Drei Unternehmerinnen über Female Empowerment und gegenseitiges Mentoring

Nachrichten über Frauen, die in der globalen Mode-Lieferkette an den Rand gedrängt oder missbraucht werden, sind leider allzu häufig. Hingegen sind Geschichten von Frauen, die andere Frauen aktiv dazu ermächtigen, es in der Branche zu etwas zu bringen, eher selten. Bei der jüngsten Veranstaltung von Fashinnovation in New York wurde die Bühne von einem Gremium erfahrener Unternehmerinnen in Führungsrollen besetzt, die erklärten, wie sie gesellschaftlichen Wandel vorantreiben und Gender-Stereotype aufbrechen und das System von innen heraus neu aufbauen. Hier diskutieren drei von ihnen ihre individuellen Methoden, diese Ziele zu erreichen.

Die Geschäftsführerin

Sandra Campos, CEO von Diane von Fürstenberg, liest jeden Morgen mindestens zwei Stunden Wirtschaftsnachrichten auf Plattformen wie LinkedIn oder Jing Daily und informiert sich über alles, von den neuesten Produkten über das Geschehen bei Tesla bis hin zu den Aktienkursen, weil sie glaubt, dass all dies Auswirkungen auf die Mode hat und es entscheidend ist, auf dem Laufenden zu bleiben.

Die Gründerin

Ariane Goldman, die Gründerin von Hatch, baute ihr Unternehmen darauf auf, Frauen im Laufe der Schwangerschaft zu helfen, weil sie die Probleme aus eigener Erfahrung kannte. Ihre Marke bietet nicht nur schicke Umstandskleidung und für Schwangere geeignete Kosmetikprodukte an, sondern will auch eine Gemeinschaft schaffen, die Frauen bei der Bewältigung von Postpartum-Depressionen, Fehlgeburten, Unfruchtbarkeit, beim Stillen und bei Schlafentzug unterstützt, indem sie zu ihrer Veranstaltungsreihe mit dem Schwerpunkt „Echte Frauen mit echten Geschichten“ einlädt. Investieren in Frauen bedeutete für Goldman, „einen physischen Ort zu eröffnen, um diesen Gesprächen Raum zu geben, diese Momente gemeinsam durchzustehen und uns gegenseitig zu unterstützen".

Das Model als Aktivistin

Coco Rocha, Model und Aktivistin, Miteigentümerin der Modelagentur Nomad, Gründerin des Coco Rocha Model Camps, hat über 17 Millionen Follower in den sozialen Medien und nutzt das als ein Mittel zum Empowerment. Früher sollten Models nicht sprechen oder gehört werden, aber sie entdeckte MySpace und fand ihre Stimme. „Die Branche sagte mir, wenn ich das weiterhin tue, wird es meine Karriere ruinieren. Die Vorstellung von Models war, dass sie unnahbar sein sollten, dass wir eine Fantasiewelt repräsentierten. Dass die Leute also wussten, dass ich jeden Abend im Pyjama Müsli gegessen habe und HGTV schaute, war für die Industrie verrückt.“

Trotz der dunklen Seite der sozialen Medien glaubt Rocha, dass diese eine wertvolle Ressource für Frauen sind, die am Anfang ihrer Karriere stehen, egal ob als Models oder Geschäftsfrauen. Sie erinnert sich an einen Artikel vom Anfang ihrer Karriere, in dem behauptet wurde, sie sei zu dick für den Laufsteg: „Sie haben nicht gemerkt, dass sie sich mit dem falschen Modell angelegt haben.” Sie sagte der ganzen Welt, was sie von der Meinung des Journalisten hielt. „Man erkennt erst, welche Macht man hat, wenn man Gefahr läuft, seine Stimme zu verlieren. Sie zu nutzen, kann dein Geschäft verändern.“

Drei Unternehmerinnen über Female Empowerment und gegenseitiges Mentoring

Rochas Model Camp schult in mehreren Ländern Models was die künstlerische Seite des Jobs angeht, die Inhalte, das Posieren, die Präsenz auf dem Laufsteg, aber auch bezüglich der Aufklärung dieser manchmal sehr jungen Frauen über ihre Rechte, Vertragsverhandlungen, Buchhaltung, die Bedeutung einer handfesten Entscheidungsfindung. Als sie erfolgreich wurde, gab es keinen solchen sicheren Ort, und da die jungen Mädchen in der Regel die älteren Models ersetzten, dachten alle: Warum sollte man jemandem helfen? „Aber mir wurde klar, dass ich eines Tages ersetzt werden würde“, sagt sie, „warum also nicht der zukünftigen Generation helfen, ihnen eine tolle Zeit bei der Eroberung dieser Industrie zu ermöglichen?“ Fast 600 Frauen haben bisher diese Ausbildung durchlaufen und so wurde eine Gemeinschaft von Frauen geschaffen, die in der ganzen Welt arbeiten.

