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‘Nicht alles, was funktioniert, ist richtig’: ARMEDANGELS-Kreativdirektorin Christiane Bördner über Kreativität mit gesellschaftlichem Auftrag

Mode|Interview
ARMEDANGELS-Kreativdirektorin Christiane Bördner. Bild: ARMEDANGELS
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Von FashionUnited Media

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In einer Welt, in der Klickzahlen und Conversion Rates zunehmend kreative Entscheidungen steuern, stellt sich die Frage: Nur weil etwas funktioniert, ist es deshalb auch richtig? Für ARMEDANGELS-Kreativdirektorin Christiane Bördner ist dies Teil ihres täglichen Handelns und beeinflusst Design, Markenstrategie und Produktentwicklung. Statt sich von Trends treiben zu lassen, plädiert sie für kreative Eigenständigkeit und Verantwortung – gegenüber der Marke, dem Markt und nicht zuletzt einer sich wandelnden Branche.

Gegenüber FashionUnited spricht Bördner über strategische Inspiration, die ARMEDANGELS-Transformation und darüber, warum Design mehr sein kann als eine performative Reaktion auf Trends.

Strategische Kreativität statt Trend-Aktionismus

Bördners Karriere ähnelt einem klar konstruierten Narrativ: Neugier, Gestaltungskraft und strategisches Denken greifen ineinander. Schon früh faszinierte sie visuelle Ausdrucksformen. Im Grafikdesignstudium entwickelte sie daraus ein professionelles Fundament. Statt sich für klassisches Modedesign zu entscheiden, wählte sie bewusst “Art Direction”, einen breiteren Zugang, der Marke, Kommunikation und Produkt zusammendenkt. Noch während der Studienzeit gewann sie mit der italienischen Herrenmodemarke Stone Island einen renommierten Kunden. „Das hat mich in eine andere Liga katapultiert“, erinnert sie sich.

Nach Stationen in der Markenführung, unter anderem als Mitgründerin der Berliner Agentur The Gaabs und als Initiatorin des Magazins “I Love You”, begann mit ARMEDANGELS ein neues Kapitel. Zunächst verantwortete sie den visuellen Relaunch: Bildsprache und Positionierung wurden geschärft, das Label klarer wahrnehmbar gemacht. Bald erkannte sie jedoch: Der Anspruch musste sich auch im Angebot widerspiegeln. Bördner formulierte eine Produktvision und übernahm schließlich die kreative Leitung.

FW26. Bild: ARMEDANGELS

Unter ihrer kreativen Führung hat sich ARMEDANGELS strategisch neu ausgerichtet: von einer nachhaltig positionierten Nischenmarke zu einer zeitgemäßen Brand mit internationalem Anspruch. Nachhaltigkeit bleibt Kern der Identität, wird aber nicht mehr isoliert als Differenzierungsmerkmal inszeniert. Ökologische Verantwortung ist Voraussetzung, während Design, Qualität und kulturelle Relevanz darüber hinausgehen. ARMEDANGELS versteht sich als Impact-Driven Company mit dem Ziel, Mode verantwortungsvoll zu produzieren und zugleich begehrlich zu gestalten. „Wir wollen nicht nur Mode machen. Wir wollen etwas verändern.“

Design als Instrument für Wandel

Jede Kollektion beginnt mit strategischer Analyse: kulturelle Entwicklungen, gesellschaftliche Verschiebungen, Konsummuster. „Design ist kein Zufallsprodukt. Wir arbeiten strategisch, bevor wir in eine neue Saison gehen“, erklärt sie. Dabei geht es längst nicht nur um Farben oder Silhouetten. „Mich interessiert heute fast mehr, wie wir Menschen dazu bewegen können, ihr Verhalten zu verändern und nicht nur, was sie kaufen, sondern wie sie konsumieren.“

Dies prägt die visuelle Sprache von ARMEDANGELS, in der “Contemporary Essentials” den Kern beschreibt: moderne, langlebige Produkte, die über Saisonzyklen hinaus Bestand haben. Intern spricht man von einer Art „ARMEDANGELS-Uniform“: Kleidungsstücke, die langfristig funktionieren und nicht vom nächsten Trend abgelöst werden müssen. Denim bildet dabei das Herzstück der Kollektion und wird kontinuierlich weiterentwickelt. Ergänzt wird das Sortiment durch starke Knitwear, T-Shirts und Casual-Pieces, die reduzierte Ästhetik mit Substanz verbinden.

Ein Jahr, ein Thema: ‘Radical Simplicity’

ARMEDANGELS denkt Kollektionen nicht isoliert, sondern im Rahmen eines Jahresmottos. Für 2026 lautet dieses Leitmotiv “Radical Simplicity”, verstanden als bewusste Reduktion. „Wir fragen uns: Was können wir weglassen? Was braucht unsere Kollektion wirklich?“ Es geht nicht um Minimalismus als Stilmittel, sondern um einen ganzheitlichen Ansatz: weniger Überfluss, mehr Klarheit in Design, Material und Sortimentstiefe.

Im Herbst konkretisiert sich dieses Thema unter dem Titel “Heritage Re-Engineered”. Klassische Materialien wie Tweed, Checks oder Cord werden neu interpretiert und mit innovativen Stoffentwicklungen kombiniert. DetoxDenim auf Basis recycelter Fasern sowie neue Ansätze im Bereich plastikreduzierter Outerwear stehen exemplarisch für diesen Anspruch. „Innovation wird für uns immer wichtiger. Wir wollen echte Alternativen schaffen“, betont Bördner. Tradition wird somit nicht nostalgisch zitiert, sondern funktional weiterentwickelt.

FW26. Bild: ARMEDANGELS

Parallel dazu arbeitet die Marke an ihrer internationalen Positionierung. „Wir sind im DACH-Markt eine Instanz für nachhaltige Mode – aber das reicht uns nicht“, sagt sie offen. ARMEDANGELS will global relevanter Player werden, ohne die eigene Haltung zu verwässern. Produkt, Kommunikation und kulturelle Anschlussfähigkeit müssen dafür präzise zusammenspielen.

Plädoyer für Kreativität

Gleichzeitig blickt Bördner kritisch auf die Branche. Performance-Metriken und Social-Media-Logiken führten zunehmend zu Austauschbarkeit. „Alles wird messbar gemacht und dadurch oft gleich.“ Ihr Wunsch: eine stärkere Wertschätzung für Design als eigenständige Kraft. Marken sollten sich wieder klarer über Haltung und Kreativität definieren.

Gerade jungen Designerinnen rät sie zu Mut und Tiefe. „Es geht nicht darum, Dekoration zu machen.“ Mode könne politisch sein, kulturell wirksam und gesellschaftlich relevant. Für Bördner ist Gestaltung Verantwortung, und genau darin liegt die Zukunft von ARMEDANGELS: Produkte zu schaffen, die nicht nur funktionieren, sondern Sinn stiften.

ÜBER DIE MARKE
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