Nachhaltiges Design bei Armedangels: “Nicht nur das nette Produkt auf den Markt schmeißen”

Das nachhaltige Kölner Modelabel Armedangels hat seine Denim-Kollektion überarbeitet. Die Jeans für Damen und Herren sollen nicht nur besser sitzen, sondern auch wassersparender produziert sein und ohne Chemikalien auskommen. Sara Maier von Armedangels spricht über die Schwierigkeit und Schönheit des nachhaltigen Arbeitens als Designerin.

Denim gibt es schon seit 2015 bei Armedangels, aber jetzt will sich das Label stärker darauf konzentrieren. Der Markt ist groß, denn eine Jeans besitzt fast jeder im Kleiderschrank. Gleichzeitig gilt Denim als einer der schmutzigsten Produkte in der Modebranche, die ihrerseits wiederum oft wegen Umweltbelastung in der Kritik steht. Die Herstellung einer herkömmlichen Jeans verbraucht im Durchschnitt 8.000 Liter Wasser, laut dem Unternehmen. Um bestimmte Effekte, wie ein gebrauchtes Aussehen zu erreichen, können ganze 2 Kilogramm Chemikalien zum Einsatz kommen. Nachhaltiges Design bedeutet also alle Stufen einzubeziehen, die ein Kleidungsstück vom Entwurf bis zur Fertigstellung durchläuft.

“Mir gefällt es sehr gut, dass ich ganzheitlich herangehen muss”, sagt Sara Maier, Produktmanagerin bei Armedangels, in einem Interview zu FashionUnited. “Ich habe das Gefühl, dass mein Kopf hier ganz anders zum Einsatz kommt. Ich wollte nicht nur das nette Produkt auf den Markt schmeißen.”

Nachhaltiges Design bei Armedangels: “Nicht nur das nette Produkt auf den Markt schmeißen”

Mit der Überarbeitung seiner Kollektion holt Armedangels auch modisch in einem Marktsegment auf, in dem sich bereits Marken, wie die schwedische Nudie Jeans oder die niederländische Kings of Indigo, auf nachhaltige Denim spezialisiert haben. Auch traditionelle Denimbrands wie Levi’s oder G-Star Raw haben sich der Detox-Kampagne von Greenpeace angeschlossen und sich damit verpflichtet, die giftigen Stoffe in ihrer Kleidung zu eliminieren.

Nachhaltiges Design bei Armedangels: “Nicht nur das nette Produkt auf den Markt schmeißen”

Authentische Denim-Looks

Bei Armedangels kamen bei der Überarbeitung der Jeans fünf neue Passformen für Damen hinzu und und eine neue für Herren. Eine Jeans hat eine Durchschnittslebensdauer von sieben Jahren, deshalb hat Designerin Sara Maier versucht, Hosen-Modelle zu entwerfen, die nicht schnell aus der Mode kommen. Für sie waren das beispielsweise Skinny-Fits in High- und Midwaist sowie lockere Mum-Jeans für die Frauen.

“Es geht darum authentische Denim-Looks zu schaffen, die lange in deinem Kleiderschrank bleiben”, sagt Maier. “Dann kann Denim auch ein nachhaltiges Produkt sein.”

Aber damit hört die Arbeit einer Designerin, die ein möglichst nachhaltiges Produkt kreieren will, noch lange nicht auf. Sara Maier verantwortet als Produktmanagerin den ganzen Prozess von der Stoffentwicklung über das Design bis hin zu den Preisen. Ein ganz anderes Arbeiten als zuvor.

“Ich hab mir früher nicht einmal das Waschrezept einer Denim schicken lassen, weil es auch niemanden interessiert hat”, sagt Maier, die davor bei verschiedenen Modeunternehmen als Designerin gearbeitet hat und bei Armedangels zum ersten Mal nachhaltig. “Es war nie wichtig, wie der Hersteller eigentlich zur Optik einer Hose kommt.”