Mentoren aus der Modebranche unterstützen die Stärkung der Frauen

Diese Frauen ermutigen dazu und sind sich einig, dass es verschiedene Mentoren gibt, die auf mysteriöse Weise auftauchen, wenn sie in verschiedenen Phasen einer Karriere gebraucht werden. Es überrascht nicht, dass Campos auf ihre Chefin Diane von Fürstenberg verweist, die ihr Unternehmen vor 45 Jahren gegründet hat. Trotz der dramatischen Höhen und Tiefen im Laufe der Jahrzehnte ist ihr Unternehmen immer noch eines der führenden amerikanischen Modehäuser. Während sie ihr gleichnamiges Unternehmen leitete, hatte von Fürstenberg gleichzeitig mächtige Positionen inne, unter anderem war sie Präsidentin des Council of Fashion Designers of America und stand auf der Forbes-Liste der mächtigsten Frauen der Welt. Campos sagt: „Diane von Fürstenberg ist eine Legende, keine Denkerin der alten Schule, sondern eine sehr anregende, innovative Denkerin.“

Mütter sind Goldmans Mentorinnen, die Frauen, die vor ihr in die Schwangerschaft gingen, die Ratschläge oder einfach nur Begleitung anboten, während die Supermodels Cindy Crawford, Christy Turlington und Iman zu Rochas Mentorinnen gehörten. Sie beschreibt ihre Ungläubigkeit, als sie als junges Model Cindy Crawford und Iman auf Twitter ansprach, die sie nie kennen gelernt hatten, um zu fragen, ob sie auf ein paar Fragen antworten würden. Beide stimmten zu. Rocha schickte 50 Fragen, von denen Iman 48 und Cindy 49 beantwortete - die nicht beantwortete Frage sei eine Wiederholungsfrage gewesen,

Die Macht des Neinsagens ist ein wichtiger Faktor in der Laufbahn dieser Frauen, ebenso wie ein inhärentes Selbstbewusstsein. „Für meine Kunden war es frustrierend, dass ich eine Meinung darüber hatte, wie ich dargestellt werden wollte, anstatt mich nur wissen zu lassen, wie sie mich darstellen wollten“, sagt Rocha. „Als Geschäftsfrau muss man wissen, wer sein Kunde ist, aber auch, wer man selbst ist. Jeder sollte dieses Gespräch mit sich selbst geführt haben.“

Für Gründer ist das, wofür ihre Marke steht, im Wesentlichen das, wofür man am Ende selbst steht. Aber in der Anfangszeit kann es angesichts der Dollarzeichen verlockend sein, den Fokus auf das zu verlieren, was das eigene Unternehmen von allen anderen unterscheidet. Möglichkeiten für Frauen, zusammenzukommen, können motivierend sein, und der Erfolg von Goldman zeigt, dass die Stärkung der weiblichen Stimmen innerhalb einer Gemeinschaft eine Einheit schafft, die Frauen ermächtigt.

Was hätten die drei gerne von Anfang an gewusst? Campos rät den Frauen, offen zu sein, neugierig zu sein, denn manche Erfahrungen mögen zu diesem Zeitpunkt keinen Sinn machen, aber sie tun es vielleicht zehn Jahre später. Goldman ist der Meinung, dass Weisheit zwar wunderbar ist, Wissen aber auch entmutigend sein kann. Es kann vorteilhafter sein, nicht zu viel zu wissen, sondern an seinen Instinkten festzuhalten. Rocha sagt: „Ich habe die Branche verärgert, indem ich der Whistleblower, die mit der lauten Stimme, war - also würde ich meinem jüngeren Ich sagen, dass ich das einfach akzeptieren und annehmen sollte.“

Dies ist eine Übersetzung eines englischen Beitrags von Jackie Mallon. Jackie Mallon lehrt Mode in New York und ist die Autorin des Buches ‚Silk for the Feed Dogs’, ein Roman, der in der internationalen Modeindustrie spielt. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ.

Fotos: Fashinnovation

 

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