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Shein – Plagiatsvorwürfe quälen den chinesischen Fast-Fashion-Riesen

Von Don-Alvin Adegeest

28. Juni 2021

Mode

Bild: Britischer Reality-TV-Star Amber Turner lanciert Kollektion mit Shein. Mit freundlicher Genehmigung von Shein

Shein, das chinesische Fast-Fashion-Unternehmen, wird beschuldigt, gefälschte Waren verkauft zu haben. Shein ist mittlerweile der größte grenzüberschreitende E-Commerce-Player in China und hat ein schnell wachsendes Publikum in den USA, Frankreich, Russland, Deutschland und 200 weiteren Ländern — allerdings nicht ohne Kontroversen.

Die Popularität von Shein hat einige westliche Marken das Fürchten gelehrt. Diese pochen sich nun auf ihre Urheberrechte und den Schutz ihres geistigen Eigentums. Nach Daten von AppAnnie erreichte Shein im Mai 2021 die Spitze der App-Download-Charts für Shopping in den Stores von Apple und Google, während es in seiner letzten bekannten Finanzierungsrunde mit 15 Milliarden US-Dollar einsammeln konnte. Aber viele Marken sagen, dass der Erfolg von Shein auf dem „absichtlichen und kalkulierten" Diebstahl geistigen Eigentums beruhe.

Dr. Martens verklagt Shein wegen gefälschter Stiefel

Dr. Martens AirWair International ist eines der Unternehmen, das den Einzelhandelsriesen verklagt, weil er einen gefälschten „Martens-Stiefel“ auf seiner Website verkauft. In Gerichtsakten unterstellte das Unternehmen Shein die „klare Absicht [...], Fälschungen zu verkaufen“

Bild: Schwarze Stiefel auf Shein. Ein Screenshot von der Shein-Website.

Im Jahr 2018 reichte Levi's eine ähnliche Klage vor einem kalifornischen Gericht ein, in der behauptet wurde, dass Shein Kleidungsstücke mit Designs herstellte und verkaufte, die nahezu identisch mit denen von Levi's waren und die Verbraucher über die Herkunft ihrer Produkte und die Beziehung zwischen Levi's und den Beklagten täuschen könnten.

Auf sozialen Medien haben Designer die Plattform des Kopierens kleinerer Marken beschuldigt, wie die Financial Times berichtet. „Kikay, eine in LA ansässige Direct-to-Consumer-Marke für Ohrringe, sagte, dass sie Anfang des Monats von einem ihrer Kunden darauf aufmerksam gemacht wurde, dass ihre Designs auf Shein verkauft wurden.“ Auf Twitter sagte Kaiami, eine Modeillustratorin, dass einer ihrer Pins von Shein kopiert worden sei.

Hannah Burrows, Markenrechtsanwältin bei Reddie & Grose LLP, sagte gegenüber FashionUnited: „Fälschungen sind ein ernstes Problem, besonders in der Modeindustrie, und es ist wichtig, dass Markeninhaber Schritte unternehmen, um zu verhindern, dass Fälscher auf unfaire Weise von ihren Investitionen und ihrem Ruf profitieren. Die unerlaubte Verwendung von 'Fotos von echten Dr. Martens Schuhen' ist ein Beispiel dafür und könnte zumindest einigen Verbrauchern suggerieren, dass sie echte Dr. Martens Schuhe zu einem reduzierten Preis erhalten, wenn sie eine Bestellung auf Sheins Website aufgeben, was nicht der Fall ist.“

Weiter sagte sie: „Fast-Fashion-Marken sind bekannt dafür, dass sie mit ihrem Branding und Design nah am Trend liegen, und es eine oftmals sehr feine Trennlinie zwischen der Inspiration durch ein bekanntes Markenprodukt und der Verletzung von Marken-, Design- und/oder Urheberrechten gibt. Die Schwierigkeit für Markeninhaber besteht darin, dass zu dem Zeitpunkt, an dem die ein Gericht ein Urteil gefällt hat, die vermeintlich kopierten Waren bereits aus den Regalen verschwunden sind und die Fälscher sich bereits etwas anderes angeeignet haben, während der Schaden für den Ruf der Marke bereits angerichtet ist. Ein Gerichtsverfahren kann außerdem ein kostspieliges Unterfangen sein und viele unabhängige Marken haben nicht die Mittel, um ihr Recht durchzusetzen.“

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.uk veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