Virginie Viard « Ich habe eine andere Vision als Karl»

Paris - Die Chanel-Designerin Virginie Viard beendete die Exzessivität der Lagerfeld-Jahre mit ihrer ersten Kollektion seit der Coronakrise, die in aller Einfachheit präsentiert wurde - und zwar online.

Chanel Cruise Collection SS 20-21

Die Cruise Collection mit dem Titel "Mittelmeer-Spaziergang" sollte ursprünglich am 7. Mai auf Capri, Italien, präsentiert werden, aber die Show wurde aufgrund der Corona-Epidemie abgesagt.

In den Aufnahmen, die das berühmte französische Haus in sozialen Netzwerken teilte und die einen ersten Eindruck davon vermitteln, was künftige Online-Modewochen bringen könnten, sehen wir keinen Laufsteg, sondern eine Abfolge von 51 am Meer gefilmten Looks mit einem Fokus auf Accessoires wie Mikrokettentaschen oder Maxi-Sonnenbrillen mit Visier.

Der "Rückschlag" aufgrund der Gesundheitskrise "beeinflusste die Kollektion nicht so sehr, da ich sie ohnehin kleiner und auf allen Ebenen leichter machen wollte", gab die sehr diskrete Virginie Viard, - 30 Jahre lang Karl Lagerfelds rechte Hand - in ihrem ersten, an diesem Wochenende im Figaro veröffentlichten Interview an.

Virginie Viard: "Ich war nie ein großer Fan kolossaler Spektakel"

Die Extravaganz der "instagrammtauglichen" Modenschauen mit Raketen-, Supermarkt- oder Strand-Kulissen unter dem Glasdach des Grand Palais in Paris war bei Chanel zum Markenzeichen von Karl Lagerfeld geworden. Virginie Viards bescheidene, aufgeräumte Inszenierung ist so zurückhaltend, dass einige der Stammgäste enttäuscht sind. "Ich war nie ein großer Fan kolossaler Spektakel, auch wenn es mit Karl großartig war", sagte Virginie Viard gegenüber Le Figaro.

Eine neue Epoche

Die Cruise Collection, die von den großen Häusern im Frühjahr, oft außerhalb der vier Hauptsaisons, präsentiert wird, ist für leichtes Reisen konzipiert, mit Kleidung, die einfach zu tragen und vielseitig einsetzbar ist. Lange Röcke können als Bustierkleider getragen werden, wenn sie hochgezogen sind, transparente Kleider können mit Jacken kombiniert werden, die sich über Shorts aufknöpfen und zuknöpfen lassen.

Weiß, rosa, blau, viele dünne Gürtel auf nackten Taillen, Freizeitschuhe in Form flacher Pantoletten, die mit verschlungenen Doppel-Cs verziert sind, oder Hybride zwischen Flip-Flops und Riemchen-Espadrilles: Die von Schauspielerinnen der 60er Jahre inspirierte Kollektion atmet Frische und Entspannung.

Da die nächsten Fashion Weeks für HAKA und Haute Couture im Juni und Juli online geplant sind, hofft die Designerin, “dass wir im Oktober wieder eine Schau mit Musik und Models inszenieren können, auch wenn nur wenige Gäste kommen können".

Hunderte von Akteuren der Modewelt haben, bestürzt über die Coronakrise, ein Umdenken bei der Produktion und den Modenschauen gefordert, während zwei Branchenleader, Saint Laurent und Gucci, dem "altmodischen" Ritual der Modewochen bereits abgeschworen haben.

Es gibt sicherlich zu viele Modewochen auf der ganzen Welt. Vielleicht könnte eine ausreichen", sagte die französische Designerin Marine Serre, die zusammen mit dem Belgier Dries Van Noten eine verantwortungsvollere Modebranche forderte, im Mai gegenüber Le Monde. Für die beiden Designer, die hoffen, dass sich die Schwergewichte ihrer Bewegung anschließen werden, sind kreative Emotionen untrennbar mit den Laufstegen verbunden, aber sie müssen "ökologischer" aufgezogen werden.(AFP)

Bild : Chanel - Cruise Collection S/S 20/21

 

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