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Von Bananen bis Fischschuppen: Die Jagd der Mode nach Öko-Materialien

Von AFP

17. Feb. 2022

Mode

Bild: Alena via Pexels

Turnschuhe aus Bananen- oder Ananasblättern, Kleider aus Brennnesseln oder Fischschuppen – die Suche nach nachhaltigen Materialien hat die Modeindustrie an einige ungewöhnliche Orte geführt.

Expert:innen warnen, dass diese neuen Textilien keine schnelle Lösung für die enormen Probleme der Modebranche – wie übermäßiger Verbrauch und Abfall – sind. Trotzdem stellen sie einen notwendigen Schritt zur Entwicklung besserer Technologien dar.

„Man könnte das Endprodukt essen", sagt Hannes Schönegger, Mitgründer von Bananatex. Das Unternehmen verwendete die Blätter philippinischer Bananenbäume zur Herstellung von Taschen, T-Shirts und einer Schuhkollektion für H&M im März 2021. Die Kollektion war innerhalb von zwei Stunden ausverkauft.

Schönegger referierte auf der Première Vision in Paris, bei der Fachleute aus der Branche zusammenkommen, um herauszufinden, welche Stoffe in den kommenden Saisons interessant sein werden. „Wir ernten nur die Seitenteile der Pflanzen, die bereits im Wald wachsen, so dass keine Chemikalien, Pestizide oder gar Wasser verwendet werden", fügte Schönegger hinzu. Er war einer von mehreren Ausstellern bei der Messe, die neue Materialien aus biologischem Anbau präsentierten.

Bild: Bananatex

Das brasilianische Unternehmen Nova Kaeru zeigte eine Lederalternative, die aus den Schuppen des riesigen Pirarucu-Fisches hergestellt wurde, sowie ein Material aus der tropischen Elefantenohrpflanze. Nicht weit entfernt stellte Ananas Anam Nike-Schuhe aus Ananasblättern vor.

Bild: Ananas Anam x Nike

Brennnessel ist angesagt

Obwohl diese alternativen Textilien momentan noch ein Nischendasein fristen, sind einige Unternehmen dazu entschlossen, sie für den Mainstream zu etablieren. Das spanische Unternehmen Pyratex bietet mehrere Möglichkeiten an – von der Wiederverwertung von Abfällen aus der Mais- und Zuckerrohr-Verarbeitung, bis hin zur Herstellung von Fasern aus isländischem Seegras, chinesischen Bambus oder österreichischem Holz. „Es geht nicht darum, Baumwolle durch eine einzige alternative Pflanze zu ersetzen. Es geht darum, eine breite Palette von Ersatzstoffen zu finden, um sicherzustellen, dass nichts überstrapaziert wird", so Sprecherin Pilar Tejada Lopez.

Eine Pflanze, die auf besonderes Interesse stößt, ist die Brennnessel. Aus ihr lässt sich ein seidenähnlicher und erstaunlich fester Stoff herstellen, der für Alltags- und Luxuskleidung verwendet werden kann. Lopez unterstreicht die Tatsache, dass viele dieser Technologien nicht neu sind. „Brennnesseln werden schon seit Jahrhunderten für Kleidung verwendet, aber wir haben es weitgehend vergessen", sagt Lopez. „Ein Teil unserer Arbeit besteht darin, diese Ideen, die verloren gegangen sind, wieder einzuführen".

Bild: Pixaby via Pexels

Natürliche Grenzen

Andere warnen davor, sich im Zuge des Strebens nach Nachhaltigkeit zu sehr auf neue Materialien zu verlassen. „Ersatzmaterialien haben keinen Sinn, wenn wir weiterhin die gleiche Menge an Kleidung herstellen", sagte Victoire Satto von The Good Goods, einem Medienunternehmen, das sich auf verantwortungsvolle Mode spezialisiert hat. Sie könnten das Problem sogar noch verschärfen, wenn sie in größerem Umfang eingesetzt werden, indem sie die weitere Abholzung von Wäldern fördern, um Platz für neue Modepflanzen zu schaffen, sagte sie. Aus diesem Grund weigern sich Unternehmen wie Bananatex, die Kapazitäten des natürlichen Anbaus zu überschreiten. „Unser Projekt ist Teil eines Wiederaufforstungs-Programms, eine gute Möglichkeit, die Böden zu revitalisieren und den Familien vor Ort Arbeit zu geben", so Schönegger. „Es gibt eine natürliche Grenze. Über diese werden wir nicht hinausgehen – denn das wäre schädlich."

Pyratex legt ebenfalls großen Wert auf die Zusammenarbeit mit verantwortungsbewussten Landwirten und vermeidet hochkomplexe Lieferketten, die es für Bekleidungsunternehmen schwierig machen, zu wissen, wer ihre Rohstoffe unter welchen Bedingungen anbaut.

Satto sagt aber auch, dass die Haltbarkeit von Materialien aus biologischem Anbau besser erforscht werden muss, da die Hälfte der ökologischen Schäden eines Kleidungsstücks mit seiner Entsorgung zusammenhängen. „Wenn das Produkt nur sechs Monate hält, ist das eine enorme Umweltbelastung", sagt sie.

Ifeanyi Okwuadi, ein preisgekrönter britischer Designer, sagt, er konzentriere sich darauf, wie die Kleidung hergestellt wird – und nicht darauf, woraus sie hergestellt wird. „Wenn ich von Nachhaltigkeit spreche, meine ich die Konstruktion – bis hin zur richtigen Stichlänge für jede Naht, denn dieses winzige Detail wirkt sich auf die Langlebigkeit des Kleidungsstücks aus, wenn man es in die Wäsche gibt", sagt er. Seiner Meinung nach befinden sich viele biobasierte Materialien noch in der Entwicklungsphase. „Im Moment gibt es eine Menge Schlagworte, die anlocken, aber irgendwann werden wir nicht mehr sagen müssen, dass es von Bananen oder was auch immer stammt – es werden einfach nur pflanzliche Fasern sein.”

Okwuadi fügt hinzu: „Ich verwende sie in meiner Arbeit nicht, weil die Technik im Moment noch recht primitiv ist. Aber ich sehe sie als eine Weiterentwicklung, wie bei jeder Technologie, und diese Innovationen brauchen wir". (AFP)

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