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Thom Browne: „Mein Einstieg in die Mode war vielleicht einfacher, weil ich nicht wusste, worauf ich mich einlasse."

Von Jackie Mallon

30. Juli 2021

Mode

Foto: Thom Browne S/S 22

Im Gespräch mit Peter Arnold, Executive Director des Fashion Scholarship Fund, rät der Designer Thom Browne der nächsten Generation an Modemachern, es auf eigene Faust zu versuchen. Zwar seien Mentoren von unschätzbarem Wert, und einer von Brownes Mentoren ist sein ehemaliger Chef Ralph Lauren, aber es sei zu einfach, sich darauf zu verlassen, wie Karrieren in der Vergangenheit gestaltet wurden und wie andere Erfolg hatten. „Ich wollte es wirklich auf meine eigene Art machen“, sagt er. „Man muss seinen eigenen Weg finden“, so der Designer.

Und niemand kann bestreiten, dass er das getan hat. Brownes Klarheit der Vision, sein ungewöhnliches Denken und seine Laufsteg-Spektakel machen ihn zu einem Vorbild für Kreativität in der amerikanischen Modelandschaft. Er studierte auch nicht Mode, sondern war Wettkampfschwimmer, bevor er Wirtschaftswissenschaften und Japanisch studierte und schließlich ein umtriebiger Kreativer in Los Angeles wurde. Seine ersten Gehversuche in der Modebranche wagte er, als er einen Job brauchte und hörte, dass bei Giorgio Armani eine Stelle frei war. Er bewarb sich, hatte Glück und wurde genommen — der Rest ist Geschichte. Seine Naivität sei ihm von Vorteil gewesen, so der Modemacher: „Mein Einstieg in die Mode war vielleicht einfacher, weil ich nicht wusste, worauf ich mich einlasse.“

All die Jahre, in denen er den Herrenanzug weiterentwickelte, mit den Proportionen spielte, Vintage-Inspirationen einfließen ließ und sich darauf konzentrierte, eine jüngere Generation anzusprechen, brachten endlose Herausforderungen mit sich. Kooperationen mit Marken wie Moncler und Brooks Bros. haben sein Geschäft finanziell gestärkt, doch die Höhen und Tiefen des Einzelhandels haben ihn nicht unberührt gelassen. Zu den Meilensteinen, an die er sich erinnert, gehört, dass seine erste Kollektion von der Pariser Boutique Colette und Bergdorf Goodman aufgegriffen wurde, aber zu den Tiefpunkten gehört eine Insolvenz im Jahr 2009. Obwohl seine Firma jetzt mehrheitlich der Ermenegildo Zegna Group gehört, fühlt sich Browne niemandem verpflichtet und behält nach eigener Aussage die volle Kontrolle. Dazu gehört auch eine gewisse Opferbereitschaft: „Es gab keine zweite Chance, also musste ich alles tun, um [das Business] am Laufen zu halten“, sagt er.

Browne folgt keinen Trends, jagt nicht dem Zeitgeist hinterher und achtet auch nicht allzu sehr auf den Markt. „Man sollte so wenig wie möglich darüber wissen, was woanders vor sich geht, denn das macht einen frei“, sagt er – eine Botschaft, die den grundlegenden Lehren der Modeschulen zuwider laufen scheint. „Die brillanten Ideen, die bereits verwirklicht worden sind können einen lähmen“, sagt er. Er verwendet keine Moodboards und benötigt auch keine Skizzen für das erste kreative Brainstorming. Er spricht seine Ideen mit seinem Team aus talentierten Designern und Schnittmachern durch. „Dann lasse ich es einfach geschehen“, sagt er.

Wie Thom Brown sein kreatives Team zusammenstellt

„Sehr selten stelle ich jemanden mit zu viel Erfahrung ein“, sagt Browne. „Ich habe eine Menge Leute, die ihre Karriere hier begonnen haben.“ Er stellt oft Leute ein, die bei ihm ein Praktikum gemacht haben und gezeigt haben, dass sie „offen dafür sind, einfach einzutauchen.“ Studenten und Absolventen werden zweifellos erfreut sein, wenn sie das hören, aber er fügt den Vorbehalt hinzu, dass die Kandidaten seinen Ansatz verstehen müssen und was seine Marke ausmacht. „Wenn Kandidaten graue Anzüge nicht mögen, weiß ich nicht, warum sie zu mir kommen sollten“, sagt er.

Er ist der Meinung, dass alle Absolventen zuerst für eine Marke arbeiten sollten, um den Wert harter Arbeit schätzen zu lernen und zu sehen, was das Arbeitsleben mit sich bringt, bevor sie überhaupt in Erwägung ziehen, etwas eigenes zu gründen. Junge Designer sollten auch für sich selbst eintreten, wenn es um Gehaltserhöhungen oder Beförderungen geht, denn meistens denken die höheren Posten nicht an diese Dinge. Er denkt nicht an diese Angelegenheiten, verrät er.

In Portfolios sieht Browne gerne Interessen, die außerhalb der Mode liegen, sowie Belege für Fähigkeiten wie Schnittmustererstellung und Nähen. Er sagt, es gebe für ihn nichts Enttäuschenderes, als eine provokante Idee, die sich als nur mit der heißen Nadel gestrickt herausstellt. Schließlich hat er die folgenden abschließenden Worte für junge Kreative, die gerade ihre Karriere beginnen: „Verliert nie Eure reine Kreativität. Das ist das, was am wertvollsten ist, wenn ich mir Menschen anschaue.“

Dies ist eine Übersetzung eines englischen Beitrags von Jackie Mallon. Jackie Mallon lehrt Mode in New York und ist die Autorin des Buches ‚Silk for the Feed Dogs’, ein Roman, der in der internationalen Modeindustrie spielt. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