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Hongkongs Modeambitionen vor ihrer bisher größten Bewährungsprobe

In einer Stadt, in der Neuerfindung ein Reflex ist, wird das Fashion Fest zu einem Brennglas. Es zeigt, wie Hongkong sich seine kreative Zukunft vorstellen könnte.
Mode|Exklusiv
Ausstellung „Fashion to Reconnect“, Hong Kong Fashion Fest Bild: FashionUnited
Von Don-Alvin Adegeest

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An einem kühlen Dezemberabend im Palace Museum am Wasser: Ein versteckter Laufsteg, auf dem Models Looks aus London, Paris, Seoul, Shenzhen und Hongkong präsentierten – alles in einer einzigen Show. Es war ein Bild, das nur wenige andere Städte inszenieren könnten. Ein wirklich internationaler Mix, bei dem Designer:innen aus Italien, dem chinesischen Festland, Großbritannien, Frankreich und Korea den Laufsteg mit aufstrebenden Labels aus Hongkong teilten.

Ein Look von Designerin Regina Branca, Fashion Summit (HK) 2025. Bild: FashionUnited

Das war das Fashion Fest Hong Kong 2025, eine von der Regierung der Stadt unterstützte, mehrwöchige Kulturinitiative, die vom 22. November bis 7. Dezember stattfand und Hongkong als aufstrebendes Zentrum für Modedesign in Asien positionieren soll.

Nach dem Start Ende 2024 fand nun die zweite, wie es von offizieller Seite hieß, „vollformatige Ausgabe“ statt. Das Festival vereinte sieben Hauptprogramme, wozu Couture-Schauen, digitale Modepräsentationen, ein Denim-Festival, Nachhaltigkeitsdialoge und interdisziplinäre Ausstellungen gehörten. Diese fanden in Museen, Einkaufszentren und an kulturellen Veranstaltungsorten statt.

Doch die Stimmung war in diesem Jahr gedämpft. Die Stadt befindet sich nach den verheerenden Bränden, die zu viele Menschenleben forderten, noch immer in kollektiver Trauer. Die Organisator:innen entschieden sich für Zurückhaltung: weniger Partys, ein ruhigeres Programm und Schweigeminuten bei öffentlichen Veranstaltungen. Dennoch machte die Stadt weiter. Eine Geste der Widerstandsfähigkeit oder vielleicht auch des Beharrens, die Hongkongs langjähriges Narrativ des Weitermachens auch in schwierigen Zeiten widerspiegelt.

Eine globale Destination

Offiziell hat das Fashion Fest einen anspruchsvollen Auftrag: Hongkong als globale Destination für kulturelle Großveranstaltungen zu etablieren und seine Kreativwirtschaft zu fördern. Die Cultural and Creative Industries Development Agency (CCIDA), die 2023 von der Regierung Hongkongs gegründet wurde, ist zum Hauptmotor des Festivals geworden. Deren Beauftragte, Drew Lai Shai-Ming, eröffnete eines der Hauptprogramme des Festivals, das „Fashion Asia Hong Kong - Fashion Challenges Forum“. Sie betonte dabei die einzigartige Rolle der Stadt als Bindeglied zwischen Ost und West, zwischen Tradition und Innovation sowie zwischen dem Erbe der Fertigungsindustrie und zeitgenössischem Design.

Gegenwind aus der Branche: Globale Flaute im Luxussegment kommt in Hongkong an

Hongkongs Weg wird durch Kräfte erschwert, die weit über seine Grenzen hinausgehen. Der globale Luxussektor hat sich in den Jahren 2024 und 2025 abgeschwächt. Analyst:innen führen dies auf einen Rückgang der ausgabefreudigen Konsument:innen, einen schwächeren Reiseverkehr vom chinesischen Festland und neu kalibrierte Preisstrategien der großen Modehäuser zurück. Der Luxusmarkt in Hongkong, der einst stark von Käufer:innen vom chinesischen Festland profitierte, hat diesen Rückgang zu spüren bekommen. Viele Konsument:innen aus Hongkong kaufen jetzt jenseits der Grenze ein, denn Preise auf dem Festland können günstiger sein und Einkaufszentren begrüßen die zusätzliche Kundschaft.

Auf dem Fashion Challenges Forum formulierte Andre Hou diesen Wandel unverblümt. Hou ist ein in Hongkong geborener Luxusstratege, der dafür bekannt ist, europäische Modehäuser zum asiatischen Konsumverhalten zu beraten. „Die Ära des Logos ist vorbei“, sagte er während einer Podiumsdiskussion über die neuen Erwartungen der Verbraucher:innen. Sie wollen wissen, wer etwas hergestellt hat, wie es hergestellt wurde und warum es existiert.

Hou argumentierte, dass die Macht entscheidend auf die Konsument:innen übergegangen sei. Marken könnten sich nicht mehr auf ihrem Ruf ausruhen, sondern müssten diszipliniert und präzise sein. Handwerkskunst zähle wieder.

Handwerk im Mittelpunkt: Italienische Präzision trifft auf chinesisches Erbe

Diese Betonung der Handwerkskunst war in mehreren Ausstellungen sichtbar. Die CityUHK-Ausstellung „Fashion to Reconnect“ war eine der akademisch anspruchsvollsten Veranstaltungen des Festivals. Sie inszenierte einen kulturellen Austausch zwischen italienischen und chinesischen Designer:innen und rückte handwerkliche Prozesse anstelle von saisonalen Trends in den Mittelpunkt. Kreationen von Missoni und Zegna hingen neben Entwürfen der Hongkonger Designer:innen Vivienne Tam und Dorian Ho, die den Dialog zwischen Textilinnovation, kulturellen Motiven und Nachhaltigkeit aufzeigten.

