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Grauer Feinripp und Designer-Shirt: Souvenir-Boom zum Bergbau-Aus

Von DPA

19. Dez. 2018

Zechen-Souvenirs und -Mode dringend gesucht: In den letzten Tagen des deutschen Steinkohlebergbaus finden dank der großen medialen Aufmerksamkeit für die sterbende Branche Bergbauartikel immer mehr Absatz. Während andere deutsche Regionen seit langer Zeit Kuckucksuhren oder Buddelschiffe im Erinnerungs-Business platzieren, werden Zechen-Artikel mit Malocher-Flair damit zum Aushängeschild für eine Region, die lange als grau und gesichtslos galt. An diesem Freitag (21.12.) stellt Deutschlands letzte Zeche Prosper in Bottrop den aktiven Förderbetrieb ein. Einst arbeiteten in der Branche mehr als 500 000 Menschen.

Nun macht wenigstens die Feinripp-Unterwäsche der Bergleute neben Seife, Badelatschen und Zechenhemden eine zweite Karriere als hippes Produkt für modebewusste Käufer, berichten Anbieter. Im Angebot sind mausgraue Unterhemden und -hosen in der tristen Malocher-Originalfarbe "Fehgrau" (RAL 7000). Der unauffällige Farbton ist bei der Bundeswehr auch als Überwasser-Tarnfarbe für Marineschiffe im Einsatz. Über Jahrzehnte hinweg hat das schlichte Modell zur Bergmanns-Grundausstattung in den deutschen Steinkohle-Zechen gehört.

Weniger experimentierfreudige Souvenirjäger können im Onlineshop des ehemalige Bergmanns Norbert Bruckermann neben der Bergmanns-Ausrüstung auch unter Schneekugeln (Model "Ruhrpott" mit Förderturm-Motiv), Spieluhren, Tassen oder Schlüsselanhängern wählen. Der 49-Jährige hat seine Garage und den Keller eines Nachbarn rechtzeitig zum erwarteten Nachfrage-Boom zum Online-Shop ("Zechen-Shop") umfunktioniert und verkauft Bergbau-Souvenirs - mit wachsendem Erfolg.

Die Gladbecker-Konkurrenz unter dem Label "Grubenheld" will mit "coolem" Bergbau-Chic aus dem Ruhrgebiet sogar den internationalen Markt erobern. "Da steht nirgendwo Ruhrpott drauf", beschreibt Unternehmensgründer Matthias Bohm die Strategie. Bereits im Februar kommenden Jahres plant das Unternehmen einen Auftritt bei der "New York Fashion-Show", berichtet Bohm. Weitere Geldgeber für den teuren Ausflug in die weltweite Modeszene werden allerdings noch gesucht.

Als besonders edel - und auch teuer - gilt bei den Designern etwa die Verarbeitung von getragener Bergmannskluft aus den Beständen des Zechenkonzerns RAG. Mit gebrauchten Stoff-Teilen will Bohm seine Models auch auf den New Yorker Laufsteg schicken. Zechennamen wie "Auguste-Victoria", "Hibernia" oder "Tremonia" sollen bei dem Label an die Bergbau-Historie erinnern.

"Von Bergmannshand gemacht" wird dabei etwa bei Gürteln zum neuen Markenzeichen. Der 70-jährige Ex-Bergmann Marian Pogorzalek ist dabei eines der Aushängeschilder des Unternehmens, das in einer Gladbecker Zechensiedlung sitzt. Zum Bergbau-Aus gibt es eine eigene Kollektion.

Ein Angebot von möglichst authentischen Souvenirs gilt in der Souvenir-Branche generell als Erfolgsgeheimnis. Der tatsächliche Nutzwert der gekauften Mitbringsel spielt dagegen dabei nach Einschätzung von Experten nur eine eher untergeordnete Rolle. "Ganz viel, was bei uns gekauft wird, braucht der Kunde nicht", stellt der Marketingexperte des nach eigenen Angaben größten Berliner Souvenirhändlers Muddastadt, Maximilian Forst, fest. (dpa)