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Warum die Modedesign-Ausbildung für das Metaverse wichtig ist

Von Gastautor

7. Dez. 2021

Mode

Foto: Digitale Kleidungsstücke von Laura Kacher und Stella Achenbach für Alterrage

Bereits 1964 kündigte Arthur Clarke, Wissenschaftsautor und Futurist, „die Erfindung, die alle Erfindungen beenden wird“ an. Er nannte sie „den Replikator“, eine Vervielfältigungsmaschine, die jederzeit Kopien von allem erstellen kann: „Mit einem solchen Gerät konfrontiert, wird die Gesellschaft wahrscheinlich in einer Art gefräßiger Barbarei versinken, weil jeder unbegrenzte Mengen von allem haben will, da nichts mehr etwas kostet“, warnte Clarke.

Heute, sechzig Jahre später, sind Replikatoren die Norm. Im physischen Bereich gibt es 3D-Drucker, die Gegenstände aus digitalen Dateien nachbilden, und Fast Fashion, die billige Kopien im großen Stil herstellt. Am nächsten kommt Clarkes Replikator heute aber vielleicht das digitale Design. Im digitalen Raum können Gegenstände perfekte Kopien jedes physischen Gegenstands sein. Diese Gegenstände bevölkern ein virtuelles Universum, in dem es keine physischen oder kreativen Grenzen gibt, denn wie Clarke schon prophezeite: „Die Zukunft ist nicht nur eine Erweiterung der Gegenwart“.

Neue digitale Technologien erweitern unsere Möglichkeiten in einer Weise, die wir uns bisher nicht vorstellen konnten. Das Metaversum, dezentralisierte Transaktionen wie Blockchain und insbesondere NFTs sowie der Aufstieg des Web3 verändern das Internet und damit unsere Welt aus kreativer, sozialer und geschäftlicher Sicht. Wie sollten wir in diesem Szenario Modeschaffende für einen zukünftigen Arbeitsplatz im Metaversum ausbilden? Wir haben diese und weitere Fragen an fünf wichtige Personen gestellt, die künftige Generationen ausbilden.

ÜBER
Dieser Artikel ist eine Zusammenarbeit zwischen der Digital Fashion Group Academy und FashionUnited, verfasst von Dr. Lívia Pinent, Digital Professor for Research an der Digital Fashion Group Academy.

Digitaler Wandel wird von den Modeschulen vorangetrieben

„Wenn man 17 oder 18 Jahre alt ist, weiß man nicht sehr viel über die Modeindustrie. Man hat ein paar Ideen, ein paar Gedanken, aber man erwartet, dass man von der akademischen Welt und von dem, was der Studiengang anbietet, eingeführt wird“, so Jules Dagonet, Schulleiterin, Fashion & Textiles an der UCA (University for the Creative Arts) in London. Studierende im Grundstudium suchen nach Orientierung, wenn sie zum ersten Mal die Modeschule betreten, und die Bildungseinrichtungen sollten darauf vorbereitet sein und ihnen alle Möglichkeiten und Alternativen für eine Modekarriere aufzeigen.

Für Dagonet sind diese Studierenden zwar begierig darauf, die digitale Mode kennenzulernen, aber sie treiben den Wandel nicht voran. Nicht so sehr wie die Nachhaltigkeit, „die für sie an erster Stelle steht“, fügt sie hinzu. „Es liegt in der Verantwortung der Bildungseinrichtungen, im Bereich der digitalen Mode führend und innovativ zu sein und die Studierenden mit ins Boot zu holen.“

Aber wie können Modeschulen die Innovation anführen? Für Dagonet liegt die Antwort in der Bildung: „Wir dürfen nicht nur darüber reden, wir müssen es auch tun. Nicht jeder Mitarbeitende weiß über CLO3D, Adobe Substance und all die neuen Programme Bescheid, die herausgebracht werden, um die digitale Mode zum Leben zu erwecken. Es liegt also in unserer Verantwortung als Bildungsinstitut, alle unsere Mitarbeitenden weiterzubilden."

