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Highlights der Berlin Fashion Week H/W21

Von Barbara Russ

23. Jan. 2021

Mode

Ein volles Programm erwartete die Besucher der digitalen Berlin Fashion Week. Neben der Rückkehr des Berliner Salons sowie des neuen Formats Fashion Open Studios veranstaltete Highsnobiety eine “virtuelle Feier der Stadt” unter dem Titel ‘Berlin, Berlin’. Die Agentur Reference Studios brachte Labels und Künstler zu einem kreativen Format zusammen, wie man es sich für eine analoge Berlin Fashion Week wünschen würde, und der Onlineshop About You stellte ebenfalls ein Celebrity-gespicktes Format namens Re-Fashion Week auf die digitalen Beine. Über Digitalisierung, Nachhaltigkeit und die Zukunft der Mode wurde beim 202030 Summit, beim Wear It Live-Format, sowie beim Fashion Film Festival sinniert.

Wer da den Überblick behalten wollte, musste gut organisiert sein und verpasste selbst dann noch den einen oder anderen Instagram-Livestream. Die folgende Zusammenfassung erhebt deshalb keinen Anspruch auf Vollständigkeit, soll aber einen Überblick über einige Highlights der digitalen Berliner Modewoche H/W 21 vermitteln.

Highsnobiety: Berlin, Berlin und Reference Realities

Künstler, Musiker und Designer brachten mithilfe von Highsnobiety ihre Visionen zum Publikum nach Hause. Eine Augmented Reality-Ausstellung brachte Werke von Cibelle Cavalli Bastos, Joachim Bosse, Bianca Kennedy & The Swan Collective, Manuel Rossner, Sucuk & Bratwurst, Tabitha Swanson und Ruohan Wang auf die Bildschirme der Betrachter. Mit Mode hatte diese Übung nur peripher etwas zu tun, aber das ist die Stärke von Berlin, und genau darauf muss man setzen. Dennoch blieb das Format hinter seinen eigenen Möglichkeiten zurück: So war es eben genau das, was versprochen wurde - eine Skulptur im Zwischenraum zwischen Digital und analog, angezeigt auf dem 2D-Bildschirm des Smartphones. Aber: Da geht noch was. In einer post-pandemischen Welt können genau solche Formate den analogen Raum erweitern und Berlin als Digital Hub stärken.

Das Format Reference Realities eröffnete den Besuchern einen digitalen Raum, innerhalb einer Website, auf der sie sich bewegen können. Neben Panel Talks und einem Shop für Limited-Edition Merch lassen sich von dort aus neue Ausstellungsräume betreten: zum Beispiel mit einer Zusammenarbeit von Acte Tm X Sucuk & Bratwurst, mit zwei Skulpturen von Tobias Spichtig für Balenciaga und mit der Jubiläumsausgabe der Zeitschrift 032c, die direkt im Onlineshop gekauft werden kann. Namen wie Anne Imhof, Eliiza Douglas, Hans Ulrich Obricht und Honey Dijon beweisen, dass es möglich ist, in Berlin Gespräche von Weltrang zu führen - wenn die Bereitschaft da ist, interdisziplinär zu denken.

Ein modisches Highlight dieser Fashion Week: Die Video-Modenschau des Labels GmbH - und die Frage: Kann man Labels wie diese, die für Berlin stehen, aber dann doch lieber andernorts zeigen, in Zukunft auch für eine analoge Cameo gewinnen?

202030 Fashion Summit

Bandana Tewari von Craft Diplomacy eröffnete den zweiten Tag mit einer Keynote, in der sie mehr Mitgefühl forderte. In einem Gespräch zwischen Patrick Duffy von Global Fashion Exchange und Amanda Parkes von Pangaia/Future Tech Lab ging es darum, wie man Produkte wirklich nachhaltig gestaltet, zum Beispiel, indem man „alle fossilen Brennstoffe aus der Lieferkette entfernt“.

Zum Abschluss tauschten Melissa Drier, ehemalige Deutschland-Korrespondentin von Women’s Wear Daily, Professor Renate Strauss von der American University of Paris und Rune Orloff ihre Standpunkte in dem von Geraldine de Bastion moderierten Panel “Re-defining fashion culture - from fast desire to true pleasure and beauty” aus. Eine Forderung: „Wir brauchen neue Narrative rund um die Mode“, so Renate Strauss. „Die Geschwindigkeit der Modebranche hat das Neue unmöglich gemacht.“ Ein Schlusswort hatte Melissa Drier: „Hört auf, dumme Menschen berühmt zu machen“, zitierte sie ein Graffito in Berlin, und forderte, blinden Konsum nicht mehr zu unterstützen: „Klatschen wir nicht für Leute, die ihr Outfit 18 Mal am Tag wechseln!“

Fashion Open Studios

In dem »Talk on Luxury« unterhielten Designerin Emma Bruschi(Nachhaltigkeits-Preis beim Hyères-Festival), Orsola De Castro (Global Creative Director Fashion Revolution) Michael Beutler (Nachhaltigkeitschef bei Kering) und Moderator Dio Kurazawa (Gründer von The Bear Scouts) über die Zukunft der Luxusbranche. Aus der Konversation lässt sich erahnen, dass Luxus einen Bedeutungswandel hin zum ‘Farm to Fashion-Konzept’ durchlaufen wird – ähnlich wie beim Fine Dining. Außerdem beinhaltet der Luxus der Zukunft auch das luxuriöse Leben für alle, die ihn produzieren. Zumindest wenn es nach Orsola De Castro, die sich selbst als “Agitator in Chief” bezeichnet, geht.

Bei »On Activism« sprachen Ariane Piper (Country Coordinator Fashion Revolution Germany), Buki Akomolafe (Fashion Designer), Dani Cole (@inter_sexy) und Aditi Mayer (Speaker On All Things Style, Sustainability, Social Justice) über das Thema Aktivismus in der Mode und wie das Krisenjahr 2020 sowohl neue Probleme, als auch Aufmerksamkeit für Themen wie soziale Gerechtigkeit gebracht hat und wie es damit jetzt weitergehen kann.

Der Berliner Salon - Designer Dialogues

Der Berliner Salon, über die Jahre stets ein Ort des Austauschs, brachte, neben einer Show mit den Talenten der deutschen Mode, auch interessante Dialoge zustande. Das Gespräch zwischen Michael Sontag und Vladimir Karaleev über Kollaborationen, hatte einige spannende Aspekte über die eigenen vergangenen Kollaborationen der beiden, sowie über den Bedeutungswandel der Kollaborationen über die letzte Dekade - von Yohji Yamamoto und Adidas bis hin zu Supreme X Rimowa.

Das Gespräch zwischen Marina Hoermanseder und Dawid Tomaszweski war unterhaltsam und ein Zeugnis für die kreative Energie, die aus einer Freundschaft erwachsen kann. Außerdem ein gutes Beispiel für die Art von Gespräch, die online funktioniert, das Publikum unterhält und gleichzeitig einen Einblick in das leben eines Designers ermöglicht.

Bild: Fashion Open Studio x MBFW. staged by Nowadays