Was können wir von Hedi Slimane bei Céline erwarten?

Am Wochenende verbreitete sich die Nachricht, dass Hedi Slimane, der ehemalige Kreativdirektor von Saint Laurent Paris, die Zügel des LVMH-eigenen Modehaus Céline übernehmen würde, wie ein Lauffeuer. Der Designer soll dort zusätzlich eine Herrenlinie sowie Couture und Parfum einführen.

Bereits ab dem 1. Februar soll Slimane die Position von Phoebe Philo übernehmen, die bereits vor Weihnachten ankündigte, dass sie die französische Marke nach der Herbst/Winter 2018-Kollektion, die im März in Paris präsentiert wird, verlassen werde. Als Artistic-, Creative- und Image-Director bei Céline wird Slimane die vollständige Kontrolle über die kreative Seite der Marke übernehmen und auch alle neuen Markeneinführungen und Storedesigns überwachen.

Der Vorsitzende von LVMH, Bernard Arnault, sagte: „Ich freue mich besonders, dass Hedi wieder in für LVMH-Gruppe tätig sein wird und die Leitung des Hauses Céline übernommen hat. Er ist einer der talentiertesten Designer unserer Zeit. Ich war ein großer Bewunderer seiner Arbeit seit wir bei Dior Homme zusammengearbeitet haben, die Linie, die er in den 2000er Jahren zu internationaler Bekanntheit geführt hat.“

„Seine Ankunft bei Céline verstärkt die großen Ambitionen, die LVMH mit dem Haus hegt. Hedi wird alle kreativen Aufgaben für Damen- und Herrenmode, aber auch für Lederwaren, Accessoires und Düfte übernehmen und weiterentwickeln. Er wird seine globale Vision und einzigartige ästhetische Virtuosität wirksam einsetzen, um ein ikonisches französisches Maison weiter auszubauen. „

Céline ernennt Hedi Slimane als Artistic, Creative und Image Director

Mit diesem Schritt kehrt Slimane zur LVMH-Familie zurück, deren Teil er von 2000 bis 2007 bereits einmal war. Damals zeichnete er als Designer der Luxusgruppe für Dior Homme verantwortlich, wo er eigenhändig den dekadenprägenden super schmal geschnittenen, komplett schwarzen Look in der Männermode einführte. Er wird auch wieder mit Sidney Toledano zusammenarbeiten, der Dior durch seine globale Expansion geführt hat und nun das Markenportfolio der LVMH Fashion Group überwacht.

Toledano sagte dazu: „Hedi Slimane ist ein außergewöhnlicher Designer, ein Künstler, der Leidenschaft für seine Arbeit mitbringt. Ich bin mir sicher, dass er mit seiner einzigartigen kreativen Energie und Disziplin Céline zu noch größerem Erfolg verhelfen wird.“

Zuvor hatte es viele Spekulationen darüber gegeben, wo Slimane nach dem Ende seiner Tätigkeit für Saint Laurent Paris im April 2016 landen würde. Damals hatten Meinungsverschiedenheiten mit François Henri Pinault, dem Vorsitzenden von Kering, dem Yves Saint Laurent gehört, zum Ende seiner Anstellung geführt.

Anscheinend hat LVMH fast zwei Jahre gebraucht, um Slimane dazu zu bewegen, einen Vertrag zu unterschreiben. Möglicherweise war es die Herausforderung, Céline über Womenswear hinaus zu erweitern, die ihn zur Zustimmung bewog. Slimane ist bekannt für seine transformativen Fähigkeiten: Bei Saint Laurent stiegen die Umsätze während seiner dreijährigen Beschäftigung dort eindrucksvoll. Die Hoffnungen, die nun ihn ihn gesetzt werden, das Haus Cèline nach dem Weggang der von ihrer Anhängerschaft stark verehrten Phoebe Philo weiter auszubauen, sind keine leicht zu schulternden. Die britische Designerin hatte das Label in den letzten zehn Jahren zu einem Must-Have transformiert.

Philo und ihre minimalistischen, androgynen Entwürfe hatten Céline zu einem Label für Mode-Redakteurinnen und -Kundinnen gemacht, die auf der Suche nach Menswear-inspirierten Kleidungsstücken und zurückhaltenden It-Bags - wie der sehr erfolgreichen Trapeze Bag - waren. Philo erarbeitete dem Label einen Ruf von erwachsener Mode für intellektuelle Frauen. So wird die nun vor dem Label liegende Zeit insbesondere deshalb eine spannende, weil sich die Frage stellt, wie die Kernkundschaft auf Slimanes grungy Rock'n'Roll Vibe reagieren wird, den er bei Saint Laurent Paris zwar mit großem Erfolg einführte, aber auch einige langjährige Kundinnen damit verprellte.

Wenn es um Herrenmode geht, hat Slimane einen Vorteil auf seiner Seite: Philos Kollektionen hatten bereits seit Längerem Interesse in Sachen Herrenmode erregt. Ihre Designs waren so beliebt, dass Männer oft ihre weit geschnittenen Shirts kauften, auch wenn Sie eigentlich aus der Damenlinie stammten. Es wird daher interessant sein zu sehen, ob die Marke ihre Low-Key-Androgynität auch im Menswear-Bereich fortsetzt. Dabei scheint es auf der Hand zu liegen, dass eine Céline-Menswear-Kollektion nicht ohne weite Hosenbeine, tragbare Basics, makellos geschnittene, lässige Anzüge und Lederaccessoires auskommen dürfte.

Was können wir von Hedi Slimane bei Céline erwarten?

Céline erweitert das Angebot um Herrenmode, Couture und Düfte

Die Erweiterung der Marke um Herrenmode, Couture und Parfums ist ein bedeutender Wendepunkt für das französische Modehaus, das in diesen Bereichen mit Kultmarken wie Chanel und Dior konkurrieren wird. LVMH attestiert Hedi Slimane, dass er die richtige Person für diesen Übergang sei: „Seine bemerkenswerte Fähigkeit, die Entwicklungen und Wünsche seiner Zeit auf einzigartige Weise zu antizipieren und auszudrücken, wird eine weitere Ära des außergewöhnlichen Wachstums und der Entwicklung dieses berühmten Hauses gewährleisten", konstatierte LVMH in einer Presseerklärung.

Slimane fügte hinzu: „Ich freue mich, mit Bernard Arnault an dieser umfassenden und faszinierenden Mission für Céline zu arbeiten. Ich freue mich darauf, in die aufregende Welt der Mode und dynamische Arbeitsweise eines Ateliers zurückzukehren.“

Noch müssen sich Branche und Fans bis September gedulden, um zu sehen, was Slimanes Vision für Céline sein wird. Die erste Kollektion zeigt er dann in einer gemeinsamen Männer- und Frauenkollektion. Slimane wird weiterhin in Los Angeles ansässig sein und mit dem Londoner Studio sowie dem Pariser Atelier zusammenarbeiten.

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.uk veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

Bilder: Dior; Credit: Pierre Verdy / AFP; Saint Laurent: Hendrik Ballhausen / DPA / AFP; Portrait Credit: LVMH website, © Y.R.

 

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