Karriereplanung vom Profi erklärt: Jobwechsel, Gehältsgespräch, Beförderung

Ohms Consulting ist seit dem Jahr 2000 in der Vermittlung von Führungskräften und Spezialisten in der Fashion-, Lifestyle- und Kreativindustrie tätig und hat sich mit Ohms Retail Services auf Dienstleistungen und Talentsuche im Premium- und Luxushandel spezialisiert. Mit dieser jahrelangen Expertise kann Geschäftsführerin Jutta Ohms einige wichtige Fragen rund um Jobsuche, Karriereplanung und Gehaltsgespräche beantworten, die dem einen oder anderen, nicht nur in der Modebranche, auf der Seele brennen dürften.

Wie findet man nach der (Mode-)ausbildung den richtigen Beruf?

Es geht heute nicht um die Frage fürs Leben, sondern erst einmal um den Start ins bezahlte Arbeiten. Es gibt einen Trend, mehreren bezahlten Beschäftigungen gleichzeitig nachzugehen. Das kann so aussehen, einen Vollzeitjob zu haben, der die Miete sichert, einen Blog zu pflegen um sich auszudrücken, gleichzeitig als Model zu arbeiten und an einem Start-Up mit Freunden mitzuarbeiten, um an einer Geschäftsidee beteiligt zu sein. Das soll keine Empfehlung sein, bildet aber einen Teil unserer Realität ab. Ich selbst habe in sehr verschiedenen Bereichen gearbeitet, die keinem Karriereberater so auf dem Reißbrett eingefallen wären. Das kommt mir nun heute in meinem Business als Personal-Beraterin enorm zugute, da ich in viele unterschiedliche Bereiche Einblick gewonnen habe - das war aber keinesfalls so geplant.

Wenn man gar keine klare Ambition hat, oder einem vieles Spaß macht: Prüfen, was das eigene Herz fühlbar höher schlagen lässt und dem nachgehen: Was habe ich als Kind schon gerne gemacht und was wäre das berufliche Äquivalent heute? Dazu mit Menschen reden, die glücklich in Ihrem Beruf und in dem Feld tätig sind, das einen interessiert und dann Feldforschung betreiben: Auf Veranstaltungen gehen, Messen besuchen, in Stores über Marken informieren, mit Verkäufern sprechen. Mit Freunden, Familie und Experten reden. Aber immer nur als Input und dann der eigenen Leidenschaft nachgehen.

Wie erkenne ich, dass mein Job nicht der richtige ist?

Wenn man keine Lust mehr hat zur Arbeit zu gehen. Nicht warten, bis Bauchschmerzen kommen.

Wann ist es Zeit, zu gehen?

Wenn etwas sich nicht stimmig anfühlt und man wenig motiviert ist, sollte man zunächst prüfen, was man selbst ändern kann. Vielleicht muss ich meine persönlichen Gewohnheiten ändern: Freizeitaktivitäten ausbauen oder einschränken, Ernährung optimieren, Schlafqualität prüfen, Sportaktivitäten ausbauen, meiner Beziehung mehr Aufmerksamkeit schenken, Freundschaften pflegen oder die beenden, die belastet sind? Wenn da alles ok ist, schauen, was im Arbeitsumfeld nicht stimmig ist und dort aktiv werden.

Arbeitsplätze sind keine starren Konstrukte, in denen man nach Vorschriften handeln muss. Vielleicht kann ich am Ambiente arbeiten? Aufräumen, mich neu organisieren? Dann die Aufgaben ansehen. Und wenn hier etwas nicht mehr stimmt, erst einmal im eigenen Haus nach Veränderungen suchen. Niemand lässt einen Mitarbeiter gerne gehen, wenn dieser Potenzial hat für mehr. Hat man aber ein Umfeld, das einem nicht liegt, etwa cholerische Vorgesetzte, oder unbekehrbare nörgelnde Kollegen und kann das absehbar nicht ändern: Weiterziehen.

Wie oft sollte oder darf man den Arbeitgeber wechseln?

Anfangs darf und soll man sich ausprobieren. Wenn man in den ersten zwei, drei beruflichen Stationen nur ein bis zwei Jahre bleibt ist das ok. Danach braucht es dann aber längere Abschnitte von mindestens 4 Jahren, um sich mit seiner Arbeit an Ergebnissen messen zu lassen. Beispielsweise im Design oder Vertrieb sind die Prozesse so lang, dass man über einen kurzen Zeitraum wenig bewegen kann. Heute wird nicht mehr erwartet —es wird oft sogar als Nachteil gesehen — dass man lange bei einem Unternehmen bleibt, weil man Gefahr läuft, betriebsblind und bequem zu werden. Wenn man sich allerdings innerhalb eines Unternehmens deutlich weiter entwickeln kann und vielleicht auch Wohnorte wechseln kann, ist eine längere Zugehörigkeit durchaus interessant für den Arbeitsmarkt. Ich finde, nach sechs bis acht Jahren sollte man prüfen, ob man sich in einer Komfortzone eingerichtet hat – und dann einen Wechsel suchen, um sich wieder selbst weiter zu entwickeln.

