Sneakerhype: Die Kreativität der urbanen Kultur Südafrikas

Eine wahre Modenschau: Die jungen Leute, die vor einem Geschäft in einem wohlhabenden Viertel von Johannesburg Schlange stehen, um ein exklusives amerikanisches Sneakermodell bei seinem Pre-Launch zu kaufen, zeigen an ihren Füßen eine mutige und farbenfrohe Auswahl an Modellen.

In Südafrikas Großstädten wetteifern junge Menschen um die kreativsten und gepflegtesten Sneaker. Sie signalisieren ihre Einzigartigkeit, sie heben sich ab, sie zeigen Ihre gesellschaftliche Position. „Deine Schuhe erzählen deine Geschichte“, sagte Rasik "Mr.ëksê" Green, der ein Tank-Top und ein Cap trägt, gegenüber AFP, während er einem Wandbild im trendigen Stadtteil Maboneng den letzten Schliff verleiht. Dieser Graffitikünstler, der graue Sneaker an den Füßen hat, entwirft auch selbst Paare, denen er ein einzigartiges Design verleiht.

In diesem multikulturellen Land, mit Menschen aller Hautfarben und zwölf offiziellen Sprachen, sind Sneaker eine Möglichkeit auszudrücken, woher man kommt. „Wir alle wissen, dass die Leute am (südlichen) Kap auf 'Bubbles' stehen, diese großen, dick besohlten Turnschuhe. In Soweto ist es eher der amerikanischen Converse-Stil“, Low oder oder High Tops. „Es ist eine Art Code.“ Die jungen Südafrikaner, Erben einer reichen Musikkultur, sind auch von der des amerikanischen Hip-Hop durchdrungen.

„Sneakerheads“ in Afrikas industrialisiertestem Land sammeln und handeln Modelle aus aller Welt, angetrieben vom Online-Shopping, das durch den Lockdown noch verstärkt wurde. 2019 kollaborierte die amerikanische Marke Reebok mit dem südafrikanischen Rap-Star AKA: Alle 800 Paar dieses SneAFA-Modells waren auf der Website innerhalb von zehn Minuten ausverkauft.

Gangster und Demonstranten

Knallige Farben, abgetragen oder aus mattem Leder: Diese Schuhe sind Teil eines vielschichtigen urbanen Images in Südafrika. Einst mit Gangstern aus den Townships der 1980er Jahre in Verbindung gebracht, haben sich die Chuck Taylors, High-Tops der Marke Converse, die an den Rändern mit Latex verstärkt sind, von ihrem einstigen negativen Image gelöst.

„Meine Eltern wollten nicht, dass ich sie kaufe, sie wurden mit einer Kultur des Verbrechens in Verbindung gebracht“, erinnert sich Hector Mgiba, 28, ein großer Sammler aus Soweto. Als Teenager setzte er sich über das elterliche Verbot hinweg und sparte, um sich ein gebrauchtes Paar zu kaufen.

Die Schuhe erinnerten auch an „Pantsula“, einen urbanen Protesttanz, der in den Townships von Johannesburg entstand, und mit schicken Hemd-und-Hosen-Outfits und ultraschnellen Schritten assoziiert wird. Wiederbelebt wurden die Schuhe durch das Aufkommen von „Kwaito“, einem Musikstil, der seit den 1990er Jahren von der Post-Apartheid-Jugend verbreitet wurde, die mit der Demokratie aufgewachsen ist.

In der Stadt tragen viele Hipster, jung und alt, sie noch heute, zusammen mit einem Anzug und einem gut geschnittenen Jackett. Seit kurzem sind einige südafrikanische Unternehmer auf den Zug aufgesprungen und bieten kreative Designs an.

Als Kind konnte er sich die neuesten Turnschuhe nicht leisten. Also fertigte der Designer Lakau Sehoana sein erstes Paar aus zerrissenen Schuhen, einem Stück Jeansstoff und Plastik. Heute hat seine 2019 gegründete Marke Drip, die an ihren knallbunten Designs zu erkennen ist, fünf Filialen. Eine andere lokale Marke, „Bathu“, ein Begriff aus dem Zulu-Slang, macht mit raffiniertem Mesh und Zebramuster-Sohlen von sich reden.

Eine der limitierten Editionen wurde für umgerechnet mehr als 20.000 Euro pro Paar verkauft. „Vor dreißig Jahren wäre das noch undenkbar gewesen“, kommentiert Graffitikünstler Green. (AFP)

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.uk veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

 

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