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Tom Ford sagt, das alte Modesystem wird zurückkehren

Von Jackie Mallon

1. März 2021

Mode

„Die Modeindustrie wird vom Konsumenten angetrieben”, sagte Tom Ford zu Vanessa Friedman von der New York Times während eines Instagram Live-Talks, fünf Tage vor seiner NYFW-Show. Er bezweifelt, dass aus den Ideen, die Designer könnten auf Pre-Kollektionen verzichten und nur noch zwei Kollektionen pro Jahr machen, etwas wird. „Wir haben den Konsumenten dazu trainiert zu erwarten, dass es alle paar Monate etwas Neues gibt.“

Aber nachhaltige Mode liegt ihm am Herzen, sowohl als Designer als auch als Präsident des Council of Fashion Designers of America. Ford, der vor ein paar Jahren Veganer wurde, zollte Stella McCartney, seiner ehemaligen Gucci-Kollegin, Anerkennung für ihr frühes und dauerhaftes Engagement für Nachhaltigkeit. Er sieht Zeitlosigkeit und Qualität als wichtige Facetten dieser. „Meine Kleidung und das, was ich entwerfe, ist nicht dafür gedacht, weggeworfen zu werden“, sagte er. „Als ich Gucci und YSL verließ, musste ich meine Archive zurücklassen.“ Seitdem kauft er die Stücke mit beträchtlichem Aufwand zurück.

Live-Modenschauen sind nicht ersetzbar

In seinem leeren Atelier in Los Angeles, umgeben von Nähmaschinen, seine Aufmerksamkeit auf seine kommende digitale Show gerichtet, räumte er ein, dass es keinen Ersatz für physische Modenschauen gibt. „In der Mode dreht sich alles um den „instagrammable“ Moment, und dafür braucht man ein Zusammentreffen von Menschen, Prominenten. Live-Shows nach einem bestimmten Zeitplan sind sehr effektiv.“ Er glaubt auch, dass Trends während der Schauen, bei den Gesprächen unter den Besuchern entstehen, während sie von einer Show zur nächsten strömen. „Ich hoffe, dass die Real-Life-Modenschauen zurückkehren werden“, sagt er und fügte hinzu, dass es für September vielversprechend aussieht. Er vermisst die "Elektrizität im Raum", die nicht auf Film festgehalten werden kann. „Es ist wie die Live-Erfahrung eines Theaterstücks.“

Ford, der seit fünfunddreißig Jahren als Modedesigner arbeitet, gestand, dass er es immer noch liebt. Da das aktuelle Modell der Modewoche jedoch darauf hinausläuft, Shows oder Lookbooks hochzuladen, musste Ford – wie der Rest von uns – neue Kommunikationsmethoden erlernen, weshalb dies sein erster Instagram Live-Talk überhaupt war. Er kann einen Schuh, der in seiner italienischen Fabrik in die Kamera gehalten wird, per Zoom begutachten. Er kann die Korrekturen per PDF überprüfen, hat aber mit der Herausforderung, Looks für eine Präsentation zusammenzustellen, zu kämpfen. Er hat sich immer erlaubt, bis zum Tag der Show an der Kollektion zu feilen. „Wenn einem zwei Tage vor der Show eine gute Idee einfällt, muss man sie einbauen. Man kann nicht bis zur nächsten Saison warten. Dann ist es zu spät.“

Aber trotz seiner Leidenschaft hat seine Kreativität während der Pandemie gelitten, und er ertappt sich dabei stundenlang CNN oder MSNBC zu schauen. „Jeder hat eine gewisse Depression gespürt“, gibt er zu. „Es war schwer, sich bei all dem Chaos kreativ zu fühlen.“

Die Black-Lives-Matter-Bewegung hat die Modeindustrie verändert

Trotz des schwierigen Jahres haben sich ein paar positive Aspekte herauskristallisiert, die bleiben werden, so Ford. Modeleute müssen nicht mehr so viel reisen, wie sie einst dachten. Das ist eine kostensparende und den Planeten schonende Maßnahme. In seiner Rolle beim CFDA, der in diesem Monat den „State of Diversity, Equity and Inclusion in Fashion Report“ veröffentlicht hat, sieht Ford aus erster Hand, wie die „Black-Lives-Matter“-Bewegung die Branche stark beeinflusst hat, und er sieht keine Rückkehr zu alten Zeiten. Er hat Schritte unternommen, um das Gremium neu auszubalancieren, wobei er darauf achtet, sowohl die ethnische als auch die Geschlechtervielfalt zu repräsentieren, und der CFDA fungiert nun als eine Art Talentagentur für Marken, die nach bisher unterrepräsentierten Talenten suchen. „Wir müssen dranbleiben“, sagte er. „Die Mode hat so viel von der schwarzen Kultur übernommen. Wir verdanken der schwarzen Community in vielerlei Hinsicht eine Menge.“, so der Designer.

Dies ist eine Übersetzung eines englischen Beitrags von Jackie Mallon. Jackie Mallon lehrt Mode in New York und ist die Autorin des Buches ‚Silk for the Feed Dogs’, ein Roman, der in der internationalen Modeindustrie spielt. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

Bild: CFDA Website

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