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Fünf Highlights von der digtalen London Fashion Week

Von Don-Alvin Adegeest

3. März 2021

Mode

In einer anderen Saison, zu einer anderen Zeit, wäre London im Februar voll von internationaler Presse, Einkäufern, Influencern und namhaften Branchenvertretern gewesen.

Im Gegensatz zum September wurden die Laufstege im Februar jedoch komplett digital gezeigt, da das British Fashion Council physische Schauen, Präsentationen und Installationen verboten hatte: Es durften keine Veranstaltungen vor Publikum stattfinden.

Das viertägige Event war daher eine reine Online-Angelegenheit, wobei die Designer vor allem Filme als Präsentationsmedium nutzten. Themen wie Eskapismus, Tradition und Heilung zogen sich wie ein roter Faden durch die Herbst/Winterkollektionen 2021, mit denen sich die zweimal jährlich stattfindende London Fashion Week in ein neues, genderneutrales Programm verwandelte, statt wie bisher ausschließlich Damen- oder Herrenmode zu zeigen.

Bild: Bora Aksu FW21, Catwalkpictures

Fünf Highlights aus den digitalen Präsentationen der London Fashion Week:

Bora Aksu in der Tate Britain

Bora Aksu entführte die Zuschauer für seine H/W21-Kollektion in das revolutionäre Frankreich inmitten der turbulenten Landschaft von Krieg, Umbruch und Isolation – von der vieles auf die heutige Zeit anspielte. Die Kollektion wurde von der Mathematikerin und Physikerin Sophie Germain inspiriert und bezieht sich auf die Macht der Isolation und ihre Fähigkeit, Menschen an ihre Grenzen zu bringen. Mit Silhouetten, die von den Codes des frühen 19. Jahrhunderts inspiriert wurden, kombiniert Bora Aksu die männlichen und weiblichen Codes, die die frühe Moderne definierten. Er spielte mit Germains eigenen Versuchen, den männlichen Normen ihrer Zeit zu trotzen. Die Kulisse einer besucherfreien Tate verstärkte das Gefühl der Isolation, das Germain empfunden haben muss, und hob gleichzeitig eines der wichtigsten kulturellen Wahrzeichen Londons hervor, das während des Lockdowns geschlossen war und von der Öffentlichkeit schmerzlich vermisst wurde.

Ahluwalia

Neben dem Gewinn des Queen Elizabeth II Award for Fashion Design 2021 wurde Priya Ahluwalia für ihre Bemühungen gelobt, die Branche mit ihrem gleichnamigen Label zum Besseren zu verändern. Das Ahluwalia Herrenmode-Universum für H/W21 stellt die grundlegende Beziehung zwischen Migration und kultureller Tradition in Frage. Trotz eines fast weltweiten Reise-Embargos hinterfragte Ahluwalia die Zeiten in der Geschichte, „in denen Menschen migriert sind und es einen echten kulturellen Boom gegeben hat, in denen die Vermischung der Kulturen zu etwas Neuem führte“, sagte sie gegenüber i-D. Übersetzt in Kleidungsstücke hatte diese Kollektion einen universellen Reiz. Gestreifte, gebleichte Jeans, ein maßgeschneiderter Cord-Zweiteiler und eine Farbpalette, die von den Kunstwerken von Kerry James Marshall und Jacob Lawrence inspiriert wurde, zeichneten diese solide Kollektion aus.

Foto: Burberry

Burberrys Solo-Präsentation für Herren

Burberrys Flaggschiff in der Regent Street wurde für den ersten Solo-Auftritt von Kreativdirektor Ricardo Tisci in der Herrenmode in ein Labyrinth aus Blöcken in verschiedenen Höhen verwandelt. Die Models trugen Rucksäcke mit zusammengerollten Decken und Regenschirmen, wobei der Burberry-Trench schon beim ersten Anblick seinen Status als Kernkategorie zementierte. Im Einklang mit dem genderneutralen Geist der LFW könnten Faltenröcke und Kunstpelzmäntel leicht auf die Damenkollektion übertragen werden.

Foto: Vivienne Westwood FW21, Catwalkpictures

Vivienne Westwoods Punk-Odyssee

London wird so oft als eine Brutstätte aufstrebender Design-Talente gepriesen, aber die Stadt wäre nichts ohne Vorreiter wie Vivienne Westwood. Auch wenn Dame Vivienne im April dieses Jahres ihr 80. Lebensjahr erreicht, steht die Marke mit ihrer Leidenschaft für Nachhaltigkeit und Konformität immer noch an der Spitze. Für den Herbst ließ sich Westwood von dem Rokoko-Gemälde „Daphnis und Chloe“ des französischen Künstlers François Boucher inspirieren. Sie mischte es mit den für sie typischen unterschwelligen Drapierungen und eine neue modische Liebesaffäre war geboren. Über neunzig Prozent der Materialien, die für diese Kollektion verwendet wurden, wurden aus Altbeständen und bereits vorhandenen Stoffen hergestellt, um die Umweltbelastung zu minimieren.

Foto: Simone Rocha FW21, Catwalkpictures

Simone Rocha

Es ist schwer vorstellbar, dass Simone Rocha ihr Unternehmen erst vor zehn Jahren gegründet hat. Mit einer Vielzahl von Erfolgen und Auszeichnungen, könnte eine Zusammenarbeit mit H&M ein entscheidender Moment für die Marke sein, um ein größeres, internationales Publikum zu erreichen. Nicht, dass sie das nötig hätte. Die stets viszerale, skulpturale und feminine Landschaft von Rochas Kollektionen haben ihr große Anerkennung eingebracht, und in dieser Saison wurden sie mit Elementen des Funk transformiert. Schauplatz war eine gotische Kirche in der Nähe des Hyde Parks, wo Gobelin-Kleider, Ballonärmel und handbestickte Seidenstoffe auf Bikerjacken und Plateau-Sneaker trafen. In einem Interview mit der New York Times sagte Rocha, sie sei von der Idee der Winterrosen inspiriert worden, wegen ihrer Stärke und Zerbrechlichkeit. „Da ist die Zerbrechlichkeit der Blütenblätter, aber dann auch die Dornen, was mich irgendwie an rebellische Geister und zerbrechliche Rebellen denken ließ. Ich habe viel mit Leder gearbeitet, das ich in eher weibliche Formen modelliert habe – sehr tailliert und mit verstärkten Hüften. Das habe ich langsam in der gesamten Kollektion auf eine darunter liegende Zerbrechlichkeit heruntergebrochen, die aus gestickten Blumen auf Tüll und Mesh besteht."

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.uk veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

Titelbild: Burberry