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Forderung: Mehr weibliche Kreativdirektorinnen

Die Modeindustrie ist schon seit langer Zeit eine der Säulen weiblichen Empowerments. Das Modebusiness fußt auf dem Genie, dem Innovationsgeist, dem Konsumerismus und der Gravitas einiger einflussreicher und beeindruckender Frauen seiner der Geschichte. Dementsprechend könnte man meinen, die Branche würde auch in den oberen Hierarchie-Etagen von weiblichen Designern und Managerinnen regiert. Doch Fehlanzeige. Frauen sind in den Führungsriegen der Modebranche, sowohl in der Kreativspitze, als auch im Management, stark unterrepräsentiert.

Nach aktuellem Stand sind die meisten Kreativdirektoren der größten Luxushäuser männlich. Das soll natürlich nicht heißen, dass diese Männer untalentiert wären oder ihre Positionen nicht verdienten, ganz im Gegenteil. Aber dass in einer Branche, die zum großen Teil aus Frauen besteht, noch immer fast ausschließlich die Männer das Sagen haben, spricht Bände.

Forderung: Mehr weibliche Kreativdirektorinnen

Einige der größten Modehäuser weltweit sind Chanel, Gucci, Louis Vuitton und Prada. Beachtenswert ist dabei, dass gerade einmal in einem dieser vier eine Frau das kreative Sagen hat, trotz der Tatsache, dass die meisten der großen Luxusmodelabels den Großteil ihres Geldes mit Damenmode machen.

Unter den meistbesprochenen Kollektionen der Modewochen waren jene von Karl Lagerfeld für Chanel, Nicholas Ghesquiere für Louis Vuitton, Raf Simon für Calvin Klein, Ricardo Tisci für Givenchy, Olivier Rousteing für Balmain, Anthony Vacarello für Saint Laurent und Dolce and Gabbana für ihr eigenes Label. Die wenigen Frauen, die es mit ihren Kollektionen in die großen Schlagzeilen schafften, waren Miuccia Prada, Maria Grazia Chiuri für Dior und Rihanna für Puma x Fenty.

Forderung: Mehr weibliche Kreativdirektorinnen

Rihanna nimmt dabei eine einzigartige Position ein, weil sie sich ihren Namen und den Grund, warum sie von den Medien besprochen wird, in einer anderen Branche erarbeitet hat. Miuccia Prada übernahm das Business von ihrem Großvater Mario Prada. Und obwohl Chiuri nun eine der Spitzenpositionen der Modebranche besetzt, verbrachte sie den Großteil ihrer Karriere an der Seite von Pierpaolo Picciolo – Dior ist ihre erste alleinige Kreativposition in einem Haus von Weltruhm.

Der Modeindustrie mangelt es an Frauen an der Spitze

Prada und Chiuri haben bewiesen, dass ihr Talent und ihre Brillanz unabhängig von den Männern, die ihnen auf ihren Wegen halfen, für sich selbst stehen können. Glücklicherweise wurde in keiner Weise versucht, ihre Leistungen zu schmälern, oder ihnen ihren Erfolg abzusprechen, weil eine Verbindung zu Männern ihnen auf ihrem Karriereweg half. Aber sie mussten härter für die Anerkennung arbeiten, als ihre männlichen Gegenüber es mussten.

Wenige andere Frauen finden sich an der kreativen Spitze von Luxusbrands. Neben Bouchra Jarrar bei Lanvin, Phoebe Philo bei Céline und Angela Missoni bei Missoni wird die Luft schon eng. Und ähnlich wie bei Miuccia Prada kam Angela Missoni durch familiäre Bande an ihre Position.

Forderung: Mehr weibliche Kreativdirektorinnen

Die Modebranche ist bekannt für ihre Ellbogenmentalität, aber dennoch sollte es für Frauen nicht derart schwer sein, sich eine Spitzenposition zu erarbeiten, ohne familiäre Hintergrunde oder die Assoziation mit einem mächtigen Mann. Im Zusammenhang mit Donald Trumps Wahl zeigte sich die Modeindustrie als Verfechter von Frauenrechten. Der CFDA ging eine Partnerschaft Planned Parenthood und Prabal Gurung druckte den Slogan "The Future is Female" und "Girls Just Want Fundamental Rights"auf seine T-Shirts.

Wie ist es dann möglich, dass diese Industrie sich bei der Wahl ihrer Vertreter in den prestigeträchtigsten Positionen nicht stärker als Leitindustrie im Kampf um Gleichberechtigung hervortut?

Zum einen ist da die Tatsache, dass in einer Geschäftswelt, in der Frauen die Norm sind, Männer sich leichter hervorheben und dadurch mehr Beachtung für ihre Arbeit erfahren - sozusagen ‚Male Privilege’ auf Steroiden.

Zweitens sind die Chefetagen dieser Modekonglomerate wie Richemont, LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton und Kering in die Verantwortung zu ziehen, wenn es darum geht, die Kreativdirektoren-Stellen zu besetzen. Zu lange wurden diese Stellen vorzugsweise Männern zugesprochen. LVMH hat nun als erster einen Schritt in Richtung Gelichberechtigung unternommen und die kreative Führung von Christian Dior Maria Garazia Chiuri anvertraut. Vielleicht bekommt schon bald wieder eine Frau eine Chance – nämlich dann, wenn es die Stelle von Ricardo Tisci bei Givenchy neu zu besetzen gilt.

Frauen haben seit langer Zeit andere Machtpositionen in der Modewelt inne. Anna Wintour, die Chefredakteurin der amerikanischen Vogue, ist wohl die einflussreichste Moderedakteurin der Welt und Linda Fargo ist Senior Vice President Women’s Fashion bei Bergdorf Goodman. Sie kann mit einer Order eines jungen Labels ganze Modekarrieren ins Rollen bringen.

Deshalb sollten junge Frauen sich nicht entmutigen lassen. Wir dürfen nicht vergessen, dass die einflussreichste Modedesignerin aller Zeiten Coco Chanel war, und sie es als einzige unter den Modemachern überhaupt unter die 100 einflussreichsten Menschen des 20. Jahrhunderts schaffte. Obwohl also Karl Lagerfeld das Modehaus Chanel kreativ leitet, wird es doch für immer von ihrer Legende leben.

Die Verantwortung liegt auch auch bei den Modeschulen, sicherzustellen, dass junge Modedesignerinnen die besten Möglichkeiten bekommen — sei es im Bezug auf Praktika, oder durch ein starkes Mentoring. Diese Angelegenheiten sind zwar nicht geeignet, schnelle Veränderungen zu bewirken, dafür aber nachhaltige, damit die Zukunft, die weiblich ist, einen soliden Grundstein gelegt bekommt.

Es wird nicht nächsten Monat passieren, aber indem wir junge Frauen darauf vorzubereiten, dass sie morgen die Spitzenpositionen der Modebranche besetzen werden, und indem Unternehmen Frauen die gleichen Chancen geben, wie Männern, kann eine faire Situation für alle geschaffen werden. Nicht nur am Internationalen Frauentag, wenn Feminismus als Marketingtool gebraucht wird, sollten sich Unternehmen für die Rechte der Frauen stark machen.

Aus dem Englischen von Barbara Russ