Wie gehe ich vor, wenn ich mich beruflich innerhalb des Unternehmens verändern/entwickeln will?

Das Gespräch mit einem Entscheidungsträger suchen. Das kann eine Vorgesetzter oder eine Vorgesetzte sein oder die HR-Abteilung, das kommt auf das Unternehmen an. Ein Gespräch mit einer Vertrauensperson im Haus hilft, das auszuloten. Auch, wenn es gerade keine Vakanz gibt, bringt man sich so auf den Radarschirm und wird ggf. schneller gefördert als es sonst der Fall wäre. Für alle gelten schließlich die gleichen Gesetzmäßigkeiten, auch für die Vorgesetzten, die es gerne sehen werden, wenn sich jemand verändern will.

Wie gehe ich das Thema Beförderung oder Gehaltserhöhung richtig an?

Wenn man einen vertrauten Kollegen oder Kollegin auf einer höheren Ebene hat, kann das ein top Berater sein. Ebenso Kollegen, Freunde, oder Personalberater in der Branche, die Erfahrung mit Gehältern haben und sie teilen. Grundsätzlich macht es Sinn, die Gepflogenheiten gleich in den ersten Vertragsverhandlungen zu besprechen – wie oft und in welchem Rhythmus sind Gehaltsgespräche im Unternehmen geplant? Manchmal gibt es verankerte Automatismen, in anderen Fällen kann man eine individuelle Vereinbarung treffen. Und diese Vereinbarung sollte dann der Mitarbeiter nachhalten und mit etwas Vorlauf einfordern.

Nicht jede Beförderung geht mit einer Gehaltserhöhung einher. Manchmal macht es auch Sinn, die nächste Stufe zu nehmen ohne das Gehalt neu zu verhandeln. Wenn man bewiesen hat, dass man erfolgreich ist in der neuen Aufgabe, ist die Verhandlungsposition womöglich noch besser und der machbare finanzielle Sprung nach oben größer.

Was sollte ich unbedingt vorbereiten?

Die klare innere Haltung. Nicht als Bittsteller antreten, sondern beherzt in das Gespräch gehen. Ohne Scheu positionieren. Aber nicht übertreiben.

Wie viel mehr Gehalt kann und sollte man bei einem Arbeitgeberwechsel verlangen?

Das kommt darauf an, ob es mit einem Standortwechsel verbunden ist. 10-20 Prozent am gleichen Standort sind angemessen, denn bei jedem Wechsel wächst hoffentlich die Verantwortung und man geht bei einem Wechsel immer auch ein gewisses Risiko ein, dass der Schritt nicht der richtige war (weil nach der Unterschrift des neuen Arbeitsvertrags vielleicht der oder die ursprünglich angedachte Vorgesetzte wechselt oder beispielsweise die strategische Ausrichtung). Wechselt man an einen Standort mit anderen Lebenshaltungskosten, muss man das einplanen, sowohl nach oben, als auch nach unten. Es kommt auch darauf an, in welcher Struktur man arbeitet: Agenturen, die Dienstleistungen verkaufen, können mit großen Herstellern beim Gehalt kaum mithalten, da sie anders kalkulieren müssen. Es braucht hier den Rundumblick. Bei Berufseinsteigern spricht auch nichts dagegen, dem künftigen Arbeitgeber den Ball zuzuspielen und um ein Angebot zu bitten. Aus meiner Erfahrung geht es bei Gehaltsverhandlungen fast immer sehr fair zu, besonders wenn die Verhandlungspartner selbst angestellt sind. Die geben ja nicht ihr eigenes Geld aus.

Wie viel beim Jahresgespräch im Unternehmen?

Das kommt auf die Performance an, auf die Umsatzverantwortung und -steigerung. Die Argumente müssen stimmen. Angelsächsische Unternehmen erlauben oft große Sprünge, haben dabei meist auch selbst ein System innerhalb dessen man sich bewegt. Deutsche, womöglich eher konservative Unternehmen sind oft noch weniger bereit, sich zu bewegen. Da muss man selbst mit einer Vorstellung kommen. Vielleicht auch mal in ein Bewerbungsgespräch gehen, wenn man ohnehin offen ist für etwas neues, um den Marktwert zu testen. Aber nicht mit einem vorliegenden Angebot argumentieren, das kommt nicht gut an.

Bild: Jutta Ohms, Ohms Consulting

 

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