Textilbündnis soll international Schule machen
Der Zusammenschluss von Unternehmen, Verbänden und Politik zum sogenannten Textilbündnis scheint zum Erfolgsmodell zu werden. Dabei setzt die Branche bei der Bewältigung der Herausforderungen globaler Handels- und Lieferketten auf einen engen Schulterschluss aller Beteiligten. Nur dann könnten die sozialen und ökologischen Produktionsbedingungen in bestimmten Lieferländern nachhaltig verbessert werden, so Ingeborg Neumann, Präsidentin des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie, und Josef Sanktjohanser, Präsident des Handelsverbandes Deutschland (HDE).

Das Bündnis könne zur Aktionsplattform für eine Allianz werden, die sich auf internationaler Ebene für eine nachhaltige textile Lieferkette einsetze, so Neumann. „Deshalb engagieren sich Unternehmen und Wirtschaftsverbände für den Erfolg des Projekts“. Nach dem Beitritt der beiden Dachverbände und zahlreicher Unternehmen aus Handel und Industrie im Juni haben die Verbände eine Informationskampagne aufgesetzt und so mittlerweile eigenen Angaben zufolge mehr als 60 Unternehmen als neue Bündnismitglieder geworben.

Bislang kaum spürbare Verbesserungen in Produktionsländern

Nun strebe man eine möglichst breite internationale Verankerung an, um genügend Schubkraft für Verbesserungen in den Produktionsländern und Wettbewerbsgleichheit zu ermöglichen. „Hier ist auch die Politik gefragt, den zwischenstaatlichen Prozess zum Erfolg zu führen“, so HDE-Präsident Sanktjohanser. Für die Arbeitsgruppen des Textilbündnisses sei daher ein ambitionierter Zeitplan vereinbart worden. Insbesondere zur Produktionsökologie und zu fairen Arbeitsbedingungen sollen in 2016 „erste substanzielle Ergebnisse“ erzielt werden.

Nun geht es darum, weitere Textil- und Modeunternehmen zur Teilnahme zu bewegen. Dafür soll das bereits gestartete Onlineportal „Forum Nachhaltigkeit“ weiter ausgebaut werden. Hier finden Unternehmen neben speziellen Informationen zu Corporate Social Responsibility auch Leitfäden und Online-Tools zur Umsetzung von CSR-Strategien.

Der neu überarbeitete Code of Conduct der deutschen Textil- und Modeindustrie könnte zudem auch internationalen Interessenten als Orientierung dienen. Neumann babe bereits im Juni 2015 mit Industrievertretern der G7-Staaten über globale Lieferketten gesprochen, heißt es.

Trotzdem muss sich die wahre Stärke das Textilbündnisses erst noch beweisen. Schließlich wurde zwar bislang viel organisiert, viel erklärt und angeschoben, die tatsächlichen Auswirkungen in den Produktionsländern wie China, Vietnam oder Bangladesch halten sich jedoch noch in Grenzen. Eine erfolgreiche Internationalisierung der deutschen Initiative ist jedoch nur dann erfolgversprechend, wenn sich in den Textilfabriken der Dritten Welt tatsächlich signifikante Verbesserungen einstellen. Sozialverbände, Gewerkschaften und Menschenrechtsaktivisten warten darauf nach eigenen Angaben bisher jedoch vergeblich.

Foto: Benjamin Klack / pixelio.de

 

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