Die Stufen in der Denimproduktion:

  • 1. Die Baumwolle wird angebaut und geerntet.
  • 2. Die Baumwolle wird entkörnt und zu Garn gesponnen.
  • 3. Das Garn wird mit Indigo blau gefärbt.
  • 4. Der mit Indigo gefärbte Kettfaden wird mit weißem Schußfaden zu Denim-Stoff verwoben.
  • 5. Die Stärke wird von dem Denim-Stoff entfernt, er wird dadurch auch weicher.
  • 6. Der Denim-Stoff wird zugeschnitten und zu einer Jeans vernäht.
  • 7. Um einen gebrauchten oder andere Effekte zu erzielen, werden Chemikalien oder mechanische Verfahren eingesetzt.
  • 8. Knöpfe, Nieten und Lederaufnäher werden angebracht, lose Fäden werden entfernt.
  • Quelle: Alliance for Responsible Denim

Bei der Färbung der verwendeten Stoffe mit Indigo konnte Armedangels ab der Kollektion Herbst/Winter 2018 weniger Wasser und Salz einsetzen. Um hellere Hosen herstellen zu können, wurden Ozon und Laser eingesetzt anstatt Chemie. Lasern spart außerdem auch 62 Prozent Energie und 67 Prozent Wasser ein, so die Kampagnen-Broschüre von Armedangels.

“Wir erzielen Waschungen und Helligkeiten von denen wir vorher nur geträumt haben. Einer der ersten Sätze, als ich hier angefangen habe, war: Eine helle Denim geht nicht unter nachhaltigen Bedingungen”, erzählt Maier. “Jetzt kann ich sagen: Es geht, man muss sich nur sehr intensiv damit beschäftigen.”

Hinter dem Schlagwort der Nachhaltigkeit können sich in der heutigen Modebranche zahlreiche Varianten verbergen. Während Kings of Indigo zum Beispiel seine Lieferkette auf der Website offenlegt, verspricht das britische Modelabel Tom Cridlands, dass seine Half Century Jeans 50 Jahre hält. Mit Reparatur und Ersatz inklusive.

Nachhaltiges Design bei Armedangels: “Nicht nur das nette Produkt auf den Markt schmeißen”

Nachhaltigkeit bis ins Detail

Bei Armedangels wird stets biologische Baumwolle verwendet, die durch den Global Organic Textile Standard (GOTS) zertifiziert ist. Das bedeutet, dass auf besonders giftige Chemikalien verzichtet und auf nachhaltiges Abwassermanagement geachtet wurde.

Nachhaltigkeit kann bis ins Detail gehen. Sara Maier hat auch alle Knöpfe in der Denim-Kollektion auf Edelstahl umgestellt. Um bestimmte Farben zu erzielen, wird bei Stahl keine Chemie eingesetzt. Auch bei der Auswahl seiner Hersteller nimmt es Armedangels genau und war persönlich vor Ort.

“Für viele ist Nachhaltigkeit auch nur ein Trend, der jetzt aufpoppt. Es ist ein umfangreiches Thema und wir haben gemerkt, es ist am sichersten, wenn wir unsere Leute hinschicken, die dann wirklich das Knowhow haben um herauszufinden, ob wir von dem gleichen Nachhaltigen sprechen.”

Um eigene Entwicklungen umzusetzen, wie zum Beispiel helle Jeans in der kommenden Frühjahrskollektion, hat sich Armedangels auch mit dem Denimproduzenten wie ISKO zusammengetan. An Zukunftsplänen mangelt es Maier nicht. Sie schaut sich bereits recycelte Materialien und biologisch abbaubares Elasthan an.

“Was auch wichtig ist, wenn man in die Nachhaltigkeit im Denim-Bereich arbeitet”, sagt sie. “Ich bin nicht so versessen darauf, dass das Produkt 1:1 so aussieht, wie ich es in meinem Kopf hab, sondern ich lasse mich auf den Prozess mit meinem Hersteller ein und wir finden zusammen dann die Grenzen heraus, die noch gesetzt sind.”

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Fotos: Armedangels
 

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