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DMI Fashion Day: "In der Mode erleben wir einen Umsturz"

Von Barbara Russ

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Mode

Der DMI Fashion Day, der vergangene Woche stattfand, eröffnete einen Ausblick in die Trends für Frühjahr/Sommer 2019. Unter dem Motto „Von Entertainment und Eskapismus – die aktuelle Psychologie des Konsums“ präsentierte das Deutsche Modeinstitut am 25. Januar in der Rheinterrasse Düsseldorf seine Vision zu Zeitgeist, Materialien, Marktanalysen und Mode-Trends der Womens- und Menswear für die Saison Frühjahr/Sommer 2019.

Die Fachreferenten des DMI präsentierten ihre Trendboards zu Farben, Silhouetten und Materialien; hinzu kamen Podiumsdiskussionen und Vorträge geladener Gastredner, die Anregungen und Analysen darüber bereithielten, was die Branche im kommenden Jahr bewegen wird.

Themen, die die Modelandschaft in den nächsten Jahren prägen

Im Fokus des Vortrags von Gastrednerin Anita Saathof stand die Inszenierung von Mode in einer digital orientierten Gesellschaft, in der Brands ihre Kunden als ‚Fans‘ begreifen sollten. „Trends kommen und gehen, aber Fans bleiben,“ lautete daher die Hypothese von Saathoff, Mitglied der Geschäftsleitung und Senior Beraterin bei der Marktforschungsagentur ‚Forum!‘. Ihre Agentur untersucht unter anderem Fan-Quoten großer deutscher Textilgeschäfte. Nach diesem Fan-Indikator wird die emotionale Kundenbindung gemessen – mit dem Ziel, „Kunden zu Fans zu machen“, erläutert sie. Das Geheimrezept sei es ,„Leidenschaft für die Marke“ zu vermitteln, aber auch „Orientierung, fachliche Beratungsleistung und die Begegnung auf der Fläche“ seien für Marken wichtig.

„In der Mode erleben wir einen Umsturz“, berichtete Zeitgeist-Referent Carl Tillessen. Er sieht darin einen „globale[n], kulturelle[n] Klassenkampf“. Das Bild des Hipsters mit seinem kreativen Einfluss gerät dabei ins Wanken, sogenannte Neureiche – Stars aus Sport und Pop – gelten als die neuen Vorbilder einer Generation, die dem „Hip-Hop-inspirierten Streetwear-Trend“ zugewandt ist. Mit diesen zwei gegensätzlichen Strömungen ließen sich „Extreme zwischen hohem Mengenkonsum und nachhaltiger Werteprägung“ erklären, so das Fazit.

„Es ist ein populäres Missverständnis, dass die Mode uns vorschreibt, was wir anziehen sollen“, erklärte Dr. Diana Weis „Es sind doch die ganz normalen Menschen, die die Mode prägen“. In ihrem unterhaltsamen Gastauftritt beim Fashion Day unternahm sie anhand von berühmten Zitaten eine Reise durch die Epochen und schlussfolgerte: „Die Geschichte hat gezeigt, dass Veränderungen nur stattfinden können, wenn sie in Mode kommen. Wir brauchen also die Mode!“

Welche Rolle – neben einem guten Produkt – die Persönlichkeit bei der Kundenbindung spielt, verdeutlichten Ileen Schlotmann und Hans-Peter Vankerkom, die bei der Podiumsdiskussion die unterschiedlichen Generationen wie auch Flächengrößen im stationären Handel repräsentierten. „Der Konsumentendruck steigt, immer etwas Neues haben zu müssen“ - sowohl im Premium-Segment wie über die ganze Bandbreite von Sport bis High Fashion. Damit müsse der Handel mithalten.

Vom Trendvortrag zum Produkt

Im Zentrum des Fashion Days standen die Farb- und Material Key Directions für den Sommer 2019: Die Themen, denen diese zugeordnet wurden, heißen ‚The Inspirer‘, ‚The Essentialist‘, ‚The Trespasser‘ und ‚The Star‘ und bilden die vier Kernthemen für eine Vielzahl an Interpretationen dazwischen, sei es in Sachen Materialien, Garne, Farben oder Silhouetten.

Prof. Dirk Wolfes und Thomas Hill präsentierten gemeinsam die Strömungen für Womens- und Menswear im Sommer 2019. Afrikanische und amerikanische Einflüsse hier, die Ästhetik von Reduktion und Nachhaltigkeit dort - wie eine Collage aus digitaler Kreativität und technischen Innovationen, auf die Spitze getrieben mit viel Glanz und Glamour. Bei dem Fachpublikum kamen die Vorschläge gut an: „Interessant ist für uns vor allem das Zeitgeist-Thema, aber auch die Farben und die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten in Sachen Materialien. Das schlägt sich dann auch in den Farben und neuen Techniken in unseren Produkten nieder“, erklärten Jana Margarete Müller, Design- und Produktentwicklung, und Sarah Schnabel, Junior Designerin bei Camano, die aus dem fränkischen Pleinfeld am Brombachsee zu der Konferenz angereist waren.

Auch Gerd Müller-Thomkins vom DMI kann dies bestätigen: „Wir bieten den Teilnehmern eine geballte Ladung an Information. Schwerpunktmäßig konzentrieren wir uns auf die Farbkommunikation, der Darstellung der Oberflächen und Materialien - die Dinge, die den frequenten Umschlag in der Branche garantieren. Unsere Gastbeiträge gehen zusätzlich auf Zeitgeist-Themen ein. Sie vermitteln einen intellektuellen Unterbau zu den konkreteren Themen, die den Überbau bilden. Der Fashion Day ist also so etwas wie eine deduktive Herangehensweise an die Produktentwicklung von der Betrachtung der Welt hin zur Konkretisierung eines Produkts - dabei lassen wir aber auch den Markt nicht aus den Augen. Alles, was mit Oberflächen und Farben zu tun hat und im Zusammenhang mit Lifestyle-Entwicklung steht, ist hier richtig.“

Über das Deutsche Mode-Institut

Das Deutsche Mode-Institut mit Sitz in Köln recherchiert, analysiert und kommuniziert Trends aus den Bereichen Fashion und Interior für alle Textil-, Mode- und Lifestyle-relevanten Branchen. Zu den Kerngebieten des DMI gehören umfassende Entwicklungsanalysen und frühzeitige Trendinformationen für Womens- und Menswear sowie Accessoires, dazu Farben, Materialien, Garn und Fasern. Das DMI verzeichnet aktuell annähernd 400 Mitgliedsunternehmen aus allen Stufen der Branche.

Bilder: Mit freundlicher Genehmigung des DMI

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Gerd Müller-Thomkins