Krawattenrock und Klebezettel-Kleid: Aiche eröffnet Amsterdamer Modewoche

Mode
Aiche SS27 Credits: Ole Spötter für FashionUnited
Von Ole Spötter

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Auf einer leer geräumten Bürofläche zeichnen sich unterschiedliche Alltagssituationen ab: Eine Person blättert auf einer Lederliege in einem Magazin und lässt sich von einer LED-Maske bestrahlen, zwei sitzen an einem gedeckten Tisch, daneben werden Laufbänder bedient und eine Gruppe sitzt hinter ihren Bildschirmen wie in einem Coworking Space. Sie bilden die Szenerie für Aiches „Seeing Sounds"-Kollektion, die die Strretwear-Marke am Dienstag bei der Amsterdamer Modewoche vorgestellt hat.

Die Models durchquerten den Raum. Sie sollten vier verschiedene Charaktere darstellen, die in verschiedenen Bereichen wie dem Büro, bei der Modewoche, beim Networken oder in der Kunst unterwegs sind. Verbunden und von der Außenwelt abgeschirmt waren sie durch ihre Musik, die in Form von 90er-Kopfhörern verdeutlicht wurde. „Jeder einzelne Look wird einem dieser Archetypen zugeordnet", erklärt Tim Sluijzer, Mitgründer der Amsterdamer Streetwear-Brand, nach der Show.

Zu sehen war ein Mix aus Work- und Outerwear, Office-Core, der mit Streetwear und DIY-Elementen gemischt wurde. Asymmetrische Schnitte, Cut-outs und ausgestellte Röcke trafen auf hochgeschlossene Mäntel und Denim-Pieces. Besonders ins Auge stachen einige Key-Pieces wie ein pompöser Rock aus blauen Krawatten, ein gelbes Kleid, das wie von Klebezetteln übersät schien, sowie ein Blazer, in den Reißverschlüsse wie Fransen eingearbeitet waren.

Raus aus der „Streetwear-Schublade"

Aiche will mit der Kollektion aus ihrer Schublade raus und beweisen, dass die Marke auch mehr kann als nur die typischen Streetwear-Klassiker wie weite Jeans, T-Shirts und Pullover mit Logos und großen Prints.

In den Niederlanden werde man schnell zu einer dieser lokalen Marken, „die in der Streetwear-Schublade landen", erklärt Aiche-Mitgründer Tim Sluijzer nach der Show. „Wir haben aber immer gewusst, dass wir mehr wollen." Die Hip-Hop-DNA sei geblieben, es gehe aber weit über Streetwear hinaus.

Dafür hat sie ein großes Spotlight auf sich gesetzt: die Eröffnungsshow der Amsterdamer Modewoche, die dann auch noch als „Couture" deklariert wurde. Aiche bedient sich damit also des französischen Begriffs für Schneiderkunst, wobei Einzelstücke in aufwendiger Handarbeit maßgeschneidert wurden. Das Team hat die Kollektion im eigenen Amsterdamer Atelier mit Liebe fürs Detail und Handwerk gefertigt, so Sluijzer.

Sluijzer gründete die Marke 2019 zusammen mit seinem Geschäftspartner Milki Abadura. Nach Kapselkollektionen, die in verschiedenen Pop-up-Stores verkauft wurden, setzt die Marke mittlerweile auf einen physischen Standort im Amsterdamer Stadtteil De Pijp sowie saisonorientierte Kollektionen. Einen eigenen Onlineshop gibt es nicht und auch bei Partner:innen dürfen die Pieces nur im stationären Handel angeboten werden. Nach eigenen Angaben auf der Website ist die Marke bei mehr als 60 Händler:innen im Heimatmarkt sowie in Belgien, Frankreich und Großbritannien erhältlich.

Aiche
Amsterdam Fashion Week
SS27