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Von eleganter Neutralität zu verspielter Kreativität – vier Womenswear-Trends für die HW23/24-Saison

Von Karenita Haalck

16. Juni 2022

Mode

Looks aus der HW22/23-Kollektion von Louis Vuitton, Chloé, Rochas und Louis Vuitton (von links nach rechts). Bilder: via Catwalkpictures

„Sollten wir entschleunigen oder beschleunigen?” war das Motto des Fashion Days des Deutschen Modeinsituts (DMI), bei dem vergangene Woche die Trends der HW23/34-Saison vorgestellt wurden. Diese Sinnfrage reflektiert die philosophischen Entwicklungen der letzten Jahre – nicht nur in der Modebranche.

Ruhe und Achtsamkeit, die zunächst zwangsläufig einkehrten, wurden zu Messfaktoren neuer Lebensstrukturen und Zukunftsvisionen. Modedesigner:innen und Labels füttern diese Entwicklung durch Looks, mit zeitloser Ästhetik – wie bei der Bottega Veneta HW22/23-Show, bei der die Models mit Klassikern wie weißen Tops und geraden Jeans eine elegante Neutralität präsentierten.

Dieser neu gewonnenen Entschleunigung begegnet ein Gegensatz: Tatendrang und Aufbruchstimmung. Dieser Kontrast spiegelt sich laut Carl Tillessen, der den DMI Fashion Day einleitete, auch in der Mode wieder. Einige Modeschöpfer:innen bedienen dieses Streben nach Veränderung durch eine spielerische Kreativität mit bunten Farbpaletten und Materialkombinationen.

FashionUnited hat die vier großen Trends der Damenmode für die HW23/24-Saison zusammengefasst.

Embrace Sobriety

Die Looks des ‘Embrace-Sobriety’-Trends kennzeichnen sich durch elegante und harmonische Elemente. Eine nüchterne Romantik, erzielt durch delikate Stoffe und fließende Silhouetten, bricht dabei mit der Strenge maßgeschneiderter Stücke und verleiht den Styles Sanftheit und Komfort. Überschnittene Schultern, asymmetrische Linien und lockeres Volumen verleihen der klassischen Garderobe außerdem eine Lässigkeit.

Looks aus der HW22/23-Kollektion von Louis Vuitton, The Row und Calcaterra (von links nach rechts). Bilder: Louis Vuitton, The Row, Calcaterra via Catwalkpictures

Haarige Strukturen, bei denen Zotteln und Webschlaufen für Dimension sorgen, werden um Fellimitate ergänzt. Als Kontrast zu den überwiegend matten Oberflächen bringen metallische Effekte, samtartige Strukturen und seidige Materialien Glanz in die Looks.

Looks aus der HW22/23-Kollektion von Christian Dior und Alberta Ferretti (von links nach rechts). Bilder: Christian Dior, Alberta Ferretti via Catwalkpictures

Trotz der Neutralität der Farben sticht immer wieder die Kombination warmer und kalter Untertöne heraus. Die Farbpaletten der Saison HW23/24 werden mit subtiler Farbigkeit ergänzt – gräuliches Grün aber auch pudriges Rosa sind in einigen Looks zu finden. Außerdem hält Grau Einzug auf den Laufstegen und zeigt sich durch strukturierte Haptiken und Farbverläufe von einer neuen Seite.

Second Nature

Der Neutralität der Mode steht eine naturverbundene Vagabunden-Ästhetik gegenüber. In Kombination mit Elementen aus der Funktions- und Outerwear-Mode ergibt sich ein Look, der Willkür und Weltgewandtheit ausstrahlt. Die Hybrid-Optik, bei der verschiedene Stilrichtungen, Materialien und Farben gemischt werden, bleibt dabei jedoch stets modern.

Looks aus der HW22/23-Kollektion von Chloé, Etro und Dsquared2 (von links nach rechts). Bilder:Chloé, Etro und Dsquared via Catwalkpictures

Lagenlooks aus verschiedenen Strickteilen mit ungewöhnlichen Mustern, lockeren Röcken und Hosen, sowie auffallenden Accessoires schaffen einen Folklore-Look. Blumen sind in dieser Stilrichtung ein wiederkehrendes Motiv, dass die Naturverbundenheit bildlich betont, aber auch Patchwork-Muster und Tierprints sind zahlreich vertreten.

