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Wasserknappheit: Warum man manche Kleidung nicht waschen muss

Von Marthe Stroom

11. Aug. 2022

Mode

Bild: Bianca Saunders SS23

Die Medien sind derzeit voll von Meldungen zur Wasserknappheit. Die niederländischen Wasserstände etwa sind auf dem niedrigsten Stand seit zwanzig Jahren, was bedeutet, dass offiziell eine nationale Wasserknappheit ausgerufen wurde. Auch in Deutschland ist das Thema Wasser ein wichtiges und die Bundesregierung will bis Ende des Jahres eine Nationale Wasserstrategie verabschieden, um die Trinkwasserversorgung trotz der Auswirkungen des Klimawandels langfristig sicherzustellen.

Angesichts der Aufforderungen vieler Regierungen, sparsamer mit Wasser umzugehen, um die Wasserknappheit einzudämmen, gibt es verschiedene Ansätze, wie dies erreicht werden könnte. Diese reichem von traditionellen Methoden, wie zum Beispiel den Garten weniger zu bewässern oder kürzer zu duschen, bis hin zu innovativen Methoden wie dem Spülen mit Regenwasser.

Aber wie können Menschen durch die Wahl ihrer Kleidung Wasser sparen? Manche Kleidungsstücke müssen viel weniger (oder manchmal sogar gar nicht) gewaschen werden, und das macht einen Unterschied. Nach Angaben der niederländischen Regierung würde zum Beispiel ein Waschgang weniger pro Woche rund 200 Liter Wasser pro Monat einsparen. Außerdem trägt das seltenere Waschen der Kleidung dazu bei, die Qualität der Kleidungsstücke zu erhalten.

Dann ist es natürlich eine gute Idee, während einer Dürreperiode hauptsächlich Kleidung zu tragen, die weniger gewaschen werden muss. Denim und Wolle zum Beispiel müssen kaum oder gar nicht gewaschen werden. Aber was hat es damit auf sich, bleiben diese Stoffe wirklich sauber? FashionUnited hat es herausgefunden.

Denim: „Waschen zur Formerhaltung nicht mehr notwendig“

Maarten Wols vom Groninger Denim-Shop Ebb18 erklärte FashionUnited, wie oft man seine Jeans wirklich waschen sollte. „Wir unterscheiden eigentlich zwischen zwei Arten von Jeans: Zum einen gibt es den „normalen“ Denim und zum anderen Denim aus dem japanischen Material Selvedge. Man kauft eine ungewaschene Hose mit der Absicht, sie ungewaschen zu lassen, damit sie sich der eigenen Bewegung anpassen kann.

Will man die Selvedge-Jeans später doch noch waschen, kann man dies durchaus tun, es empfiehlt sich aber, sie zumindest für die ersten hundert Mal Tragen ungewaschen zu lassen. „Man muss sich gut überlegen, wann man eine solche Hose wäscht, denn sie wird die Farbe behalten, die sie nach der ersten Wäsche bekommt“, so Wols.

Übrigens wird die Hose nicht weniger schnell schmutzig als andere Denimarten. Aber laut Wols muss Jeansstoff nicht so oft gewaschen werden, wie wir es heute ohnehin tun. In der Vergangenheit wurden die Hosen oft aus reiner Baumwolle hergestellt. „Wenn man solche Hosen nicht waschen würde, würden sie auslaugen. Durch eine Wäsche wurde die Form des Artikels wiederhergestellt. Diese Geschichte ist tatsächlich hängen geblieben und hat sich zu einer Gewohnheit entwickelt“, erklärt Wols.

Inzwischen werden viele Jeanshosen mit Elastan für eine leichte Dehnung verkauft, wobei eine Wäsche auch die Form wieder herstellen kann. „Viele Träger:innen wissen jedoch nicht, dass modernes Elastan nach ein oder zwei Tagen des Nichttragens wieder seine ursprüngliche Form annimmt. Das bedeutet, dass das Waschen in der Maschine nicht mehr notwendig ist, oder zumindest nicht so häufig.“

Wolle: Selbstreinigende Fasern erledigen die Arbeit

Artikel aus Wolle müssen aufgrund der Selbstreinigungskraft der Wollfasern nur wenig bis gar nicht gewaschen werden. Der genaue Prozess, der die Selbstreinigung auslöst, wird auf den Websites vieler Wollhersteller und Bekleidungsmarken erläutert. Die auf Wolle spezialisierte Bekleidungsmarke Woolpower zum Beispiel schreibt auf ihrer Website: „Die Fähigkeit von Wollfasern, unangenehme Gerüche zu absorbieren und zu neutralisieren, ist anderen Textilmaterialien weit überlegen. Wollfasern haben die Fähigkeit, schlecht riechende Bakterien, die von der Haut stammen können, auf natürliche Weise abzubauen.“

Angaben der Marke zufolge besteht der Kern der Wollfaser aus zwei Arten von Zellen, die unterschiedliche Mengen an Feuchtigkeit aufnehmen. „Der eine Typ quillt stärker auf als der andere, wodurch eine ständige Reibung zwischen den beiden entsteht. Diese Eigenschaft bewirkt einen mechanischen Selbstreinigungseffekt. Die Feuchtigkeit auf der Oberfläche eines Textils fördert das Wachstum von Bakterien, während die Außenseite der Wollfaser relativ trocken bleibt. Die Oberfläche der Wollfasern ist wasserabweisend, was das Wachstum von Bakterien und den daraus resultierenden schlechten Geruch verhindert.“

Wer sein Kleidungsstück aus Wolle auffrischen möchte, kann es - vor allem in Zeiten der Trockenheit - einfach eine Weile zum Lüften aufhängen.

Natürlich ist es vor allem bei dem derzeit heißem Wetter nicht unbedingt möglich, die nächsten Tage in ungewaschener Wolle und Jeans zu verbringen. Wenn Waschen notwendig ist, kann laut Milieucentraal eine einfache Erinnerung, die weniger technische Erklärungen als die oben genannten erfordert, den Unterschied ausmachen: nur volle Ladungen waschen.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf FashionUnited.nl. Übersetzt und bearbeitet von Simone Preuss.

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