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Frankfurt Fashion Week: Die Mainmetropole läuft sich warm für 2022

Von Weixin Zha

10. Juli 2021

Mode

Bild: Der Frankfurter Herrenausstatter Abaci zeigt seine Anzüge auf dem Laufsteg der Frankfurt Fashion Lounge / FashionUnited

Die erste Frankfurter Modewoche fand für das Fachpublikum vor allem digital statt. Trotzdem konnte sie schon einen Vorgeschmack auf die internationalen Ambitionen der Veranstalter Premium Group und Messe Frankfurt geben. Für Laufsteg und Spaß sorgte die örtliche Modeszene.

Europäischer Fokus

Ein großer Coup für die Frankfurt Fashion Week war wohl die Rede von Ursula von der Leyen zum Auftakt. In ihrer Ansprache forderte die EU-Kommissionspräsidentin die Modebranche auf, ihren Beitrag zum European Green Deal zu leisten. Mit dieser Strategie verfolgt die Europäische Union das Ziel bis 2050 klimaneutral zu werden.

„Wir können das Ziel nur erreichen, wenn alle Sektoren dazu beitragen, und deshalb zähle ich auch auf die Modeindustrie. Nachhaltige Produkte müssen für alle bezahlbar sein, und wir müssen die Menschen davon überzeugen, dass die Lösung manchmal einfach darin besteht, weniger, aber besser zu kaufen“, sagte von der Leyen bei der Konferenz ‘New European Bauhaus - Werkstatt der Zukunft’ am Dienstag. „Fast Fashion ist Gift für unseren Planeten, sie sollte durch Slow Fashion ersetzt werden, die zirkulär ist – also durch gut designte Produkte, die weniger Abfall erzeugen und länger halten”, fügte sie hinzu.

Nach der EU-Kommissionspräsidentin sprachen Experten aus der Modeindustrie und anderen Disziplinen – darunter Peek & Cloppenburg-Geschäftsführer John Cloppenburg und das Design-Duo hinter der Marke Jil Sander, Luke und Lucie Meier. Ein weiteres Panel brachte auch die Spitzen der französischen, italienischen, deutschen und britischen Modeverbände zusammen, um die Möglichkeiten der Zusammenarbeit innerhalb Europas zu besprechen.

Bild: Europäischen Modeverbände sprechen über den Wert von Kleidung / von links nach rechts Carlo Capasa, Caroline Rush, Pascal Morand, Christiane Arp

Die von dem Fashion Council Germany initiierte Konferenz, die Mode in den Bezug zur EU-Initiative Neues Europäisches Bauhaus setzte, feierte während der Frankfurt Fashion Week ihre Premiere. Ebenso wie der SDG-Summit, bei der die Vereinten Nationen erstmals eine Modeveranstaltung offiziell unterstützten.

Internationale Ambitionen

Die Veranstalter hoffen, dass beide Konferenzen in Zukunft weiterhin einmal pro Jahr stattfinden und auch live vor Ort.

„Natürlich ist die Intention, das was wir jetzt machen, auch nachhaltig zu machen. Das heißt die EU-Konferenz zu wiederholen mit anderen Schwerpunkten und auch das Gleiche mit der UN-Konferenz”, sagte Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt, telefonisch am Mittwoch. Noch laufen die Gespräche über die Konferenzen, aber Braun ist zuversichtlich. „Ich kann sagen, dass ich die Gespräche schon geführt habe und dass wir im Moment in sehr guten Terms sind.”

Die internationalen Ambitionen der Macher hinter der Frankfurt Fashion Week hören nicht mit den Konferenzformaten auf. Am Main sollen ab Januar 2022 Textilunternehmen aus der gesamten Welt ihre Produkte und Dienstleistungen präsentieren - von Sourcing, Herstellung, Logistik bis hin zum Endprodukt und Handel.

„Wir wollen ein neues Ökosystem präsentieren, das die gesamte Wertschöpfungskette – nicht nur einen Teil oder ein textiles Endprodukt – zeigt. Nur so glauben wir, dass es ein zukunftsorientiertes Narrativ für Fashion Weeks ist”, sagte Braun. „Wir haben einen klaren Anspruch an eine Premiere der Frankfurt Fashion Week, die heißt auch Internationalität.”

Hybride Zukunft

Auch die grüne Messe Neonyt fand vom 6. bis 8. Juli ausschließlich digital mit der Fashionsustain-Konferenz statt - die Schwerpunkte lagen auf Innovation und Handel. Insgesamt gab es während der drei Konferenzen in Frankfurt über 60 Panels, mehr als 72 Stunden an Diskussionen und Präsentationen mit mehr als 150 Speakern.

Bild: Hessnatur-Geschäftsführerin Silvia Ebinger spricht mit Textilkünstlerin Stefanie Salzmann über ihre Picknickdecke aus der Wolle der Schwarznasenschafe. / FashionUnited

Ein Teil des digitalen Programms wird auch in der Zukunft bleiben, denn die Zukunft der Messen ist hybrid, glaubt Detlef Braun. „Im gesamten Portfolio der Messe Frankfurt wird es nur noch hybride Veranstaltungen geben, das heißt sowohl analoge Messen, als auch digital stattfinden im Netz.” Der Anteil der Veranstaltungen vor Ort könnte etwa bei 80 Prozent in Zukunft höher sein, und 20 Prozent der Events sollen digital bleiben.

Vereinzelt gab es schon ein paar Live-Events unter Hygieneauflagen. Der Fashion Council Germany lud etwa 90 Personen zu einem Networking-Event am Montagabend in der Villa Kennedy im Süden der Stadt ein. Der Ökomode-Anbieter Hessnatur lud zu einer Veranstaltung mit Textilkünstlerin Stefanie Salzmann ein, das Modelabel Drykorn eröffnete am Freitag ein Pop-up am Mainufer.

Die Messe Frankfurt hat auch eigens eine Marketing-Agentur namens Aaarea Festival Gmbh gegründet, die in der Zukunft Events in der Stadt während der Modewoche veranstalten soll. Auch Laufstegschauen soll es im Januar geben. Sicher ist aber nur, dass die Neonyt ihre bisherige Modenschau von der Berlin Fashion Week nach Frankfurt bringen will. Daneben seien Designer aus Deutschland, Europa und der ganzen Welt eingeladen, sich in Frankfurt zu vernetzen, auszutauschen und auszustellen, teilte der Veranstalter mit.

Lokaler Enthusiasmus

Mit Rückenwind von der hessischen Regierung ließ sich die lokale Modeszene ihren Spaß an der neuen Modewoche nicht nehmen. Am Montag zeigte Designer Samuel Gärtner seine Show im Senckenberg Museum. Von Dienstag bis Donnerstag veranstaltete die Frankfurt Fashion Lounge neun Modeschauen von Newcomern und Designern aus der Region am Frankfurter Opernplatz.

Die Schauen prägten die Bilder der ersten Frankfurter Modewoche; das Laufsteg-Programms der offiziellen Veranstalter der Frankfurt Fashion Week, Messe Frankfurt und Premium, musste Pandemie-bedingt ausfallen.

„Die Frankfurter Designer sind so unbekannt, weil keine Bühne für sie da ist. Und die Messe Frankfurt oder Frankfurt Fashion Week ist zu groß und die gehen da unter. Das war die Basis, wie wir die Designer ausgesucht haben“, sagte Sevinc Yerli, Veranstalterin der Frankfurt Fashion Lounge, die auch ihr eigenes Modelabel betreibt und lokal gut vernetzt ist.

Bild: Samuel Gärtners Show im Frankfurter Senckenberg Museum / Florian Müller

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