Wie die neuen Acetatbrillenanbieter den Markt aufrüttelten

Brille ist nicht gleich Brille. Wie bei jedem anderen Produkt in der Mode gibt es ein ganzes Spektrum von niedrigpreisig bis Luxus, von der Basis bis zur Couture, von der Massenware bis zur Handarbeit. Acetat bleibt das beliebteste Material für Brillenrahmen. Es wird überall eingesetzt: Für nur 25 Euro für ein minimalistisches Stück vom niederländischen E-Commerce-Startup Charlie Temple genauso wie in Luxusoptionen wie einem Schildpatt-Acetat und einem vergoldeten Paar der Luxusmarke Cartier mit einem Preis von rund 900 Pfund.

Vor fünf Jahren wurde der Brillenmarkt von einer neuen Art von Brillen Start-ups auf den Kopf gestellt, die die großen Luxusunternehmen mit kostengünstigen, hochwertigen Alternativen herausforderten, den Rezept- und Optik-Markt ins Internet verlagern und Wert und Service neu definieren. Dies leitetet das Ende einer Ära von muffigen Optikern, überteuerten Korrektionsbrillen und langweiligem Brilleneinzelhandel ein.

Wo einst preiswerte Brillen das Stigma trugen, ebenso billig verarbeitet zu sein und zu wirken, führte diese Welle neuer Marken dazu, dass erschwingliche Brillen mit einem hohen Attraktivitätsfaktor verkauft wurden. In den USA debütierten Unternehmen wie Warby Parker und Privé Revaux Eyewear Designer-Brillen ab 29 Dollar für eine Fassung. In Europa revolutionierten Unternehmen wie Ace und Tate und Viu den modernen Brillenmarkt als Anbieter von Modebrillen für den Preis von etwa 100 Euro. Ihre visuell ansprechenden Kampagnen sind geschickt auf Millennials ausgerichtet und umfassen Codes von Individualität und Inklusivität, die bei dieser Generation einen Nerv treffen. Die Ära des Besitzes einer Brillengarderobe wurde eingeleitet.

Preisfokus

Polette, ein französisches Startup, das 2011 gegründet wurde, geht so weit, Brillen und Rezepte zu einem überaus günstigen Preis von 14,98 Euro anzubieten. Das Unternehmen hat eine aggressive Marketingkampagne gestartet, die Slogans wie "Stop getting f*cked by the optical industry" verwendet und Käufer von Luxusbrillen "dumm" nennt, weil sie höhere Preise zahlen.

Bekommen Sie, wofür Sie bezahlen?

Während Acetatrahmen in der Regel kostengünstig herzustellen sind, werden nicht alle Celluloseacetate gleich hergestellt. Je höher die Qualität, desto besser der Glanz und die Transparenz. Die Preisstufen basieren aber nicht nur auf den verwendeten Materialien, und es ist schwierig, den Preis für außergewöhnliches Design zu quantifizieren.

Während Unternehmen wie Polette Wert darauf legen, den Erschwinglichkeitsaspekt ihrer Produkte zu bewerben, sind der Designfaktor und der Detaillierungsgrad ihrer Kollektionen nicht unbedingt mit High-End-Playern zu vergleichen, deren Produkte auf Handwerk und Innovation basieren. Auf Produktebene ist ein Unterschied zwischen einer Brille, die billig produziert wurde, und einer Brille am oberen Ende des Spektrums erkennbar, wenn Details, Innovation und teurere Materialien ins Spiel kommen. Der direkte Vergleich eines preiswerten Baumwoll-T-Shirts von H&M mit einem T-Shirt von Louis Vuitton sollte deutliche qualitative Unterschiede aufweisen.

Ja, es stimmt, der Brillenmarkt wurde durch diese neuen Direktvertriebsmarken aufgerüttelt, indem sie eine transparentere Preisgestaltung einführten und die Abschaffung überteuerter Verschreibungsmodelle forderten. Dennoch ist es beleidigend und ungerechtfertigt, potenzielle Kunden für den Kauf einer Luxusmarke als "dumm" zu bezeichnen. Auf der Suche nach Exklusivität sind nicht alle Käufer auf dem Markt auf der Suche nach dem niedrigsten Preis.

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.uk veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

Photo by FashionUnited

 

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