Innovation: Diese Sneaker werden einzeln verkauft

Auf den ersten Blick ist der neue Sneaker der Schuhmarke Trace einfach ein trendiger Turnschuh: Es handelt sich um ein minimalistisch gestaltetes Unisex-Modell, das in drei Farben mit einer gesprenkelten Sohle daher kommt. Das Konzept dahinter ist jedoch ungewöhnlich: Die Turnschuhe sind paarweise, aber auch einzeln erhältlich. Wer ungleich große Füße hat, kann den Turnschuh in zwei verschiedenen Größen bestellen, und wer eine Beinprothese trägt, kann nur einen Schuh kaufen.

Mit diesem Konzept konnten Naomi Kamphorst und Carine Martinelli im Januar 2019 den Meester Koetsier-Unternehmerpreis gewinnen. Das niederländische Duo gewann 10.000 Euro und verwandelte ihre Idee in eine echte Marke. Anlässlich der Lancierung ihres Labels Trace im August sprach FashionUnited über Zoom mit den beiden Gründern.

Der Helsinki von Trace: ein trendiger Turnschuh für ungleiche Füße

Die Idee für den Turnschuh begann als Studienprojekt an der TMO Fashion Business School, wo Martinelli und Kamphorst letztes Jahr ihren Abschluss machten.

„Wir mussten ein Modeprojekt mit einer Gruppe von zehn Leuten entwickeln. In der Gruppe war ein Freund von uns, der zwei unterschiedlich große Füße hatte. Es stellte sich heraus, dass ein weiteres Mädchen ebenfalls unterschiedlich große Füße hatte, ebenso wie eine unserer Lehrerinnen. Das brachte uns auf die Idee für Trace. Plattformen mit Schuhen für Menschen mit unterschiedlich großen Füßen gibt es schon seit einiger Zeit. Es gibt zum Beispiel die Onpaar-Website oder Foren, in denen Verbraucher Schuhe tauschen können. Aber das sind oft 'übriggebliebene' Schuhe", sagt Martinelli.

Die beiden machten sich daran, einen trendigen Schuh zu kreieren, der separat oder in verschiedenen Grössen bestellt werden kann und der auf nachhaltigere Weise produziert wird. Das Ergebnis war Helsinki, ein Turnschuh aus veganem Leder, recyceltem Gummi und Canvas, der zu 70 Prozent aus organischer Baumwolle und zu 30 Prozent aus recycelter Baumwolle besteht. Für jeden verkauften Helsinki pflanzt das Duo über OneTreePlanted irgendwo auf der Welt einen Baum.

Trace

Made in Spain

„Seit der Auszeichnung haben wir einen weiten Weg zurückgelegt", sagte Martinelli. „Unsere ersten Muster wurden noch in Portugal hergestellt, was uns damals den Preis einbrachte. Kurz nach der Präsentation wurde die Kommunikation mit den Lieferanten schwierig. Wir beschlossen dann, uns nach einem anderen Hersteller umzusehen. Kamphorst und Martinelli fanden im Internet eine Reihe von geeigneten Kandidaten in Spanien. Martinelli fuhr fort: „Wir flogen selbst dorthin, um die besten auszuwählen."

Kamphorst und Martinelli wollten auch alle Materialien aus Spanien bekommen, vom Canvas bis zu den Sohlen. „Wir haben unendlich viele verschiedene Varianten erhalten", fügte Martinelli hinzu. Vor allem die Sohlen, die aus Altgummi hergestellt wurden, erwiesen sich als Herausforderung. Auch jetzt, wo die Turnschuhe auf den Markt gekommen sind, hört die Suche nicht auf. „Wir suchen weiterhin nach noch besseren Möglichkeiten bei Lieferanten." Die beiden sind sich einig, dass der Koetsier-Preis vieles möglich gemacht hat: „10.000 Euro sind ein sehr schöner Startbetrag. Bis jetzt konnten wir uns fast alles leisten", so Kamphorst.

Die Schuhe sollten eigentlich im März geliefert werden, aber aufgrund des Coronavirus mussten die Kunden einige Monate länger auf die Schuhe warten. Das tat dem Hype jedoch keinen Abbruch. „Wir haben bereits viele positive Reaktionen erhalten. Achtzehn Paar wurden in den ersten zwei Tagen verkauft", sagte Martinelli. Sie lachte: „Bis jetzt hauptsächlich in der gleichen Grösse". erklärte Kamphorst: „Wir sehen die einzelnen Größen hauptsächlich als ein Extra. Wir sind gespannt, wie viele Menschen unterschiedliche Größen bestellen werden, ob das Konzept ankommt oder ob den Leuten einfach der Turnschuh besonders gut gefällt. Das ist natürlich auch gut!"

Was sind die weiteren Pläne für Trace? „Wir werden vorerst weiterhin online verkaufen", erklärte Kamphorst. „Langfristig möchten wir auch in Geschäften verkaufen, so dass die Schuhe anprobiert werden können. Der Helsinki-Sneaker ist in den Größen 35 bis 45 mit einer dunkelblauen, weißen oder Camel-farbenen Sohle erhältlich. „Wir hoffen, in Zukunft auch andere Modelle, Größen und Farben herstellen zu können", so Kamphorst.

Die Sneaker sind bis Ende September im Vorverkauf erhältlich. Bis dahin kosten sie 79,95 Euro pro Paar. Danach kosten sie 99,95 Euro pro Paar. Einige Schuhe sind zum halben Preis erhältlich. Für den Kauf eines einzelnen Schuhs oder zweier verschiedener Größen wird ein Aufpreis von 15 Euro erhoben.

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.nl veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

Bild: Trace

 

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