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Fireside Chat goes Italy: Was die deutsche Mode von Italien lernen kann

Mode

FCG/ ITA
Von Barbara Russ

9. Juni 2021

Der deutsche Modeverband Fashion Council Germany kooperiert enger mit seinen Pendants in Italien. Ein erster Austausch am Dienstag gab einen Vorgeschmack auf einen Schulterschluss, von dem beide Parteien profitieren können.

In Italien hat Mode einen anderen Stellenwert als in Deutschland. Die Modebranche ist dort eine Industrie, die „für Italien so wichtig [ist], wie die Autoindustrie für Deutschland“, wie die Präsidentin des Fashion Council Germany (FCG), Christiane Arp, beim Netzwerk-Event 'Firesidechat Goes Italy', der zusammen mit der italienischen Handelsagentur ITA ausgerichtet wurde, am Dienstag feststellt. Außerdem hat der italienische Modeverband Camera Nazionale della Moda Italiana (CNMI) dem FCG einige Jahrzehnte an Erfahrung und Lobbyarbeit für die Mode voraus. Die CNMI wurde 1958 gegründet, der FCG ist gerade einmal sechs Jahre alt. Es lässt sich also viel bei den Italienern abschauen und man ist sich einig, dass beide Parteien von einem Informationsaustausch profitieren können. Schließlich ist Deutschland einer der wichtigsten Märkte für die Italiener.

Die italienische Modeindustrie als Vorbild

Eine Sache, die sich sogar das Silicon Valley vom italienischen Modesystem abgeschaut hat, so erzählt Carlo Capasa, Vorsitzender der CNMI im Gespräch mit Arp, sei der charakteristische Aufbau vieler seiner Akteure: Die meisten sind Kunsthandwerker mit weniger als zwei Personen. Unterkapitalisiert, klein und damit wendig, aber eben in Krisenzeiten auch anfällig, wie das vergangene Jahr gezeigt hat. Und es sei schwer, in Krisenzeiten gute Mitarbeiter im Unternehmen zu halten –der Wettbewerb um diese sei hoch, so Capasa. „Wir haben 27 Prozent Umsatz verloren im Vergleich zu 2019“, sagt er. Vor allem kleine Kunsthandwerksbetriebe und Marken der neuen Generation seien davon stark betroffen. Immerhin, der italienische Staat griff den Unternehmen unter die Arme, und Capasa blickt optimistisch in die Zukunft: „Ich glaube, dass unsere Zahlen 2022 wieder auf dem Niveau von 2019 sein werden."

Überhaupt, die Zukunft ist für beide Partner der Initiative ein großes Thema: „Die Bedürfnisse der Branche ändern sich total“, sagt Arp und Capasa pflichtet ihr bei: „Wir stehen vor einer Revolution. Die gesamte Produktion geht in Richtung Nachhaltigkeit, also brauchen wir eine neue Generation, neue Leute.“ Bildung ist ein wesentlicher Bestandteil der Nachwuchsförderung in beiden Ländern. „Wir haben einen Plan für Wandel in unserer Regierung vorgelegt“, so Capasa: „Es ist ein großer Plan zum Umbau in Richtung Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Bildung.“ Auch die Frauenförderung ist für ihn ein Thema: 57 Prozent der Arbeitnehmer in der italienischen Modeindustrie sind Frauen. „Wir müssen sie in Bezug auf die Gehälter auf dem gleichen Niveau wie Männer behandeln. Es ist schlimm, dass man das im Jahr 2021 noch sagen muss”, so Capasa

Bauhaus-Heritage und der Adelsschlag der Politik

Auch in Deutschland hat die Regierung Schritte auf die Modebranche zu gemacht. So wurde der FCG zusammen mit anderen Akteuren der deutschen Mode 2018 von der Staatsministerin und Beauftragten für Digitalisierung, Dorothee Bär, zu einem Austausch ins Kanzleramt eingeladen, bei dem auch Kanzlerin Angela Merkel vorbeischaute. Kürzlich erhielt eine neue Initiative, die der FCG zusammen mit der Messe Frankfurt ins Leben gerufen hat, einen Adelsschlag aus der Politik: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen soll im Juli die Eröffnungsrede der Konferenz „Das neue europäische Bauhaus - Werkstatt der Zukunft“ halten. Gemeinsam mit renommierten Stimmen aus den Bereichen Mode, Design, Kunst, Kultur, Bildung, Digitalisierung und Technologie soll nach neuen Lösungen gesucht werden, um die Modeindustrie nachhaltig, inklusiv und damit erstrebenswerter zu machen.

Ein smarter Schachzug, mit dem Bauhaus-Label auf einer Heritage aufzubauen, die Deutschland ästhetisches Können aus vornehmlich anderen Design-Bereichen zuspricht, in der Hoffnung, dass es auf die Wahrnehmung der deutschen Mode abfärbt. Denn es ist ein offenes Geheimnis: Die Deutschen haben eine geringere Wertschätzung für ihre Mode, als die Italiener oder Franzosen. Der Fashion Council Germany versucht seit seiner Gründung, dies zu ändern und der Mode in Deutschland einen höheren Stellenwert zu verschaffen. Die Bauhaus-Initiative ist ein wichtiger Schritt nach vorne in diesem Prozess und die Partnerschaft mit Italien eine strategisch hervorragende Idee, die hoffentlich fortgesetzt wird

Die Website ‚German Italian Fashion Experience 2021‘ beinhaltet neben einem gut aufbereiteten Buyers-Guide auch die Möglichkeit, Termine mit den Designern zu buchen. Ein interaktiver digitaler Showroom wurde im brandenburgischen Wald inszeniert. Besucher können auf der Website die Outfits der teilnehmenden deutschen Marken Antonia Zander, Buki Akomolafe, Julia Leifert, Lara Krude, Natascha von Hirschhausen, Nina Rein, Working Title, Faulhaber Products, Lutz Morris und Oftt, sowie der italienischen Labels Gentile Catone, Gilberto Calzolari, Apnoea, Melampo, MRZ, Radica Studio, Tiziano Guardini, Amato Daniele, Michele Chiocciolini und DassùYAmoroso erkunden.