Drohnen und Ugly Sneakers: Ein Blick in die Zukunft des Einkaufs bei The KaDeWe Group

Streetwear kreuzt sich mit Luxus, Funktionskleidung wird Mode. Die Grenzen zwischen Büro und Freizeit verschwimmen in der Mode und zusehends auch bei The KaDeWe Group und ihren drei Traditionshäusern KaDeWe, Alsterhaus und Oberpollinger. Im Mode-Einkauf fängt Colin Göbel-Thoma diese Entwicklungen als Buyer Urban Sports ein. Im Interview mit FashionUnited erzählt er, wie Einkäufer auf Trends reagieren, die soziale Medien beschleunigen, von der Konkurrenz zu Sneakerläden und dass Drohnen neben klobigen Turnschuhen zu den Must Haves der Saison gehören.

FashionUnited: Herr Göbel-Thoma, können Sie uns erklären was hinter Ihrem Bereich Urban Sports steckt, den es so seit Frühjahr 2018 gibt?

Die Besonderheit des Urban Sports Bereiches ist, dass wir feststellen, dass die Grenzen, zwischen Bekleidung, die sowohl für sportliche oder funktionale Zwecke getragen werden kann, als auch für die Straße eingesetzt wird, immer mehr verschwimmen. Wir sehen, dass sich viele Marken neu erfinden, Produkte anbieten, die eben auch den Anforderungen, besonders für das Leben in Großstädten, entsprechen.

Wie reagieren Sie als Einkäufer auf diesen Trend innerhalb der KaDeWe Group?

Im Moment haben wir mit unserem Concept Store The Storey im Oberpollinger in München unsere Pilotfläche gestartet. Hier waren wir bisher sehr Streetwear-lastig unterwegs, jetzt werden aber zunehmend sportive und funktionale Elemente Einzug halten. Beispiele dafür sind Marken wie The North Face, Columbia, die ursprünglich aus dem Bereich Outdoor und Hiking kommen, mittlerweile in der Streetwear aber große Namen geworden sind. Für die Damenoberbekleidung gesprochen, wird beispielsweise der ganze Athleisure-Part zukünftig bei The Storey stattfinden. Da sprechen wir über Adidas mit Stella McCartney, No Ka’Oi oder The Upside, die einen Sport-Aspekt erfüllen, aber genauso auf der Straße stattfinden und im Alltag.

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Drohnen und Ugly Sneakers: Ein Blick in die Zukunft des Einkaufs bei The KaDeWe Group

Foto: Oberpollinger | The KaDeWe Group

Wie spielt der Bereich Urban Sports in das KaDeWe und das Alsterhaus hinein, wo es noch keine Concept Stores gibt?

Für die anderen Häuser gesprochen sind wir in der Konzeptplanung, weil wir einfach sehen, dass der Bedarf in die Richtung Urban Sportswear immer größer wird und wir uns für die Zukunft sehr gut aufstellen wollen.

Sieht man auch an den Umsatzanteilen der verschiedenen Bekleidungs-Segmente, dass sich Kleidung an der Grenze zwischen Sport und Alltag gut entwickelt hat?

Gerade Bereiche wie beispielsweise Athleisure, sind schon einer der großen Gewinner der letzten Saisons. Generell, kann man sagen, dass die Stammsortimente nicht mehr die ganz großen Anteile in den Häusern wie früher eingenommen haben. Für den Bereich Schuh gesprochen, ist der Sneaker seit Jahren Gesprächsthema Nummer Eins und bleibt es auch. Die Umsätze sind auch da gestiegen.

Seit April sind Sie bei der KaDeWe Group, vorher haben Sie bei Lodenfrey und Peek & Cloppenburg gearbeitet. Was ist das Spannendste an Ihrem neuen Job im Bereich Urban Sports?

Das Besondere ist, dass man eine Vorreiterrolle einnehmen kann, weil noch nicht so viele Häuser diesen Bereich sehr groß leben und wir für uns erkannt haben, dass das sehr wichtig ist.

Drohnen und Ugly Sneakers: Ein Blick in die Zukunft des Einkaufs bei The KaDeWe Group

Foto: Colin Göbel-Thoma

Ist es nicht auch sehr schwierig Vorreiter zu sein, wenn traditionelle Verfahren nach denen eingekauft wurde nicht mehr gelten?

Man muss sich natürlich ein bisschen darauf einstellen. Gerade in dem Bereich sind wir sehr schnelllebig unterwegs, die Trends sind gerade durch Social Media unheimlich schnell präsent, verbreiten sich sehr schnell, sind überall erhältlich. Es ist nicht mehr so, dass nur noch die großen europäischen Metropolen von diesen Trends profitieren. Man muss solche Trends sehr, sehr schnell erkennen und für die Fläche umsetzen. Und dabei auf der anderen Seite auch erkennen, wann so ein Trend wieder vorbei sein kann, weil die Zyklen sich verkürzt haben.

