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Never-out-of-Stock – Lloyd sieht hier Nachholbedarf und will mit Move noch näher an den Markt

Von Lara Grobosch

23. Juni 2021

Mode |Exklusiv

Bild: Lloyd NOS-Kollektion

Ständig verfügbare Modeartikel, für die es immer Nachfrage gibt – klingt eigentlich nach einer sicheren Bank für die Modeindustrie. Es sei denn, ein unerwartetes Ereignis wie die Pandemie bringt dieses System durcheinander. In dieser Serie verraten drei Marken aus unterschiedlichen Segmenten mehr über ihr NOS-System und wie es nach der Pandemie damit weitergehen soll.

Nachdem die Damenbekleidungsmarken Cecil und Street One den Anfang machten, geht es heute ins Reich der Schuhe. Der Sulinger Schuhhersteller Lloyd verspricht sich Nachholbedarf bei Business- und Anlass-Schuhen in der Zeit nach der Pandemie und wappnet sich dafür mit seinem umfangreichen NOS-Angebot. Um noch näher am Markt zu sein, will das Unternehmen außerdem ein neues Konzept einführen.

Noch schnelleres Nachliefern mit dem Move-Programm

Ab der kommenden Frühjahr/Sommer 2022 Kollektion wird der Schuhhersteller das eigenständige Move-Programm anbieten, das eine schnelle Nachlieferung auch bei aktuellen Saison-Modellen garantieren soll. Das System hatte Lloyd zuvor im eigenen Retail und mit ausgewählten Partnern getestet und durchgängig sehr gute Erfahrungen gemacht. „Jetzt sind wir in der Lage auch größere Mengen in dieser Form zu realisieren“, teilt der Lloyd-Chef Andreas Schaller FashionUnited per E-Mail mit.

Bild: Lloyd-Geschäftsführer Andreas Schaller

Das Programm besteht aus jeweils 20 Damen- und Herrenvarianten und setzt sich ausschließlich aus aktuellen Saisonmodellen zusammen, die durchgängig zur Verfügung stehen. Im Gegensatz zu den großen Mengen im herkömmlichen NOS-Sortiment, wird beim Move-Programm im Lager des Herstellers nur ein Wochenbedarf geführt. Nachbestellungen der Händler werden innerhalb einer Woche produziert und können dann direkt an den Kunden ausgeliefert werden.

Anders als beim NOS-Konzept, das jeder Kunde nutzen kann, der eine gewisse Saisonpaarzahl erreicht, muss der Lloyd-Kunde bei Move zusagen, wöchentliche Nachbestellungen der jeweiligen Artikel zu generieren. Nur so sei es möglich, permanent den Bedarf hochzurechnen und die Wirtschaftlichkeit der Produktion sicher zu stellen, so Schaller. Das Programm soll in der Folgesaison insbesondere im Damenbereich ausgeweitet werden.

„Sofern sich ein Move-Artikel so entwickelt, dass eine Vorplanungssicherheit möglich ist, ist es denkbar, dass der Artikel ins NOS-Programm überführt wird. Es ist aber auch möglich, dass ein solcher Artikel mit Ende der Saison ausläuft“, erklärt der Geschäftsführer. „Jetzt gilt es Erfahrungen zu sammeln um die Prozesse so abzusichern, dass diese mengenfähig werden.“

Bild: Lloyd NOS-Kollektion

NOS: bedeutender Umsatzbringer bei Lloyd

Das neue Move-Programm wird eine eigenständige Ergänzung zum bestehenden NOS-Konzept des Herstellers sein. Der Never-out-of-Stock-Anteil bei Lloyd ist hoch. Vor der Corona-Krise hatte das Unternehmen zirka 50 Prozent seines Umsatzes über das NOS-Programm generiert. Die saisonale Herrenschuh-Kollektion umfasst rund 170 Modelle, im NOS-Programm werden darüber hinaus etwa 70 Varianten angeboten. Bei den Damenschuhen sind es etwa 20 NOS-Modelle, die zusätzlich zur saisonalen Kollektion aus zirka 120 Varianten zur Verfügung stehen, und immer nachgeordert werden können.

„In erster Linie sehen wir den Vorteil für unsere Fachhandelskunden, welche durch die Nutzung unseres Programms die eigene Liquidität schonen. Eine Dienstleistung, welche für den Fachhandelskunden – insbesondere zurzeit – extrem wichtig ist“, teilt der Lloyd-Chef mit. „Selbstverständlich ist es ein großes Risiko für uns als Lieferanten das Warenrisiko unserer Fachhandelskunden zu übernehmen. Wir glauben aber fest daran, dass dieses in Zukunft aufgrund der Finanzierungsstrukturen der Handelskunden noch deutlich wichtiger sein wird.“

Saisonal werden etwa 40 Prozent der NOS-Artikel erneuert. In den letzten Saisons habe man zunehmend auch modische Modelle ins Never-out-of-Stock-Programm aufgenommen. „Wir haben Modelle, die sind seit zehn Jahren im NOS-Programm und nach wie vor erfolgreich. Andererseits gibt es Modelle, die nur eine Saison im NOS-Programm sind und dann aus der Kollektion ausscheiden“, so Schaller.

Der Kollektionsrhythmus ist im Vergleich zu dem rasanten NOS-Modell der Bekleidungsmarken Cecil und Street One eher gemächlich, aber auch Lloyd hat die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie zu spüren bekommen. Durch die Schließungen der stationären Geschäfte und die sinkende Nachfrage nach formellen Schuhen sind die NOS-Umsätze stark eingebrochen. Sind überfüllte Lager die Folge? „Glücklicherweise waren wir durch unsere hohe Flexibilität in unserem Produktionsprozess in der Lage die Produktionen schnell zu verringern beziehungsweise zum Teil auch komplett einzustellen. Damit konnten wir einen massiven Lageraufbau verhindern“, so Schaller.

Bild: Lloyd NOS-Kollektion

Nachholeffekt für formelle Schuhe

Nachdem Lloyd durch die Corona-Pandemie im Juli sogar seine Produktion in Deutschland schließen musste, will der Schuhhersteller auch weiter über das NOS-Programm Flagge zeigen.

Das Unternehmen ist überzeugt, dass Business- und Anlass-Schuhe mit der zunehmenden Wiederbelebung der Büros und dem Nachholen von Feierlichkeiten in den nächsten Monaten wieder verstärkt nachgefragt werden. Auf diesen Nachholbedarf wolle man mit dem NOS-Angebot und dem schnellen Hochfahren der Produktion in diesem Segment vorbereitet sein. „Nichts wäre für unsere Kunden schlimmer, als im zweiten Halbjahr auf Umsätze verzichten zu müssen, weil die Schuhe fehlen“, erklärt Schaller.

Bis jetzt scheint die Strategie aufzugehen: „Nachbestellungen, wie wir sie zur Zeit aus anderen Märkten in der auch für Deutschland dargestellten Art erwarten, erhalten wir jetzt schon aus Märkten bei denen die Lockerungen schon früher eingesetzt haben.“

Bleiben Sie dran: Das nachhaltige niederländische Denimlabel Mud Jeans spricht als nächstes in unserer Serie über sein NOS-Modell.