Design für den Roten Teppich: Hinter den Kulissen einer Met Gala-Ausstattung

Die E-Mail von Stylist X kam irgendwann Anfang März an. Wäre Designer X vielleicht daran interessiert, Celebrity 1 und Celebrity 2 für den Met Gala in New York zu kleiden? Es gab natürlich kein langes Überlegen. Entschieden nahm Designer X die Gelegenheit ohne zu zögern wahr.

Die Met Gala ist, wie wir alle wissen, kein durchschnittlicher Fundraising-Ball. Es ist die amerikanische Mode von ihrer besten Seite. Der rote Teppich der Met Gala ist für die Modebranche das, was für Hollywood die Oscars sind, und die internationale Presse absorbiert alles, was sich in der Welt der Stars tut. Die diesjährige Gala ist der Eröffnung der Modeausstellung "Heavenly Bodies: Fashion and the Catholic Imagination"diesjährige Gala ist der Eröffnung der Modeausstellung "Heavenly Bodies: Fashion and the Catholic Imagination" des Costume Institute gewidmet.

Marken zahlen riesige Summen, um sicherzustellen, dass sie präsent sind

Mit Donatella Versace und Rihanna im Komitee, die Anna Wintour unterstützen, ist die Met Gala eine Mode-Extravaganza, die kein Maison oder Designer verpassen oder auslassen möchte. Deshalb kann ein Tisch bis zu 500.000 Dollar kosten, und Marken wie Chanel und Tommy Hilfiger bezahlen diese Summen ohne Weiteres. Und das sind nur die Teilnahmegebühren, die Gagen der Berühmtheiten, die ihre Kleidungsstücke tragen, kommen obendrauf.

Designer X, der in Europa ansässig ist, begann zu recherchieren und entwarf Skizzen von möglichen Looks für Stylist X, zusammen mit Stoffoptionen, Farbschemata und Accessoires. Nach ein paar Gesprächen, einer Änderung hier und da, bestätigten Promi 1 und 2 ihre Looks und Designer X begann den Prozess der Fertigung der Kleider.

Alles, vom Kleid bis zum Zubehör, wird von Hand gefertigt

Zuerst ging es an den Stoff, der nachhaltig sein musste. Das Kleid maßgeschneidert. Alles vom Hut über den Schmuck bis hin zur Stickerei war Couture und musste nach den Maßen der Prominenten angefertigt werden.

Das Maßnehmen, oder besser gesagt eine Ganzkörper-Vermessung, erfordert das Erfassen jeder Dimension des Körpers — vom Umfang des Kopfes bis zur Länge der Arme, der Breite der Hüften und aller Proportionen vom Hals bis zu den Zehen der Schauspielerinnen. Der vollständige Bericht wird per E-Mail an Designer X geschickt, der ihn wiederum an die Mustermacher und Näherinnen schickt, die jetzt nur noch wenig Zeit haben, zwei Couture-Kleider zu fertigen. Ohne die Celebrities in der Nähe zu haben, bleibt es beim Hoffen, dass alles richtig passt, wenn das erste Kleid fertig ist. Selten sitzt die erste Probe "richtig".

Die erste Probe besteht aus Musselin

Deshalb ist die erste Version vernünftigerweise aus Musselin gefertigt, um eine Reihe von Veränderungen zu ermöglichen und das kostbare Gewebe für das letztendliche Kleid nicht zu verschwenden.

Bis zur ersten Anprobe ging alles glatt. Wenige Tage bevor sie in New York zur Anprobe erscheinen sollte, musste einer der Promis jedoch in Los Angeles filmen. Es machte keinen Sinn mehr für den Designer, für die Anprobe persönlich anzureisen, also wurde jedem Celebrity sein Kleid via UPS geschickt. Stylist X sollte die Anprobe filmen und alle notwendigen Änderungen notieren, zuerst in New York, dann in Los Angeles.

So viele Änderungen, so wenig Zeit

Die Änderungen waren beträchtlich und für das Studio sehr schwierig. Die Änderungen reichten von der Lockerung des Korsetts, mehr Stoff, um den Ausschnitt zu verdecken, das Dekolleté zu reduzieren, die Schleppe zu verlängern, den Stoff der Schleife durch etwas Leichteres zu ersetzen, das Muster der Stickerei zu ändern, und so weiter und so fort.

Am Montag vor der Veranstaltung sollten die Musterkleider, die mit den Änderungen versehen waren, im Atelier des Designers ankommen. Das New Yorker Kleid kam rechtzeitig, aber das Los Angeles-Kleid war nirgendwo zu finden. Stylist X hatte es mit dem Kurier FedEx zurückgeschickt, der die Lieferung an eine andere Firma auslagerte und das Kleid konnte nicht verfolgt werden. Es kam schließlich am Dienstagabend an, zwei Tage bevor Designer X das fertige Gewand für die letzte Anprobe nach New York bringen sollte. Jede weitere Änderung sollte am Morgen der Veranstaltung erfolgen.

Bei der letzten Anprobe mit den fertigen Kleidern am Samstag, die Designer X persönlich durch den Zoll gebracht hatte, wobei es fast zerquetscht wurde, als er durch den Sicherheitsscanner geschoben wurde, saß das Korsett bei Celebrity 1 etwas eng. „Zu viele Desserts", behauptete sie. Als der Reißverschluss am Rücken platzte, gab es vorübergehende schlechte Laune, doch glücklicherweise hatte das Studio einen Ersatz dabei, genau wie zusätzliche Knöpfe, Perlen, Stoff und alles andere, wo noch Probleme auftreten könnten.

Promi 2 war nicht begeistert von dem Muster der Perlenstickerei, aber da sie von Hand bestickt wurden, konnte nicht viel getan werden. Die Lösung war, es mit einem dunklen Filzstift zu übermalen, der dem Farbton des darunterliegenden Samtgewebes entsprach. Verschwunden war das Funkeln, das auf den Fotos gut ausgesehen hätte, während sie den roten Teppich entlang schreitet. Aber wichtiger ist, dass die Berühmtheit darin glücklich ist und sich in ihrem Kleid wohl fühlt.

Denn am Ende des Tages haben Prominente eine Vielzahl an Auswahlmöglichkeiten, unter denen sie wählen können. Mit wem sie zusammenarbeiten und welche Designer sie auf dem roten Teppich tragen, ist für viele - oder sogar die meisten - mit einem Preis verbunden. Der Met Ball ist eine Gelegenheit für Prominente und Designer zu glänzen, ein Vertrag, von dem beide Seiten profitieren.

Zum Glück kamen für diese zwei Berühmtheiten keine finanziellen Gebühren in Frage. Tatsächlich waren sie so freundlich, einen Beitrag zu den Gesamtkosten zu leisten, die für einen jungen Designer in die Tausende von Pfund gehen können. Etwas Seltenes im gegenwärtigen Klima des Influencer- und Celebrity Marketings.

Haftungsausschluss: Einige Namen und Ereignisse in dieser Geschichte wurden zurückgehalten, um die Privatsphäre aller beteiligten Parteien zu schützen. FashionUnited hält es für wichtig, sachliche Informationen über alle Aspekte der Modeindustrie zu veröffentlichen, und gleichzeitig die Privatsphäre der beteiligten Personen zu respektieren.

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.uk veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

Photo credit: via H&M

 

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