The Storey

Hinter dem Concept Store stecken große Ambitionen, er will den Geist wegweisender Konzepte, wie die des Londoner Dover Street Market oder des Mailänder 10 Corso Como, in das Münchner Oberpollinger einhauchen. Die vom Berliner Architekten-Duo Gonzalez Haase gestaltete Verkaufsfläche will Mode und Kunst in ihrem “Cold Chic” vereinen, während Labels, Accessoires und mehr den urbanen Zeitgeist einfangen sollen.

  • Startschuss: Oktober 2016
  • Fläche: ca. 2000 Quadratmeter
  • Mode-Labels: Adidas Originals, Nike, Carhartt, Wood Wood, The North Face, Libertine-Libertine, ...
  • Gadgets: von Instant Kameras über Kopfhörer bis zu E-Scootern
  • Wie spiegeln sich die schnelleren Zyklen beim Ordern wider?

    Generell gesprochen ändert sich die Art der Order bei der Zusammenarbeit mit den Lieferanten, weil man früher hauptsächlich in einem Pre- und Haupttermin geplant hat. Jetzt werden zusätzlich immer wieder Flashprogramme in die Saison hinein gestreut, womit auch die Lieferanten versuchen, auf die aktuellen Bewegungen einzugehen. Da müssen wir uns natürlich auch budgetseitig etwas flexibler zeigen und uns immer wieder darauf einstellen, was in der Saison passieren kann.

    Gelten solche Formeln für Einkäufer, wie 80 Prozent Bestandsmarken und 20 Prozent neue Labels, für Sie noch?

    Da müssen wir für den Urban Sports Bereich etwas mutiger sein. Wir versuchen uns hier von Prozentagen freizumachen. Es ist schon so, dass wir bei unserem Markengerüst auf verlässliche Partner aufbauen, bei welchen wir einfach wissen: Damit machen wir einen großen Teil unserer sicheren Umsätze. Aber natürlich ist es gerade in dem Bereich wichtig, dass wir immer wieder neue Impulse setzen und auch unsere Kunden auf die Reise mitnehmen.

    Während der Order-Saison hört man oft, dass der Raum für Neu-Inspirationen bei den Einkäufern eng geworden ist. Wo bekommen Sie Ihre Inspirationen her?

    Auf die Messen bezogen, ist es schon so, dass wir versuchen unsere Bestands-Lieferanten zu treffen, aber wir haben natürlich mit allen auch separate Termine zu den Orders. Wir versuchen uns auch wirklich Luft zu lassen auf den Messen, um zu schauen welche neuen Marken da sind, wie sich die Messe umstrukturiert hat. Ansonsten reisen wir nicht nur viel um Messen zu besuchen, sondern auch zur Inspiration, da viele Trends auf den Straßen entstehen. Tokio in Japan oder Seoul in Südkorea, die wir jetzt besucht haben, sind sehr maßgebend und zeigen einfach in welche Richtung die Trends gehen. Diese Kultur ist teils offener und setzt Dinge schneller um. Gerade in Tokio und Seoul hat das Thema Streetwear mittlerweile einen ganz anderen Stellenwert und die Kombination mit Luxus ist sehr alltäglich.

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    Foto: Super Asia Kampagne bei The Storey

    Trotz der Inspirationen von den Straßen, welche Messen bleiben für Sie relevant?

    Für die Menswear gesprochen, bleibt die Pitti Uomo in Florenz eine der maßgeblichen Messen, auch da kann man beobachten, dass sich die Entwicklung immer mehr Richtung Streetwear bewegt. Für uns ist die Seek in Berlin aufgrund der Ausrichtung sicherlich eine der wichtigen Messen, weil man dort auf relativ komprimierter Fläche alle nennenswerten und namhaften Streetwear- und Urban-Labels versammelt sieht. Die Städte London, Paris und Mailand sind für uns nach wie vor die europäischen Ziele.

    Welche Trends haben Sie von den Messen dieser Saison mitgenommen?

    Es ist schon so, dass die 80er und 90er Bewegung, das Retro-Thema und die Logo-Lastigkeit gerade bei den Streetwear-Labels nach wie vor sehr wichtig sind. Wir merken, dass Farben immer größere Anteile annehmen und dass wir nicht mehr nur Schwarz, Weiß oder Dunkelblau kaufen müssen, sondern dass sich die Kunden hier etwas zutrauen und auf Farben und Lautstärke gehen. Das Gleiche gilt auch für Sneaker, es wird immer massiver, die Silhouetten sind immer klobiger, sicherlich inspiriert von Marken wie Balenciaga, die den Markt geprägt haben.

    Welche Marken spiegeln diese Beobachtungen wieder und sind interessant für Sie?

    Für uns sehr gute Partner im Moment sind Labels, die genau das bedienen. Das sind beispielsweise Adidas, Fila, Champion, Ellesse und Kappa. Wenn man’s dann etwas ins Sportive zieht, dann gibt es da Marken, wie The North Face, Columbia, Patagonia, die sich mit Streetwear Kollektionen neu erfinden.

    Was sind die Must-haves der Saison?

