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Lidewij Edelkoort: 'Göttinnen werden die neuen Archetypen der Mode'

Von Vivian Hendriksz

13. Dez. 2017

Mode

Amsterdam - Die Rolle der Frau in unserer modernen Gesellschaft verändert sich. Zahlreiche öffentlich ausgetragene Anschuldigungen und Skandale zu sexueller Belästigung prägten die zweite Hälfte des Jahres. Frauen schließen sich zusammen und treten gemeinsam gegen die geschlechtsspezifischen Benachteiligungen und Vorurteile der Gesellschaft auf. Laut der niederländischen Trendforscherin Lidewij Edelkoort wird sich dieser Mentalitätswandel auch darauf auswirken, wie wir uns kleiden.

"Seit Beginn der Emanzipation haben Frauen versucht, ihren Platz zu finden und zu zeigen, wer sie sind. Jetzt muss neu verhandelt werden, was der Status Quo der Frauen ist, wie wir uns in Zukunft definieren wollen und wie wir uns in Zukunft wohl fühlen können", sagte Edelkoort während ihrer Trendprsentation für Frühjahr/Sommer 2019, liebevoll „Goddesses" genannt, in Amsterdam. "Aber der psychologische Aspekt ist hier noch wichtiger. Das hat sich in der Entstehung der # Metoo-Bewegung gezeigt. Plötzlich wurden Frauen - und auch Männer - sichtbar, die jahrelang über ihren sexuellen Missbrauch geschwiegen haben und jetzt darüber reden. Wir sehen eine neue Welt, in der sie ihre Macht teilen."

Lidewij Edelkoort: „Jede Frau ist eine Göttin"

Power-Dressing und Female Empowerment-Botschaften beherrschen die Modeindustrie und Frauen suchen nach starken und unabhängigen weiblichen Vorbildern mit Göttinen-ähnlichen Eigenschaften als Inspirationsquelle um ihre neugefundene Stärke zu repräsentieren und eine neue Zukunft für sich zu gestalten. Anstatt nach ihrem "Prince Charming" zu suchen, der laut Edelkoort nicht mehr existiert, sollten Frauen auf ihre inneren Göttinnen vertrauen, da es viele weibliche Archetypen einer Frau geben kann, die sich viel besser als Richtschur eignen. "Frauen können sich mit Hestia und Aphrodite identifizieren und sowohl mütterlich als auch sexuelle Wesen sein."

Göttinnen aus verschiedenen Kulturen und Hintergründen bildeten den der Hauptschwerpunkt der Präsentation von Edelkoort für die Trends für Frühjahr/Sommer 2019 - obwohl sie daran glaubt, dass diese Bewegung das Potenzial hat, 20 bis 30 Jahre aktuell zu bleiben. Ikonische griechische Göttinnen wie Athena, Artemis und Aphrodite wurden als einige der wichtigsten weiblichen Archetypen identifiziert, doch auch Göttinnen aus anderen Kulturkreisen wie Mama Ocllo aus Peruanischen Folklore und Saraswati aus dem Hinduismus dienten ihr als Galionsfiguren: „Ich wollte auch Schlüsselfiguren aus der südlichen Hemisphäre einbeziehen."

Plissieren, Drapieren und Falten - Göttinnen-inspirierte Trends für SS'19

Insbesondere Styles, die mit den altgriechischen Göttinnen in Verbindung gebracht werden, wie Falten, Drapieren und Plissieren, werden im nächsten Sommer sehr populär werden. Laut Edelkoort suchen Frauen in dieser Saison luxuriöse Looks, um ihre innere Göttin auszudrücken: „Es ist lustig, dass wir nach all diesen Jahrhunderten immer noch dasselbe tun“, bemerkte sie beim Thema Faltenröcke. Lange, fließende Kleider, Tuniken und Röcke, die Bewegungsfreiheit ermöglichen, werden ein wichtiger Trend für den Sommer 2019 sein.

Ein weiteres Trendhighlight bilden goldene Stickereien und Verzierungen an luxuriösen und eleganten Stoffen, die von Edelkoort mit dem katzenartigen Archetypus, basierend auf der ägyptischen Katzengöttin Bastet, verbunden werden. Die Designer kehren zu ihren handwerklichen Wurzeln zurück und schaffen komplizierte, schöne Entwürfe: „Diane von Furstenberg ist typischer ein Katzen-Archetyp", fügte Edelkoort hinzu. „Ich habe sie in New York getroffen und sie faltet sich geradezu zusammen, legt ihre Füße unter ihrem Körper wie eine Katze. Gerade, dass sie nicht anfängt zu schnurren, wenn sie sich auf ein Sofa setzt! Sie besuchte unser Trendseminar und sprach darüber, wie es sich anfühlt, eine Göttin zu sein. Sie ist eine besondere Frau. "

Während der von Appletizer am KIT Institut veranstalteten Trendpräsentation wurde deutlich, dass alle Göttinnen einen gemeinsamen roten Faden haben: „Mir ist aufgefallen, dass alle diese Göttinnen aus verschiedenen Kulturen gemeinsam haben, dass sie alle sehr unabhängig sind und sich nicht von ihren Partnern abhängig machen. Doch gerade das ist es, was wir im letzten Jahrhundert in unserer Gesellschaft als Norm akzeptiert haben. Die Trendforscherin prognostiziert das Aufkommen eines Matriarchats, in dem Frauen die Kontrolle haben und auf viele verschiedene Arten leben, je nachdem, welche Partnerschaft sie wählen - ob in Schwesternschaft miteinander, mit einem oder mehreren Partnern, mit einem/r Liebhaber/in, einem pelzigen Freund oder allein mit sich. „All diese Formen von Partnerschaften sind gut und es ist großartig, diese Entwicklung in allen Göttinnen zu beobachten."

Männer sind nicht vollständig von diesem Trend ausgeschlossen, fügte sie hinzu. Auch Männer werden die Chance haben, sich mit ihren eigenen inneren Göttinnen zu identifizieren und sie gut zu behandeln, während sie die starken weiblichen Archetypen bewundern, die in der sie umgebenden Welt auftauchen.

Cover: Master of Flora [Public domain], via Wikimedia Commons, Gucci SS'18 by Dan Lecca

Foto 1: Steven Alan Pre-spring '17, Fae [Public domain], via Wikimedia Commons

Foto 2: Sonia Rykiel SS'18, via Catwalk Pictures, RomanM82 (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Foto 3: Vivienne Westwood SS'18 via Catwalk Pictures, Cuzco School [Public domain], via Wikimedia Commons

Foto 4: Shuishouyue [Public domain], via Wikimedia Commons, Ann Demeulemeester SS'18 via Catwalk Pictures

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.uk veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

LIDEWIJ EDELKOORT