Live-Shopping-Trendreport 2027: Vintage, Luxus-Resale und Tour-Shirts

Mode
Ausstellung Pierre Cardin im Palazzo Bragadin Credits: F. Julienne
Von Regina Henkel

Wird geladen...

Scroll down to read more

Whatnot, eine 2019 gegründete US-amerikanische Live-Shopping-Plattform, auf der Händler, Sammler und Marken ihre Produkte über Livestreams präsentieren und direkt verkaufen können, hat im Whatnot Consumer Trend Report 2027 die Produkte identifiziert, die 2027 besonders nachgefragt werden könnten.

Der Report 2027 zeigt eine wachsende Nachfrage nach Vintage, Second Hand und etablierten Marken. Besonders Designertaschen, Sportswear-Klassiker und Mode mit Nostalgiefaktor entwickeln sich zu Wachstumstreibern. Auch insgesamt gewinne Live Shopping im deutschen Modemarkt zunehmend an Bedeutung.

Mode ist die umsatzstärkste Kategorie auf der Live-Shopping-Plattform Whatnot. Mehr als jede:r fünfte neue Nutzer:in in Deutschland tätigte 2026 seinen ersten Kauf auf der Plattform in der Kategorie Mode, 2025 war es noch jeder achte. Besonders jüngere Zielgruppen treiben die Entwicklung: 48 Prozent der 18- bis 24-Jährigen kaufen häufiger per Live Shopping ein als im Vorjahr.

Gleichzeitig gewinnt Second Hand gegenüber saisonalen Trends an Attraktivität. Laut einer repräsentativen Befragung bevorzugen 25 Prozent der Deutschen Vintage- und Second-Hand-Stücke, die außerhalb des regulären Handels erhältlich sind.

Luxustaschen als Wertanlage

Ein Wachstumstreiber im Fashion-Resale sind Designertaschen etablierter Luxusmarken. Auf Whatnot stiegen die Bestellungen von Chanel-Taschen in Deutschland um 780 Prozent, Dior legte um 710 Prozent zu, Gucci um 630 Prozent und Louis Vuitton um 430 Prozent. Auch Fendi (plus 340 Prozent) und Hermès (plus 300 Prozent) verzeichneten deutliche Zuwächse. Besonders gefragt ist der Louis-Vuitton-Weekender Keepall, den deutsche Nutzer:innen 3,4-mal häufiger bestellen als Käufer:innen weltweit.

Röcke und Sportswear-Klassiker gefragt

Auch klassische Modekategorien gewinnen an Dynamik. Die Bestellungen von Röcken stiegen in Deutschland zwischen dem ersten und dritten Quartal 2026 um 160 Prozent. Der Trend deckt sich mit den Laufstegsignalen für Frühjahr/Sommer 2027: Prada zeigte in seiner Kollektion 63 Rockmodelle.

Bei Sportswear profitieren insbesondere deutsche Marken von der Nachfrage nach Archiv- und Retro-Modellen. Die Suchanfragen nach Adidas stiegen um das 12,8-Fache. Puma verzeichnete dank des Modells Speedcat ein Bestellplus von 640 Prozent. Auch MCM erlebt ein Comeback: Die Bestellungen der Marke legten um 690 Prozent zu, besonders gefragt ist die Monogramm-Linie Visetos.

Vintage-Männermode wächst überdurchschnittlich

Die Bestellungen von Vintage-Mode stiegen auf Whatnot in Deutschland um 130 Prozent, die Suchanfragen verdreifachten sich. Auffällig ist die Käufer:innenstruktur: 62 Prozent der deutschen Vintage-Käufer:innen sind Männer. Besonders gefragt sind Band- und Tour-Shirts aus den 1990er-Jahren, Hoodies, Jacken und Fußballtrikots. Auch Vintage-Streetwear entwickelt sich positiv: Die Bestellungen von Vintage-Nike stiegen um 66 Prozent, die von Vintage-Adidas um 46 Prozent.

Für 2027 erwartet Whatnot, dass Vintage-Klassiker zunehmend auch weibliche Zielgruppen erreichen. Individuelle, gebrauchte Stücke könnten damit weiter an Bedeutung gewinnen, auch als Gegenbewegung zum minimalistischen Quiet-Luxury-Stil.

Relevanz für Marken und Handel

Die Daten unterstreichen laut Studie die wachsende Bedeutung von Resale, Markenarchiven und nostalgischen Produktklassikern. Für Fashion-Brands und Händler ergeben sich daraus Ansatzpunkte für Vintage- und Second-Hand-Angebote, die Wiederbelebung ikonischer Modelle sowie die Ansprache jüngerer, digitalaffiner Zielgruppen über Live-Shopping-Formate. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung, dass Konsument:innen zunehmend nach individuellen Stücken mit Geschichte und Wiedererkennungswert suchen.

Der Report basiert auf internen Such- und Bestelldaten von Whatnot sowie Befragungen von 2.000 Erwachsenen in Deutschland (Censuswide) und 1.007 Erwachsenen (Research Without Barriers). Die deutschen Plattformdaten vergleichen überwiegend den Zeitraum Januar bis September 2026 mit dem Vorjahreszeitraum. Die Ergebnisse bilden das Kaufverhalten innerhalb der Whatnot-Community ab und sind nicht unmittelbar auf den gesamten deutschen Modemarkt übertragbar.

Live shopping
Resale
Secondhand
Second Hand
Trends
Vintage