Die kuratorische Leitung beschrieb die Ausstellung als „einen seltenen Moment der Gegenseitigkeit“ und merkte an, dass sie das chinesische Handwerk nicht als Kontrast zum europäischen Luxus, sondern als gleichwertigen Partner positionierte.

Denim, Demokratie und eine sehr große Katzenskulptur

Mein persönliches Highlight kam unerwartet. Es war nicht bei einer Modenschau oder einem exklusiven Salon, sondern im Einkaufszentrum Harbour City. Dort fand das Denim Festival des Fests in einem offenen öffentlichen Bereich statt. Im Mittelpunkt stand ein beeindruckendes Kunstwerk: eine hoch aufragende Patchwork-Denim-Katze des Hongkonger Designers und Künstlers Sonic Lam.

Lam ist bekannt für seine sogenannte „Remake-Philosophie“: Er konstruiert seine Werke aus ausrangierten Kleidungsstücken und Reststoffen, die er von lokalen Gemeinschaften bezieht. Die geflickte, freundlich aussehende Katze ist teils Maskottchen, teils Provokation. Sie ist ein Magnet für Käufer:innen, Influencer:innen, Modebegeisterte, Kunstliebhaber:innen und Kinder gleichermaßen. Das Werk spricht von Hongkongs Einfallsreichtum und der Schönheit unserer Unvollkommenheiten.

Hong Kong Design Institute „Denim Artistry“ @ Harbour City Mall. Bild: FashionUnited

Ein solches Werk in einem Einkaufszentrum statt an einem privaten Ort auszustellen, fühlte sich richtig an. Mode kann sich abschotten; hier wurde sie wieder ins öffentliche Leben gerückt. Neben dem Clockenflap Music & Arts Festival, das die Ausstellung „10 Asian Designers to Watch“ beherbergte, war dies vielleicht der zugänglichste und demokratischste Moment des Festivals.

Ausstellung „10 Asian Designers to Watch“. Bild: FashionUnited

Das fehlende Puzzleteil: Unterstützung durch den Einzelhandel

Als ich während des Festivals durch einige der wichtigsten Einkaufsviertel der Stadt ging – Tsim Sha Tsui, Central, Causeway Bay – fand ich kaum Hinweise darauf, dass eine der größten Kunstinitiativen des Jahres in Hongkong stattfand. Es gab kaum spezielle Schaufenstergestaltungen oder sichtbare Partnerschaften mit den großen Kaufhäusern der Stadt. Diese Lücke zwischen institutionellem Anspruch und städtischer Sichtbarkeit deutet auf eine tiefere Frage der Synergie hin. Lane Crawford, das einflussreichste Luxuskaufhaus der Stadt, zeigte keine sichtbare Verbindung zum Fashion Fest. Das Gleiche galt für die meisten Einkaufszentren der Stadt, obwohl sie wichtige Partner in Hongkongs Einkaufstourismus sind.

In Städten wie Paris oder London betrachten große Einzelhändler:innen die lokalen Designwochen als bürgerliche Verpflichtung. Sie organisieren Fensterinstallationen, Capsule-Kollektionen und kuratierte Präsentationen regionaler Talente. In Hongkong ist dieses Bindeglied noch schwach. Ohne diese Unterstützung kann es passieren, dass Designer:innen in staatlich geförderten Programmen gefeiert werden, nur um kurz darauf wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung zu verschwinden.

Wandel und neue Möglichkeiten

Hongkongs kreatives Potenzial bleibt immens. Die Stadt verfügt nach wie vor über tiefes Textilwissen und eine unübertroffene Logistikinfrastruktur. Hinzu kommen die geografische Nähe zu den Produktionszentren auf dem Festland und der Zugang zu einer der einflussreichsten Konsument:innengruppen der Welt. Und in ganz China schafft der Aufstieg einheimischer Labels eine neue Wettbewerbslandschaft. Das reicht von Luxus-Ready-to-wear bis hin zu Streetwear-Kollektiven. Chinesische Konsument:innen kaufen chinesische Marken in einem Ausmaß, das vor einem Jahrzehnt noch undenkbar war.

Hongkong befindet sich am Scheideweg dieses Wandels. Es ist sowohl Teil des Ökosystems als auch außerhalb davon. Es ist historisch global und steht gleichzeitig vor der wachsenden Herausforderung, eine eigene Stimme zu finden, während sich die Modeidentität des chinesischen Festlandes beschleunigt.

Beim diesjährigen Fashion Fest erklärte sich Hongkong nicht zum nächsten Mailand oder Paris. Stattdessen bot es etwas Bescheideneres und vielleicht Bedeutungsvolleres. Es war eine Plattform, auf der interkulturelle Kreativität wirklich möglich schien und auf der Handwerkskunst im Mittelpunkt einer globalen Industrie stand, die sich nach Authentizität sehnt.

Wenn es Hongkong gelingt, seine Institutionen, Einzelhändler:innen, kreativen Gemeinschaften und seine immer anspruchsvolleren Konsument:innen zu verbinden, könnte es in der Post-Logo-Ära der Mode eine neue Rolle für sich finden. Nicht als Fabrik und auch nicht nur als Marktplatz, sondern als echter kultureller Motor.

Hong Kong Fashion Summit. Bild: FashionUnited

Dieser Artikel wurde mithilfe von digitalen Tools übersetzt.

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CCIDA
HKTDC
Hong Kong Fashion Fest