Digitales Modedesign als Mentalität lehren

„Die Digitalisierung muss von Anfang an in den Lehrplan der Modebranche aufgenommen werden“, betont Leslie Holden, Mitbegründer von The Digital Fashion Group, „aber wo soll man anfangen? Wie kann man einen Lehrplan erstellen, der die Digitalisierung einbezieht? Wie kann man die Qualität, die Anzahl der Studierenden, neue Methoden, neue Fähigkeiten, neue Zusammenarbeit und einen neuen Lehrplan mit einem Team sicherstellen, das vielleicht wenig oder gar keine digitalen Fähigkeiten hat? Es ist wichtig, zuerst die Mentalität zu verstehen, die Fähigkeiten kommen danach.“

Die digitale Denkweise bringt neue Geschäftsmodelle und Rollen mit sich, die von Modeschaffenden erforscht werden müssen. Holden meint: „Wir müssen Lehrkräfte ausbilden, damit sie den Studierenden beibringen können, wie sie mit der richtigen digitalen Denkweise zu digitalen Unternehmer:innen werden.“ Und er wirft eine weitere Frage auf: „Sollten wir weiterhin so viele Modeschaffende für ein altes Geschäftsmodell ausbilden, wo doch heutzutage die Beschäftigungsfähigkeit ein wichtiger Leistungsmaßstab für die Modeausbildung ist?“

Wie Sean Chiles, Mitbegründer der Digital Fashion Group, betont, hat die akademische Welt in den letzten 30 Jahren begonnen, sich auf die Beschäftigungsfähigkeit der Studierenden zu konzentrieren und sich von einem künstlerischen und forschungsorientierten Ansatz auf geschäftliche Anforderungen zu konzentrieren. Dies hängt mit der Finanzierung durch die Regierung und ihren wichtigsten Leistungskennzahlen für die Schaffung von Arbeitsplätzen in jedem Land zusammen.

Für Shannon Sim, Dozentin an der Modeschule des Lasalle College of the Arts in Singapur, „muss das alte Format der industriellen Revolution in der Modeausbildung verschwinden, ob es uns gefällt oder nicht. Die Studierenden sitzen in einem Klassenzimmer, der oder die Dozierende sitzt vorne und gibt die Informationen weiter, von denen er oder sie glaubt, dass die Studierenden sie lernen müssen. Diese hören zu und lernen sie, ohne sie zu hinterfragen. Das muss sich ändern.“

Wie Chiles sagt, sind „Bildung und Ausbildung zwei verschiedene Dinge“. Schulen sollten über die Erfüllung der Anforderungen des Arbeitsmarktes hinausgehen, denn bei der Ausbildung geht es darum, „was man sehen will, wer man sein will, was man tun will. Für Modeschaffende geht es darum, in der eigenen Psyche zu gestalten, mit dem, was man empfindet. Und dann knüpfen wir mit Design und sozialer Interaktion an den Zeitgeist an“, so Chiles. „Es lässt sich sehr schnell lernen, wie man einen Schnitt erstellt. Was man lernen muss, ist, wie das mit der Person und der Gesellschaft zusammenhängt."

Digitales Modedesign und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit

Bei der Diskussion über die Überschneidungen von Mode und Technologie ist es wichtig, die sozialen Auswirkungen dessen, was wir schaffen, zu verstehen, da wir es mit neuen und wenig erforschten virtuellen Umgebungen wie dem Metaverse zu tun haben. Chiles fügt hinzu: „Das Metaverse muss sich mit Design und Kreativität aus der Sicht des Kreativen und nicht des Technischen befassen. Wir müssen verstehen, wie Menschen kreativ sind und wie wir unsere Ideen in diese neue Welt einbringen können. Und um dies zu erreichen, ist Zusammenarbeit der Schlüssel.“

Nach Ansicht von Maya Georgieva, Direktorin des Education Futures/XReality Center an der New School in New York, sollte der Aufbau dieser neuen Räume multidisziplinär sein. „Wir sollten unsere Studierenden auffordern, wie Architekt:innen und Gestaltende dieser virtuellen Räume und Welten zu denken und zu verstehen, wie man baut, wenn man weiß, was die Menschen dorthin bringt und warum sie sich dorthin begeben. Wir sollten unsere Studierenden ermutigen, unternehmerisch zu denken und zu handeln“, so Georgieva.

Und Sim fügt hinzu: „So wie das Gaming die Modewelt verändert, könnte sich das gleiche Potenzial auch für die Bildung ergeben. Wir können alle in diese Forschungsbereiche eintauchen und eng mit Forschenden aus verschiedenen Disziplinen und Branchen zusammenarbeiten, um eine kollaborative Zukunft für die Modeausbildung zu gestalten."

Dieser Artikel basiert auf dem Live-Webinar „Fashion Education in the Metaverse: building the curriculum of the future“, das von TDFGA in Zusammenarbeit mit Parsons N Ventures veranstaltet wurde. Sehen Sie sich hier einen Ausschnitt der Diskussion an

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.uk veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ.