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Mode nach Corona: Farben und Lifestyle-Trends für SS22

Von Katrien Huysentruyt

9. Dez. 2020

Mode |TRENDSEMINAR

Trendforscherin Hilde Francq vom Trendstudio Francq Colors gibt halbjährlich Tipps zu den wichtigsten künftigen Farben und Trends. Der Corona-Faktor machte es diesmal besonders spannend. FashionUnited war (virtuell) vor Ort und hat notiert, was uns im Sommer 2022 erwartet.

2020 war kein gewöhnliches Jahr, das ist inzwischen klar, und es bleibt abzuwarten, wie es sich auf die kommenden Jahre auswirken wird. Aber es besteht kein Zweifel, dass die Pandemie Auswirkungen auf gesellschaftliche Trends und Lebensstil haben wird. Hilde Francq identifizierte vier gesellschaftliche Strömungen, die Lifestyle-Trends in Mode- und Design vorantreiben: The Resident, The Essentialist, The Tinkerer und The Lunatic. Für jeden Trend stellte sie verschiedene Farbpaletten und Kombinationsmöglichkeiten vor – von modisch sicher bis avantgardistisch. Jeder Trend bringt auch eine bestimmte Präferenz für die verwendeten Materialien und Muster mit sich.

The Resident

Der erste Trend baut auf dem Aufstieg alles Lokalen auf. Die Designer waren während des Lockdown gezwungen, mit Materialien aus ihrer Umgebung zu arbeiten, aber auch die Verbraucher begannen, die lokale Wirtschaft stärker zu unterstützen. Dieser Trend hat 2020 noch mehr an Bedeutung gewonnen und wird sich bis 2022 durchsetzen. Die Verbraucher wollen in der Regel lokale, authentische und unverwechselbare Produkte, die mit lokalen Materialien und Verfahren hergestellt werden. Die von Francq für jede Farbkarte vorgeschlagenen Kombinationsmöglichkeiten reichen von einer subtilen, modisch sicheren Option bis hin zu einer avantgardistischen Umsetzung. Auf diese Weise können die Sandfarben des “Resident” auf subtile Weise mit Braun kombiniert werden – ein Ton der im Sommer 2022 noch wärmer aussehen wird. In Bezug auf Material und Herstellung kann alles handgemacht oder gebraucht aussehen, inklusive Unvollkommenheiten. Passende Muster sind Vichy-Karos, breite Strandkorbstreifen in warmen Tönen oder Drucke von Blumen und Pflanzen. Die Ausgangsmaterialien kommen aus der Natur: von der Farbe über neue Materialien bis hin zu Stroh und Gras.

The Essentialist

Auch die Nostalgie für die 1990er verschwindet nicht sofort, obwohl sie eine andere Form annimmt: Im Sommer 2022 sehnen wir uns nach dem Minimalismus der neunziger Jahre. Diese Vorhersage folgt der Beobachtung, dass wir nach einer Krise zum Kern zurückkehren. In all seiner Einfachheit ist das der Antitrend zum ‘Resident’. Anders als in den 1990er Jahren sind die Formen weicher, die Farben subtiler und raffinierter und die Materialien ökologischer. Farblich zeigt sich die Tendenz zu einer stumpferen Farbpalette. Der ‘Essentialist’ hat ein gutes Gefühl für die grundlegenden, überdimensionierten Silhouetten, die wir bereits aus vergangenen Saisons kennen, und für die Verwendung des Colourblocking. Es wird mit Formkontrasten und halbtransparenten Materialien gespielt.

The Tinkerer

Das spielerischste und farbenfrohste Thema plädiert für eine Rückkehr zur kindlichen Kreativität und zeigt ein Bedürfnis nach weniger rationalem Denken zugunsten des Emotionalen. Das Machen selbst ist wichtiger als das Ergebnis: Der Tüftler setzt nicht auf perfekte Entwürfe, sondern auf das Spontane und Kindliche, es darf chaotisch zugehen. Künstliche Intelligenz wird eingesetzt, um Zufälligkeit und Spontaneität in den Designprozess zu bringen. Falsche Farbkombinationen gibt es innerhalb der Paletten dieses kreativen Trends nicht. Für die Accessoires können Rohmaterialien wie transparentes Harz, Ton oder Jesmonit verwendet werden. Darüber hinaus werden selbstgemachte Materialien bis SS22 Mainstream werden.

