Snipes-Buyer: Grenzen zwischen Sport- und Streetwear verschwimmen zunehmend

Mode|Interview
Snipes' Blokecore-Kampagne Credits: Snipes
Von Ole Spötter

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Fußball ist mittlerweile kein Trend mehr, sondern fester Bestandteil der Streetwear. Die Trikots und Styles sind auch abseits der großen Turniere von den Streetlooks nicht mehr wegzudenken. Insgesamt scheint Sport gerade sein Momentum in der Mode zu haben – von wachsenden Lifestyle-Kategorien über den Hype um die Fußball-Weltmeisterschaft der Herren bis zum Rennrad als Accessoire bei der Louis Vuitton-Show in Paris.

Wie Snipes mit dem Fußball-Kult spiel, welche anderen Trends die Streetwear antreiben und welche Sneakers ein Must-have für den Sommer sind, verraten Mara Osterfeld, Senior Category Manager Sportswear und Mark Petereit, Senior Head of Buying & Planning, beim Kölner Streetwear-Händler.

Mark Petereit (links) und Mara Osterfeld Credits: Snipes

Die Fußball-WM ist in vollem Gange. Welche Fußball-Styles sind bei Ihrer Kundschaft beliebt?

Petereit: Der Einfluss von Fußball auf Mode ist aktuell stärker denn je. Die Grenzen zwischen Sportswear, Streetwear und Fashion verschwimmen zunehmend. Besonders gefragt sind Retro-Trikots, Trainingsjacken im 90er/2000er-Stil und Jerseys, die bewusst als Fashion-Pieces getragen werden und nicht mehr nur reine Fanartikel sind.

Und welche Trikots verkaufen sich besonders gut?

Petereit: Stark laufen aktuell Jerseys von Nationalteams mit globaler Strahlkraft wie Brasilien oder dem Deutschen Fußball Bund (DFB) – sowohl aktuelle Turniertrikots als auch Retro-Versionen und kreative Away Jerseys. Letztere haben oft den höheren Fashion-Faktor und werden gezielt in Streetwear-Looks integriert. Generell gilt: Je stärker die Verbindung zwischen Fußball, Musik und Street Culture, desto relevanter ist das Trikot für unsere Zielgruppe.

Credits: Snipes

In der Streetwear ist Blokecore nun bereits seit einigen Saisons ein Thema. Ist das überhaupt noch ein Trend oder ein mittlerweile fester Bestandteil der Szene?

Osterfeld: Definitiv fester Bestandteil. Fußballtrikots und sportinspirierte Silhouetten sind im Streetwear-Kosmos angekommen. Was sich verändert hat: Früher wurde bewusst ein kompletter Fußball-Look getragen. Heute werden Jerseys selbstverständlich mit Denim, Workwear oder Tailoring kombiniert. Entscheidend ist heute weniger der Sport an sich, sondern die kulturelle Verbindung von Sport, Community, Musik und Fashion.

Dieses Prinzip gilt zunehmend für den gesamten Sports-Bereich. Basketball-Jerseys, College-Styles sowie Lizenzen für ‘Major League Baseball’ [Anm.d.Red.: höchste US-Baseball-Liga] und andere US-Sports werden mit derselben Selbstverständlichkeit in Streetwear-Looks integriert. Der Einfluss US-amerikanischer Sportkultur auf Fashion ist aktuell so stark wie seit Jahren nicht mehr – ein Bereich, in den wir bei Snipes im zweiten Halbjahr gezielt investieren. Fußball bleibt dabei unser stärkstes Thema – nicht zuletzt durch unsere Partnerschaft mit Paris Saint-Germain. Zur WM setzen wir einen zusätzlichen Fokus und spielen das volle Potenzial des Moments aus.

Blokecore ist ein Modetrend, der Fußball und seine Fankultur in den Mittelpunk stellt – vom Fußballtrikot bis zum Casual-Look aus den englischen Stadien. Zu Beginn der 2020er-Jahre inspirierte man sich besonders von der Retro-Ästhetik der 1990er und frühen 2000er. Mittlerweile geht der Trend aber darüberhinaus und steht für alles was mit diesem Sport zutun hat.

Inwieweit hat sich dieser Fußball-Style genau gewandelt?

Osterfeld: Die Entwicklung ist klar erkennbar. Weg vom reinen Nostalgie-Look, hin zu einer modischeren Interpretation: Oversized Fits, hochwertige Materialien, Cropped Jerseys für Frauen, Kombinationen mit Loafern und Tailoring. Kollaborationen wie von Jordan und der brasilianischen Nationalmannschaft stehen exemplarisch dafür, dass Fußball heute als kulturelle Plattform verstanden wird, ein Impulsgeber weit über den Sport hinaus.

Abseits des Stadions – welche Menswear-Trends beobachten Sie aktuell?

