – dieser hingegen ist außergewöhnlich angenehm.

Die Moonskin-Kollektion, entwickelt von Daily Blue für Isko Credits: Isko e Daily Blue

Es ist bemerkenswert, dass Daily Blue – eine 1974 als innovatives Label gegründete Marke – auch fünfzig Jahre später konsequent ihrem innovativen Ansatz treu bleibt.

Sicher, ich konzentriere mich in erster Linie auf textile Innovation – ebenso auf das Design, doch das Experimentieren in diesem Bereich steht im Mittelpunkt meiner Arbeit.

Wie bleibt man auch nach so langer Zeit noch innovativ?

Ich arbeite mit verschiedenen Unternehmen zusammen, die je nach Projekt spezifische Eigenschaften mitbringen. So habe ich die Möglichkeit, ihr Know-how zu nutzen und ein Höchstmaß an Spezialisierung zu erreichen – je nachdem, was ich technisch, konstruktiv, web- oder färbetechnisch benötige. Meine Forschung ist sehr breit gefächert. Entsprechend unterscheiden sich auch die Unternehmen, mit denen ich arbeite, stark in ihren Fähigkeiten und Techniken.

Gibt es bestimmte Kategorien, in denen Denim besonders bahnbrechend sein muss?

Mein Ziel ist es, auch Luxushäusern Werkzeuge an die Hand zu geben, damit sie unverwechselbare Denim-Produkte entwerfen und herstellen können. Es ist offensichtlich, dass eine klassische Jeans nicht für die Kollektionen von Luxushäusern geeignet ist.

Kürzlich haben Sie mit Artmill, Teil der pakistanischen Gruppe Artistic Milliners, „Digital Blue Wave“ vorgestellt, ein Projekt, das Kunst in den Stoff des täglichen Lebens bringt. Ist die Verbindung von Kunst und Denim der richtige Weg, um die Kundschaft zu binden und neue Zielgruppen zu gewinnen?

Das ist ein weiteres Beispiel dafür, wie sich Innovation konkret entwickelt. Denn es ist eine Sache, Denim zu bedrucken, und eine andere, ihn von Hand zu bearbeiten. In diesem Projekt wird mein zentrales Ziel deutlich: neue Entwicklungsfelder zu erschließen und Raum für neue Produkte zu schaffen.

Die Idee hinter diesem Projekt ist es, Denim mittels Digitaldruck herzustellen – und damit das zu demokratisieren, was bislang vor allem in Japan entwickelt wird. Japan ist in der Forschung extrem fortschrittlich und produziert außergewöhnliche, aber sehr teure Textilien. Mein Ansatz war, diese Ästhetik durch Druckverfahren zu reproduzieren. So erhalten Denim-Marken die Möglichkeit, Looks zu entwickeln, die vom japanischen Textilsegment inspiriert sind, einschließlich der handwerklichen Anmutung, und diese zugänglicher zu machen. Auch in diesem Fall handelt es sich um eine Prototypenkollektion, die nicht zum Verkauf steht.

Artmill hat gezielt in den Digitaldruck investiert und an dessen Potenzial geglaubt – als Alternative zum traditionellen Garnfärbeverfahren. Neben ökologischen Vorteilen verändert diese Technologie den gesamten Produktionsprozess: Sie reduziert Lagerbestände, erhöht die Flexibilität, ermöglicht außergewöhnliche Präzision und verbessert die Effizienz in Entwicklung und Produktion. Marken können so näher am Markt agieren und schneller auf neue Trends reagieren.

Das Modell ‘Okinawa’ aus der von Goldschmied mit Artmill entwickelten Kollektion Credits: Courtesy of Artmill

Wie entwickelt sich der Denim-Markt angesichts dieser Innovationen und der aktuellen Marktkomplexität, geprägt von geopolitischer Instabilität, Kriegen sowie einer Konsum- und Luxuskrise?

Wie in vielen Branchen hat es auch hier tiefgreifende Veränderungen gegeben – sowohl technologisch als auch im Geschäft insgesamt. Gleichzeitig beobachten wir eine starke Präsenz des Marketings. Auf Produktionsseite verlagert sich vieles in Länder mit niedrigeren Kosten, die dennoch qualitativ hochwertige Produkte herstellen können.

Ein Beispiel ist meine Zusammenarbeit mit dem italienischen Modehändler OVS, bei der ausgeprägte Beschaffungskompetenz auf starke Designkompetenz trifft.

Zudem sehen wir aktuell Entwicklungen wie die Verpflichtung von John Galliano durch den spanischen Modekonzern Zara. Solche Schritte sind kein Zufall. Der Luxusmarkt hat eine Grenze überschritten und sich preislich außerhalb der Reichweite vieler Kund:innen bewegt.

Wir befinden uns meiner Ansicht nach in einem epochalen Wandel: Entscheidend wird sein, Qualität zu liefern und gleichzeitig kosteneffizient zu produzieren. Ich arbeite viel in China und kann sagen, dass dort heute sehr gute Produkte zu wettbewerbsfähigen Preisen entstehen. Das verändert den Markt grundlegend – nicht zuletzt, weil China ein riesiger Absatzmarkt ist.

Zum Abschluss sprechen wir über Nachhaltigkeit, die Sie seit Jahren vor allem durch Innovation vorantreiben: Gibt es ausreichend Sensibilität bei Verbraucher:innen und Unternehmen?

Nachhaltigkeit ist ein äußerst komplexes Thema. Klar ist: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind viele Kund:innen nicht bereit, mehr für nachhaltige Produkte zu zahlen. Gleichzeitig befinden wir uns politisch in einer Phase, die ich als eher rückläufig in Bezug auf Nachhaltigkeit bezeichnen würde.

Unternehmen hingegen betonen das Thema stark – es ist inzwischen fester Bestandteil nahezu jeder Strategie. Doch ob diese Positionierungen immer der Realität entsprechen, ist eine andere Frage.

Ich glaube nicht, dass Nachhaltigkeit allein ein ausreichend starkes Kaufargument ist. Die Gruppe derjenigen, die ausschließlich darauf achten, ist begrenzt. Bei vergleichbaren Preisen kann sich das jedoch ändern. In diesem Zusammenhang spielen Information, soziale Medien und klassische Medien eine zentrale Rolle. Auch künstliche Intelligenz wird zunehmend wichtig, da sie Unternehmen hilft, Kosten zu senken und Investitionen gezielter einzusetzen.

Es ist ein Wettbewerb mit vielen Akteur:innen – doch der Ausgang ist für mich klar: Gewinnen wird, wer Innovation, Nachhaltigkeit und neue Technologien überzeugend miteinander verbindet.

Modell ‘Adelaide’, Kollektion ‘Digital blue wave’ von Artmill in Zusammenarbeit mit Adriano Goldschmied Credits: Artmill

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