The Lunatic

’The Lunatic’ steht bei Francq für "jemand, der den Mond bewundert". Die große Rückkehr zur Natur erlaubt es den Menschen, den Einfluss des Mondes auf den Rhythmus der Erde wieder zu entdecken. Die biologisch-dynamische Landwirtschaft – die im Rhythmus der Mondphasen erntet und sät – ist bereits jetzt ein Hype und wird sicherlich zum Trend werden. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass sogar die Börsen – eines der unberechenbarsten Unternehmungen – davon beeinflusst werden: Bei Neumond gibt es mehr Spekulationen. Vom Mond inspirierte Farbpaletten werden durch viele körnige, staubige Texturen ergänzt. Neben allen Arten von behandeltem Metall sehen wir auch viele Biokunststoffe, die eine schmutzige Transparenz aufweisen – als ob sie mit einer Schicht Mondstaub bedeckt wären.

Farbevolution

Die Trendbeobachterin besteht darauf, dass eine Marke beim Einkauf oder bei der Produktgestaltung immer ihre 80-20-Balance beibehalten muss. Das ist das Verhältnis innerhalb einer Kollektion von 20 Prozent Trendfarben zu 80 Prozent kommerziellen Farben. Wenn eine Marke eher avantgardistisch ist, kann der Anteil der schwieriger zu verkaufenden Farbtöne auf 40 Prozent erhöht werden. Übrigens nehmen wir eine Menge Farben von AW21 nach SS22 mit – wenn auch in leicht angepassten Nuancen.

Lockdown-Trends

Francq identifizierte auch zehn Trends, die wir aus der Pandemie mitnehmen werden. Diese Einstellungen werden die Verbraucher beeinflussen.

  • 1. Immunity is key: Produkte, die die Immunität stärken oder schützen, erleben einen Boom.
  • 2. Seien Sie flexibel: Schnell reagieren ist entscheidend. Das soziale Leben findet online statt, wie gemeinsames Fernsehen über Netflix Teleparty oder geselliges Beisammensein auf der Lifestyle-Plattform von Airbnb.
  • 3. Digi-Tainment: Künstliche Intelligenz und virtuelle Realität werden eine wichtige Rolle bei der Herstellung, Vermarktung und dem Angebieten von Produkten spielen.
  • 4. Tiktok ist das neue Instagram: die grössten Influencer sind jetzt auf der Videoplattform zu finden.
  • 5. Dark & Vegan: Dark Kitchens – Küchen ohne Sitzplätze und Service, die nur für Lieferdienste kochen – sind auf dem Vormarsch, und wir essen gerne gesund, bewusst und ernähren uns deshalb von Pflanzen.
  • 6. Revenge-Shopping: Vermögende Konsumenten werden sich nach der Quarantäne selbst belohnen wollen.
  • 7. Revenge Dressing: Die bequeme Mode aus dem Homeoffice bleibt, aber gleichzeitig gibt es eine Gegenbewegung – mit hohen Absätzen, engerer Passform, luxuriöser Verarbeitung – als Symbol der Freiheit.
  • 8. Well-being at home: Technologie macht unsere Wohnungen sauberer, hygienischer und praktischer.
  • 9. Office & Gym Deluxe: Zuhause arbeiten und Sport treiben sind zwei neue Aspekte, die die Einrichtungsmarken erschließen werden.
  • 10. Closing Architecture: Wir ziehen Grenzen zwischen Räumen, um Arbeit und Privatleben zu trennen. Das kann von einem einfachen Vorhang bis hin zu echten Wänden reichen.

Dieser übersetzte Beitrag erschien zuvor auf FashionUnited.nl.

Bild: CKS