Osterfeld: Lockere Silhouetten bleiben dominant, Jorts und 7/8-Längen bringen neue Proportionen. Utility-Einflüsse sind cleaner geworden. Auch Street Prep erlebt ein Revival. Poloshirts, Rugby-Shirts, Quarter-Zips und hochwertige Strickteile werden mit Sneakern oder Loafern kombiniert. Im Accessoire-Bereich gewinnen Halstücher, Bandanas und Crossbody Bags an Bedeutung.

Menswear wird insgesamt vielseitiger. Weniger Einzeltrend, mehr individueller Mix. Entscheidend ist dabei die Möglichkeit, unterschiedliche Stilwelten miteinander zu kombinieren und den eigenen Look authentisch zu gestalten.

Credits: Snipes

Und in der Womenswear?

Osterfeld: Aus unserer Sicht wird Womenswear aktuell von der Verbindung aus Sportswear, Streetwear und Femininität geprägt: Jerseys und Oversized-Silhouetten kombiniert mit Miniröcken, Wide-Leg-Denim oder femininen Details wie Lace und Crochet. Zudem werden klassische Menswear-Pieces neu interpretiert, bewusste Stilbrüche sind Treiber der Entwicklung.

Dazu kommt ein starkes Comeback von Prints, etwa Polka Dots, Karomuster, Animal Prints, sowie anhaltende Y2K-Einflüsse. Haaraccessoires wie Bandanas und Scrunchies spielen als Styling-Element eine wachsende Rolle.

Nach schmalen Silhouetten, die sich zu Ballet-Sneakers entwickelt haben, wohin bewegt sich das Segment?

Petereit: Sneakerinas sind das neue Stichwort. Ikonische Modelle, neu interpretiert und auf weibliche Bedürfnisse zugeschnitten. Ob der Adidas Samba Jane als Mary-Jane-Version oder der Puma Speedcat Ballet – diese Neuauflagen geben ihr das Gefühl, gesehen zu werden. Gleichzeitig entwickelt sich der Markt hin zu Hybrid-Modellen – Loafer- und Mule-inspirierte Designs gewinnen neben Ballet-Styles zunehmend an Relevanz.

Ein weiterer Treiber ist das Thema Selbstverwirklichung durch Customization. Der Wunsch nach einem durchdachten Head-to-Toe-Look und exklusiven Modellen ist größer denn je – zuletzt sichtbar bei unserem Birkenstock-Customization-Event, bei dem Kundinnen ihre Modelle individuell gestalten konnten.

Credits: Snipes

Welche Sneakers dürfen derweil bei keinem Menswear-Streetstyle fehlen?

Petereit: Running-inspirierte Silhouetten dominieren hier. Performance-Styles wie der On Cloudtilt treffen auf 2000er-Ikonen wie New Balance 530 und 740, Nike P-6000 und V5 oder Asics GEL-1130 und GEL-NYC. Leichte Konstruktionen, Mesh-Upper und technischer Look verbinden Komfort, Funktionalität und Style. Zur wärmeren Jahreszeit komplettieren Birkenstock Boston und Arizona sowie Havaianas das Sortiment als entspannte Saisonklassiker.

Nutzen Sie neben den typischen Social Media und Modewochen noch andere Inspirationsquellen?

Petereit: Absolut. Viele relevante Trends entstehen außerhalb der klassischen Fashion-Bubble – an den Schnittstellen von Musik, Sport, Gaming und Popkultur. Festivals, Konzerte, Stadien und Creator-Communities liefern oft frühere Signale als Modenschauen.

Als Retailer ist die direkte Nähe zur Zielgruppe besonders wertvoll, nicht nur um Trends zu erkennen, sondern zu verstehen, wie sie tatsächlich getragen und weiterentwickelt werden. Unser Anspruch ist es, kulturelle Entwicklungen frühzeitig zu identifizieren und in relevante Sortimente für unsere Community zu übersetzen.

Zum Abschluss: Was ist Ihr aktueller Fashion Hot Take?

Osterfeld: Ich glaube, dass wir uns von der Idee verabschieden müssen, dass Trends allein durch neue Produkte entstehen. Die spannendsten Looks entstehen aktuell dadurch, dass bestehende Pieces neu interpretiert werden. Ein Oversized-Hemd als Rock, ein Schal als Top, ein Trikot im femininen Look. Farbtrends kommen heute auch aus Color Codes der Sport- und Popkultur – die NY Knicks-Palette Orange/Blau findet sich längst in Streetwear-Kollektionen und Sneaker-Releases wieder.

Für uns als Retailer liegt die Herausforderung darin, diese kulturelle Relevanz frühzeitig zu erkennen und in relevante Sortimente zu übersetzen.

Dieses Interview wurde schriftlich geführt.

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