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Virtuelle Paris Fashion Week: Models im Ausnahmezustand

Von AFP

9. März 2021

Die Pandemie hat die Models des Laufstegs und ihrer gewohnten Tätigkeiten beraubt. Auch wenn einige von ihnen von weniger Konkurrenz profitieren und in den Videos der Designer dafür eine tragendere Rolle erhalten, bedauern sie alle die fehlende Energie der Laufstege, die durch nichts zu ersetzen ist.

Christelle Yambayisa war seit dem ersten Lockdown im vergangenen März nicht untätig: Marken, darunter Monoprix, schickten ihr Kleider, ihr Freund machte Fotos, die sie an Kunden zurückschickte. „Es war krude, aber es hat funktioniert“, sagte sie gegenüber AFP. „Außerdem reiste ich nach Mailand, Schweden oder Polen für Werbekampagnen und ein Lookbook von Issey Miyake in Paris... Es gibt nicht weniger Arbeit“, sagte sie im Interview mit AFP. Aber der Job ist nicht mehr derselbe.

Verloren im Film

„Anfang März gibt es eine Modewoche? Ich hatte ja keine Ahnung“, scherzt Christelle wenige Tage vor der am Montag beginnenden Women's Ready-to-Wear-Woche in Paris, die wieder komplett virtuell stattfindet. Sie erinnert sich, wie die Modewochen früher das Leben der Models prägten. Vor der Modewoche im September, der wichtigsten, „fingen wir an, zum Sport zu gehen, früh zu schlafen, um in Form zu sein, wenn die Castings begannen”, so das Model. „Es ist wichtig, eine Show zu eröffnen oder zu schließen, es lässt den Wert der Models steigen. Manchmal sah man ein neues Gesicht in etwa 20 Shows, dann waren alle verrückt nach ihm. In den Filmen, die die Kollektionen jetzt zeigen, „kann man [das Gesicht] nicht erkennen“, fügt sie hinzu. „Selbst wenn ich ein Video mit einem Haus wie Hermès mache, weiß ich, dass ich darin verloren gehe.“

„Ich habe seit sechs Monaten nicht mehr gearbeitet“

Finanziell sei es auch weniger interessant: „Wir haben während der Fashion Week normalerweise mindestens 4.000 Euro verdient, manche sogar bis zu 50.000 Euro. Es war ein heiliger Moment“, erinnert sich Christelle Yambayisa an die Saison in den vier Modehauptstädten.

Für das in Istanbul lebende türkische Model Oyku Bastas, das in den letzten fünf Jahren die Fashion Weeks in Paris, Mailand, London und New York mitgemacht hat, ist die Gesundheitskrise „superhart“.

„Ich habe sechs Monate lang nichts verdient“, sagte sie gegenüber AFP. Früher verdiente sie 6.000 bis 7.000 Euro pro Modewoche, wovon sie leben und ihr Studium „drei Monate später“ fortsetzen konnte. „Ich war in der Türkei, alle Grenzen waren geschlossen, die Konsulate arbeiteten nicht mehr.“

Ihr amerikanisches Visum nutzend, arbeitet sie seit einem Monat in New York, wo sie Fotoshootings macht. „Es gibt nur eine Session pro Tag, und das auch nicht jeden Tag. Außerdem sind die Preise sind nicht die gleichen“, sagt Oyku. In Frankreich ist es schwierig für Models, für deren Beschäftigung die Beschreibung ‘Angestelltenverhältnis’ kaum anwendbar ist, Hilfe vom Staat zu bekommen“, bedauert Ekaterina Ozhiganova, ein Model und Gründerin der Vereinigung Model Law, die die Rechte von Models verteidigt.

Fünfzig befristete Verträge, die manchmal nur einen Tag dauern, sind nicht genug, um in die Arbeitslosenhilfe aufgenommen zu werden, und die Anzahl der Arbeitsstunden, die auf französischem Territorium geleistet werden müssen, um für die Beihilfe in Frage zu kommen, ist selbst für die aktivsten Models nicht erreichbar.

Die Modewelt ist geschrumpft

Sonst über-international, ist die Modewelt im Angesicht von Covid geschrumpft: „Als Französin hatte ich das Glück, in Paris zu sein und mit französischen Marken arbeiten zu können“, bevor sie in die Nachbarländer Italien oder Spanien reiste, sagte Cyrielle Lalande der AFP.

„Ich habe genauso viele Kunden, sogar ein paar neue. Da nicht alle Mädchen reisen können, suchen die Marken eher lokal. Der Modedesigner Julien Fournié musste für die Dreharbeiten zu seinem Film im Januar in Frankreich auf die letzte Minute Ersatz finden, da ein weißrussisches Model, das eigentlich gebucht war, nicht nach Paris reisen durfte, weil ihre Arbeit als „nicht essentiell“ erachtet wurde. Nur leider waren die Haute-Couture-Kleider auf ihre Maße angefertigt worden.

Das spanische Model Nieves Alvarez, Muse des französischen Modedesigners Stéphane Rolland, sagte im Januar gegenüber AFP, dass sie sich „privilegiert“ fühle, in seinem in Paris gedrehten Film mitzuwirken.

Christelle Yambayisa sagte, dass sie „viel mehr gearbeitet“ habe, “wie alle schwarzen Models in Paris" - aufgrund der Abwesenheit von schwarzen Models aus den Vereinigten Staaten oder England. Darüber freuen konnte sie sich nicht recht. „Die Teams sind französisch, in Paris sind alle Visagisten Franzosen, während es früher gemischt war, jeder konnte kommen und gehen.“

39 PCR-Tests

Da sie ohne Masken arbeiten, sind die Models besonders exponiert. Vier von ihnen erzählten AFP, dass sie sich während der Fashion Week im September in Paris eine Infektion mit dem Coronavirus eingefangen hätten.

Berührt werden sie von Visagisten, die Produkte oft mit den Händen auftragen, „die sie sicher nicht sterilisieren wie Chirurgen“, betont Ekaterina Ozhiganova. Die Protokolle sind seitdem strenger geworden, und in einigen Häusern ist nun ein PCR-Test, der höchstens 48 Stunden alt ist, für jeden vor dem Betreten des Sets erforderlich. Oyku macht zwei Tests pro Woche, Christelle ist bei 39 PCR-Tests. (AFP)

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.fr veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

Bild : Givenchy