Looks aus der HW22/23-Kollektion von Daniela Gregis und Miu Miu (von links nach rechts). Bilder: Daniela Gregis, Miu Miu via Catwalkpictures

Schutzkleidung, wie schwere Stiefel, Handschuhe oder Regenmäntel, die an den Gorpcore-Trend angelehnt sind, liefern dieser Art des Kleidens den letzten abenteuerlichen Schliff. Der Farbpalette sind keine Grenzen gesetzt – warme Naturfarben tauchen aber immer wieder auf, auch in kräftigen Abstufungen von Ocker und Kupfer. Moosige Grüntöne und Blau, das an die Farbnuancen des Ozeans erinnert, runden die Looks ab. Zusätzlich dienen ‘Recycled Brights’ als Akzente – starke Farben, denen ein mattierender Schleier aufliegt, wie verwaschenes Pink, Orange und Mustard.

Artificial Elegance

Bei ‘Artifical Elegance’ fließen Inspirationen aus Zukunft und Vergangenheit ineinander. Die Looks erscheinen wie aus fernen Universen und bestechen durch ein Anderssein, das kühlen, selbstbewussten Glamour ausstrahlt. Lebhafte Kontraste und verzerrte Formen tragen zu einer extravaganten Formensprache bei.

Looks aus der HW22/23-Kollektion von Rochas, Acne Studios und Dolce & Gabbana (von links nach rechts). Bilder: Rochas, Acne Studios, Dolce & Gabbana via Catwalkpictures

Ein besonders effektvolles Stilmittel zur Erzeugung dieser Looks sind schillernde, strukturierte Stoffe, die Bewegung in die eher steifen Silhouetten bringen. Irisierender Samt, Pailletten und Vinyl sorgen für ein mysteriösen Auftritt. Hochgeschnittene Kragen, Balaclavas und futuristische Brillen verstärken den geheimnisvollen Look.

Corsagen mit skulpturalen Details verleihen den Entwürfen einen kämpferischen, feministischen Touch, während der Einsatz von Aussparungen und Cut-Outs die natürlichen Linien des Körpers frei legt. Farbiges Leder und Vinyl, sowie Schwarz kreieren eine Härte, während chromatisches Silber und kosmisch-schimmernde Materialkombinationen einen extraterrestrischen Touch mit sich bringen.

Looks aus der HW22/23-Kollektion von Acne Studios, Balmain und LaQuanSmith (von links nach rechts). Bilder: Acne Studios, Balmain, LaQuanSmith via Catwalkpictures

Kühle Grau-, Blau- und Violettöne drücken den Blick ins Ungewisse aus, während Rotschattierungen für Intensität und Eleganz sorgen. Das Kombinieren von Pink und Lila schafft eine Brücke zwischen den Blau- und Rottönen. Türkis- und Petrolnuancen setzen zusätzliche farbige Akzente.

Break Patterns

Die spielerische Kreativität, die sich bei den Trends ‘Artifical Elegance’ und ‘Second Nature’ andeutet, erreicht bei dem ‘Break Patterns-’Trend eine neue Dimension. Überraschende Kombinationen und grafische Elemente bringen eine sportliche Komponente in die Looks, während mit wilden Musterkombinationen jegliche Regeln gebrochen werden.

Elemente wie Streifen und Schriftzüge, wie sie von College-Sportswear bekannt sind, hauchen dem Trend Retro-Charakter ein. Details, die an Trainingsanzüge erinnern, wie farblich unterlegte Reißverschlüsse und Stehkragen verstärken die athletische Ästhetik.

Looks aus den HW22/23-Kollektionen von Kenzo, Annakiki und Louis Vuitton (von links nach rechts). Bilder: Kenzo, Annakiki, Louis Vuitton via Catwalkpictures

Unerwartete, aber kuratierte Mustermixe fordern das Auge heraus. Colorblocking bringt dabei Ruhe in einige Looks. Manche Outfits wirken aber auch “wie aus einem Guss” kreiert. Die Muster finden sich in verschiedenen Abwandlungen in einem Outfit wieder. Farbbrüche werden durch Accessoires wie Gürtel oder monochrome Bündchen gebildet.

Looks aus der HW22/23-Kollektion von Paul Smith und Versace (von links nach rechts). Bilder: Paul Smith/ Versace via Catwalkpictures

Comicartige Drucke auf T-Shirts und Sweatware ergänzen die Kreativität mit einer kindlichen Unbefangenheit.

Looks aus den HW22/23-Kollektionen von Louis Vuitton, Molly Goddard und Dolce & Gabbana (von links nach rechts). Bilder: Louis Vuitton, Molly Goddard, Dolce & Gabbana via Catwalkpictures

In der Farbgestaltung der Looks geht es um die Kombination von lauten und leisen Farben – kräftiges Türkis wird in dunkelblaue Untergründe eingebunden, helles Pink mit moosigem Grün kombiniert und fluoreszierendes Orange mit Weiß ausgeglichen. Dadurch wird ein Gleichgewicht in die polarisierende Kontraste gebracht.

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