Luxusmarken haben kein Recht darauf, gerechten Handel zu predigen

London - Mit einem unüberschaubaren Überschuss an Kleidungsstücken - jedes Jahr wird Kleidung im Wert von 30 Milliarden Pfund (34 Milliarden Euro) zuviel produziert. Nicht eingerechnet sind darin die 140 Millionen Pfund (161 Millionen Euro) Kleidung, die jährlich auf der Müllhalde landen. Laut Impossible, einer Gruppe, die sich zum Ziel gesetzt hat, globale Themen der Nachhaltigkeit anzuführen, soll die Lust am Einkaufen, angetrieben von unserer Besessenheit für Neuheit und schnelle Mode, weiter steigen. Damit steigt wohl auch die Überproduktion weiter an.

Es gibt keinen guten Händler, wenn es um Nachhaltigkeit geht

Aber während Fast Fashion und andere Mode-Giganten zweifellos für den überwiegenden Teil der unbenutzten und unverkauften Kleidung verantwortlich sind, sind Luxusunternehmen in Sachen Nachhaltigkeit keineswegs rechtschaffene Einzelhändler.

Luxusmarken neigen dazu, näher an ihrer Heimat zu produzieren, denken Sie an Made in Italy, Germany, France, Amerika, Japan - so könnte man denken, die folgende Gleichung ginge auf: Luxusgüter = Qualität = Nachhaltigkeit. Viele Initiativen neigen dazu, die Fertigung in Ländern mit schlecht bezahlten Arbeitskräften und kaum existierenden Arbeitnehmerrechten und Umweltschutz als die größten Nachhaltigkeitsprobleme zu beurteilen. Aber auch wenn die Herstellungs- und Produkttransparenz von Luxusmarken leichter kommuniziert werden kann, dürfen sie aus der Verpflichtungen genommen werden.

Die Verbrennung von Überbeständen ist für Marken Routine

Burberry machte im vergangenen Jahr Schlagzeilen, als das Unternehmen zugab, Millionen Tonnen ungenutzten Materials zu verbrennen, aber genau das ist gängige Praxis bei Luxusmarken. Nehmen wir zum Beispiel Louis Vuitton, ein Unternehmen, das viele seiner Artikel in Frankreich und Italien herstellt, aber nie in den Sale geht, um am Ende einer bestimmten Saison unverkaufte Bestände zu reduzieren. Was passiert mit diesen Produkten? Wie Burberry soll auch Louis Vuitton seine Restbestände verbrennen, um den Markenwert nicht durch Rabatte zu beschädigen - obwohl dies weder direkt vom Unternehmen bestätigt noch in seinen Finanzberichten oder anderswo bestätigt werden konnte. Auch wenn Louis Vuitton zu seiner Überproduktion schweigt, ist bekannt, dass es Steuergutschriften für Unternehmen gibt, die Produkte zerstören, so dass sie nicht importiert oder zurückgegeben werden müssen. Steuergutschriften sind jedoch keine Lösung für Nachhaltigkeitsprobleme.

Luxusverpackung landet im Behälter

Ein aktueller Artikel in Forbes wies darauf hin, dass Luxusmarken, überflüssige Verpackungen und Abfall Hand in Hand gehen. Denken Sie daran, wann Sie zuletzt ein Kleidungsstück bei einem Luxus-Onlinehändler bestellt haben. Das Kleidungsstück wird in einem Paket geliefert. Es ist wunderschön in Seidenpapier eingewickelt, manchmal parfümiert, wird zusätzlich von Stiften gehalten, in eine weitere Schachtel mit einem Markenlogo gelegt, mit Bändern versehen, der Karton wird mit Styropor gefüllt und manchmal gibt es auch noch eine zusätzlichen Tragetasche, die darum gewickelt wird. Das luxuriöse Erlebnis, ein online bestelltes Kleidungsstück auszupacken, ist weit entfernt von sparsamen, durchdachten Verpackungen und nachhaltigen Praktiken. Denn all diese Gegenstände, in die das Kleidungsstück verpackt ist, landen im Papierkorb.

Während so viel Wert auf Prozesse und Produktionsursprung gelegt wird, sollten wir die täglichen Auswirkungen von Verschwendung berücksichtigen. Es gab eine Zeit, in der wir ohne übermäßige Verpackung lebten. Einweg-Kunststoffe mögen in Ungnade gefallen sein, aber wir haben noch einen langen Weg vor uns, wenn es um Verpackungsabfälle geht. Und vergessen wir nicht, dass wir die Kleidung nicht mehr wegwerfen, weil sie abgenutzt ist, sondern weil sie nicht mehr in Mode ist. Und so haben Luxusmarken und ihre Partner im stationären Handel einen Grund, uns mehr Waren zu verkaufen.

Credit: Ethical Fashion Initiative, Quelle: Forbes "Luxury Retailers Flunk The Sustainability Test.”

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.uk veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

 

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