    Absolutes Must-have im Moment ist die Tennissocke, die von jedem Hersteller und in jeder Kollaboration angeboten wird. Man sieht sehr viel Dad Sneakers, Ugly Sneakers, Cross Body Bags. Diese ganzen Streetwear-Items, die das Outfit vervollständigen, sind sicherlich Must-haves. Was man natürlich auch immer stärker sieht und aus der Mode rausgeht, weshalb wir uns versuchen sehr konzeptmäßig aufzustellen, sind immer mehr technologische Gadgets, von kleinen Boxen bis hin zu Drohnen.

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    Foto: The Storey | Roman Thomas

    Wenn Sie die technischen Gadgets ansprechen, geht das nicht über das klassische Profil eines Mode-Einkäufers hinaus?

    Ja, es ist so, dass ich diese Gadgets gar nicht selbst betreue, sondern sie von den Kollegen betreut werden, die aus dem jeweiligen Fachbereich kommen. Wir sind im Einkauf sehr eng miteinander vernetzt, genauso mit unserem Travel- und Backpack-Bereich, weil wir natürlich wissen, dass wir das größtmögliche Know-How in den jeweiligen Produktkategorien brauchen, wenn wir unser Konzept darstellen möchten. Daher finden sehr enge Abstimmungen zwischen uns innerhalb der Saisons statt: Wer kauft welche Themen? Welche Ausrichtungen wollen wir machen? Was passt wo dazu um wirklich ein rundes Bild auf die Fläche zu bringen? Wir versuchen engen Kontakt zu halten während der Reisen, auch mal Reisen gemeinsam abzustimmen, so dass wir gemeinsam vor Ort sein können.

    Ist das auch ein Ausdruck dessen, wie sich der Beruf des Einkäufers über die Jahre verändert hat?

    Es ist natürlich schon so, dass die Digitalisierung einen großen Einfluss darauf genommen hat, weil auch gerade Trendrecherche über das Smartphone unterwegs stattfinden kann. Früher war man mehr darauf angewiesen Messen zu besuchen und in bestimmte Key-Cities zu reisen. Jetzt ist es so, dass sich die Recherche und die Inspiration in alle Phasen hinein vermischt. Dadurch ist es vielfältiger geworden.

    Ich vermute Sie haben auch einen Instagram-Account?

    Ja.

    Wie vielen Accounts muss man heutzutage als Einkäufer auf Instagram folgen?

    Ich würde das gar nicht an der Zahl festmachen, man sollte da einfach regelmäßig reinschauen, wahrscheinlich sogar mehrmals täglich.

    Aufgrund der digitalen Entwicklungen kaufen Menschen auch anders ein als vor fünf Jahren. Wie hat das Ihre Einkaufsentscheidungen beeinflusst?

    Wir müssen uns darauf einlassen, was digital auch gerade von Lieferantenseite gepusht wird. Kunden eines KaDeWe, eines Oberpollinger, eines Alsterhauses, erwarten natürlich auch, dass wir von den entsprechenden Marken die Produkte verfügbar haben, die nicht überall erhältlich sind und das gewisse Unterscheidungsmerkmal darstellen.

    Kann man sich das so vorstellen, dass The KaDeWe Group mit etablierten Sneaker-Läden von Berlin bis München um die begehrtesten Sneaker Drops konkurriert?

    Da muss jeder Lieferant schon sein Cluster bilden. Unsere Gruppe hat einen sehr hohen Zugriff, auf den wir auch sehr stolz sind, weil wir als eine der wenigen Department-Stores auch europaweit auf Artikel zugreifen können, die nicht jeder bekommt. Hier können wir mit den meisten Sneaker Stores sehr gut mithalten

    Warum glauben Sie weiterhin an den stationären Einzelhandel?

    Wir glauben natürlich sehr stark daran, weil wir mit unseren Häusern als Ikonen der jeweiligen Städte gelten. Berlin ohne KaDeWe ist kaum vorstellbar, als Sehenswürdigkeit Nummer 3 nach dem Brandenburger Tor. Wir können dem Kunden etwas bieten, was er online im ersten Moment nicht bekommen kann und das ist zum einen ein Einkaufserlebnis, aber auch ein Ort, an dem man gerne seine Zeit verbringt, andere Menschen trifft und sich inspirieren lässt.

    The KaDeWe Group:

    The KaDeWe Group besteht aus den drei Warenhäusern Kaufhaus des Westens in Berlin, Oberpollinger in München und Alsterhaus in Hamburg. Alle drei Häuser wurden am Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut und zählen heute zu den Wahrzeichen ihrer jeweiligen Metropolen. Im Zuge der Übernahme des Karstadt Konzerns erwirbt der österreichische Warenhaus- und Immobilienkonzern Signa auch KaDeWe, Alsterhaus und Oberpollinger. Die drei Kaufhäuser werden von Karstadt getrennt und firmieren seit 2014 unter The KaDeWe Group. Der thailändische Warenhausbetreiber Central Group übernimmt 2015 mit 50,1 Prozent die Mehrheit an The KaDeWe Group von Signa, die weiterhin 49,9 Prozent hält. Unter der Leitung von international renommierten Architekten werden die drei Kaufhäuser zur Zeit umgebaut, mit der Fertigstellung wird Mitte des kommenden Jahrzehnts gerechnet.
     

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