Starke Prinzessinnen, Grunge und neue Formen: Highlights der Tokyo Fashion Week
26. März 2025
In Tokio vereinen Designer:innen für die Saison FW25 Tradition mit Moderne. Sie brachten klassische Silhouetten mit sportlichen Elementen zusammen und schufen so schicke, aber zugleich urbane Kollektionen, die sich für die verschiedenen Alltagssituationen in der japanischen Hauptstadt und anderen Metropolen eignen.
Marken, die Sie im Augen behalten sollten, sowie die neuesten Trends aus Tokio, hier im Überblick.
Labels to Watch
Hummel00
Hummel00 ist die Fusion des dänischen Sportartiklers und moderner, japanischer Streetwear. Die Marke, die zur Hummel Gruppe gehört, wurde in Zusammenarbeit mit einem langjährigen Partner aus Japan entwickelt, erklärt ein Hummel-Sprecher. „Während die kreative Richtung im lokalen Markt verwurzelt ist, wird das Projekt von unserem globalen Markenteam geleitet und überwacht, um die Übereinstimmung mit unseren Werten und unserer visuellen Identität sicherzustellen“, heißt es aus der dänischen Zentrale.
Für FW25 scheint es, als würde die Marke verschiedene Archetypen aus dem Fußballstadion kreieren. So ist der Fan, der das Trikot „seiner Mannschaft“ mit einer lässigen Hose kombiniert, neben den Trainer:innen mit Steppweste und schlichtem Hemd oder klassisch mit Sakko und Rock zu sehen. Natürlich sind auch die Spieler:innen – auf und neben dem Feld – sowie die Schiedsrichter:innen mit von der Partie.
Ganz klar präsent ist dabei die Hummel-DNA mit Logos und Schriftzügen. Dazu ist auf mehreren Trainingsjacken ein Symbol zu sehen, das an das Wappen der dänischen Fußball-Nationalmannschaft erinnert, deren Ausrüster Hummel aktuell ist.
Die Marke gibt dem sportlichen Style einen androgynen Twist und stellt die markante Streetwear einer sinnlich-leichten Ästhetik gegenüber.
Non Tokyo
Die japanische Marke Non Tokyo wurde 2013 von Ichige Ayano gegründet und präsentierte ihre erste Kollektion für SS14. Die Designerin kreiert unter dem Begriff „Crossover“ das Gefühl des Unbehagens, das sie durch Gegensätze in der Kleidung ausdrückt.
Die in Tokio ansässige Marke zeigte für die FW25 die Kollektion „Chasing a stakes Dream“ im örtlichen Wissenschafts- und Technikmuseum. Zu sehen war eine Kollektion, bei der ein knielanger Plisseerock Teil einer beigen Arbeitsuniform wurde. Sportswear und bunte Outerwear-Pieces, die mit bunten Prints von Pferden, Sternen und Natur verziert wurden, standen niedlichen Details wie Rüschen gegenüber. Auf einem langen, geradlinigen Rock begegnete den Zuschauer:innen der Spruch „Please mind the Gap“ (Eng.: Bitte beachten Sie den Abstand) samt Druck von einer Bahnsteigkante. So schafft Non Tokyo den perfekten Gorpcore-Mix für den belebten „urban Jungle“ in einer Metropole wie Tokio.
Tamme
Tatsuya Tamada kreiert für seine Marke Tamme seit 2021 unter dem Motto “Updating the Existing” (Eng.: Das Bestehende aktualisieren). Der japanische Designer bringt verschiedene Komponenten wie Militäruniformen und formelle Kleidung zusammen.
Die FW25-Kollektion „Nocturnal Forward“ zeigte ein starkes Tailoring und legte einen klaren Fokus auf die Taille. Pieces wie der klassische Trenchcoat wurden halbiert und als gekürzte Jacke sowie Rock neu interpretiert. Holzfäller:innenhemden und Lederjacken gaben der Kollektion ein alternative, rockige Note, die die Statik der Uniformen und klassischen Pieces aufbrach. Farblich war die Kollektion meist in Schwarz und dunkle Farben gehalten, wobei einzelne Stücke in Farben wie einem knalligen Pink oder rostigen Orange in Szene gesetzt wurden.
Keisukeyoshida
Der Designer Keisuke Yoshida kreiert seit 2025 unter der gleichnamigen Marke. Er beschäftigt sich mit den „seelischen Nöten", die während der Pubertät entstehen und einen auch im späteren Leben begleiten.
Für seine aktuelle Kollektion lud er in das Vergnügungszentrum Rosa Kaikan ein, wo er seine Looks zwischen bunten Greifarm-Automaten und Videospiel-Stationen zeigte. Doch lenkt die Reizüberflutung der Spielhalle nicht von den starken Silhouetten mit Statement-Mänteln und Powersuits ab. Neben schlichten Pieces zierten traditionelle Muster und florale Ornamente ganze Looks. Dazu setzte der Designer beim Styling auf verschieden lange Schichten, die untereinander hervor blitzten, Knoten-Techniken und verschiedene Volumen. Einige sportliche Jacken gaben dem Gesamtbild einen jungen, frischen Touch.
Winterblumen
Keisukeyoshida war aber nicht die einzige Marke, die für Herbst/Winter 2025 die Blumen erblühen ließ. Die Womenswear-Marken Telma und Pay Des Feés verzierten ganze Looks mit Flora-Prints, während der Gastdesigner Paul Smith sie zum Leitthema seiner ganzen Kollektion machte. Der florale Drucke, der in verschiedenen Farben auf Kleidern, Hemden und Krawatten zu sehen war, basiert auf einem Foto, das der britische Designer geschossen hat.
Moderne Prinzessinnen
Ein weiteres beliebtes Thema in Tokio war das Zusammenspiel aus klassischen femininen Stücken wie pompösen Tüllröcke, die mit einem sportlichen Oberteil kombiniert wurden. So entstand das Bild einer märchenhaften Prinzessin, die in die Gegenwart katapultiert wurde. Sie will nicht mehr länger auf ihren „Traumprinz“ warten, der sie rettet, und nimmt die Sache selbst in die Hand.
Zu sehen waren solche Looks bei JennyFax, Pays des Fées und Basicks. Chika Kisada spielte dazu mit dem Barbie-Thema und integrierte die Puppe unter anderem als Stylingelement in den Haaren eines Models.
Neue Formen
Noch mehr Volumen gab es bei den Kollektionen von Viviano Sue. Der in den USA und China aufgewachsene Designer zeigte für seine Marke Viviano ein silbernes XXL-Kleid, aus dem nur noch der Kopf des Models heraus schaute.
Kunstvolle Formen gab es aber auch bei Marken wie Grounds, Rivnobuhiko und Satoru Sasaki zu sehen, die sich allerdings mehr auf den Oberkörper fokussierten. Von klitzekleinen Pieces, die gerade so die Brust bedecken, bis zum großflächigen Kunstwerk zeigen die Designer:innen ihre verschiedenen Oberteile.
Modern Grunge
Besonders in den Menswear-Kollektionen Tokios wurde der „Grunge Spirit“ à la Kurt Cobain und Neil Young wieder zum Leben erweckt. Karierte Hemden, schwarz-grün gestreifte Longsleeves und dunkle Batik-Muster waren Teil der Kollektionen. Details wie Krawatten mit schlichten weißen Hemden oder eine weite, dezent karierte Anzughose lockerten die Rocker:innen ein bisschen auf und machten sie Streetwear-tauglich.