Wie die Sowjet-Ästhetik einen internationalen Trend prägt

Ein nostalgischer Trend, ursprünglich von Designern in der UdSSR geschaffen, wird in der Modeindustrie immer beliebter. Sowjetische Looks, wenngleich im Massenmarkt beliebt, kommen aber nicht überall gut an. Ein politischer Skandal entstand beispielsweise in der Ukraine und in Litauen, nachdem Adidas eine Kollektion mit Symbolen der UdSSR herausgebracht hatte.

Adidas zog schließlich die sowjetisch inspirierten Sportswear-Produkte aus den beschwerdeführenden Ländern zurück, nachdem das Ukrainische Institut für Nationale Erinnerung die Kollektion als "Verletzung der moralischen Normen" bezeichnet hatte. In Litauen äußerte sich das Außenministerium insbesondere besorgt über Kleidungsstücke in der Kollektion mit dem Wappen der UdSSR und beschuldigte die Marke "bösartiger Nostalgie für die Sowjetunion". Der Sportartikelhersteller verkaufte die sowjetische Kollektion jedoch weiterhin in seinem Heimatmarkt Deutschland.

Die Kleidungsstücke, die die litauischen Diplomaten besonders empörten, gehören zur Adidas-Kollektion, die der Fußballweltmeisterschaft gewidmet ist, welche vom 14. Juni bis zum 15. Juli in Russland stattfindet. Das Design der Stücke wurde von der Sportbekleidung der UdSSR Ende der 1980er Jahre inspiriert.

Wie die Sowjet-Ästhetik einen internationalen Trend prägt

Neben der Weltcup-Kollektion lancierte Adidas auch Retro-Sneakers mit dem Schriftzug "Moskva". Das Vintage-Design mit mehrfarbigen Streifen ist seit dem am 19. Mai erhältlich. Darüber hinaus präsentierte die deutsche Marke ein Paar Torwarthandschuhe, die dem sowjetischen Torhüter Lev Yashin gewidmet sind und an das 55-jähriges Jubiläum des Tages erinnern, an dem er mit dem Ballon d'Or Preis ausgezeichnet wurde. Die Handschuhe in Schwarz und Orange sind mit den Initialen Yashins, seiner Trikotnummer und der Inschrift des Balloon D’Or 1963 versehen.

Adidas ist aber nicht die einzige Marke, die auf den sowjetischen Look setzt. Umbro lancierte vor Kurzem eine Capsule-Kollektion, die vom ursprünglichen Design der Marke für die Fußballuniform der UdSSR 1966 inspiriert wurde. In diesem Jahr gestaltete Umbro die Uniformen aller 16 Mannschaften, die an der Weltmeisterschaft in Großbritannien teilnahmen. Das Team der UdSSR weigerte sich jedoch, mit dem britischen Hersteller zusammenzuarbeiten, und sie wurden nie getragen.

Wie die Sowjet-Ästhetik einen internationalen Trend prägt

Heute, 52 Jahre später, zeigt Umbros "Unforgotten"-Kapselkollektion, wie die UdSSR-Uniform 1966 ausgesehen hätte. Das Design der neuen Kollektion wurde von einer postsowjetischen Ästhetik inspiriert, die typische Schriftarten und Designs wie jene von Gosha Rubchinskiy und Demna Gvasalia enthält. Umbro wird auch eine separate Kapsel für Yashin herausbringen, mit Stücken in Schwarz - ein Thema, das von seinem Spitznamen "Black Spider" hergeleitet ist.

Der Sowjet-Look inspiriert die globale Modebranche seit Jahren

Westliche Konsumenten scheinen sich an dem sowjetischen Stil nicht zu stören. Als Trend in der globalen Modeindustrie ist er seit einigen Jahren zu sehen und gerade die Kollektionen von Gosha Rubchinskiy kommen sehr gut an. In der Vergangenheit hat der Designer mit Adidas zusammengearbeitet, um eine Kollektion Jogginghosen zu kreieren, die in Socken und Sweatshirts mit den Aufdrucken "Ready for Labor and Defense" und "Sport" stecken.

In kyrillischer Schrift gedruckte Slogans und Redewendungen sind in der Modelandschaft seither nichts besonderes mehr. So brachte der amerikanische Designer Heron Preston Hoodies heraus, die in kyrillischen Lettern beschriftet waren und übersetzt „Style" bedeuteten - nicht nur Rapper Kanye West und seine Tochter trugen diese.

Die Wertschätzung einer sowjetischen Ästhetik wird auch vom Mitbegründer der französischen Marke Vetements, Demna Gvasalia, aktiv gefördert. Im Jahr 2015 wurde der in Sukhumi geborene Designer kreativer Leiter des Hauses Balenciaga. Viele seiner Entwürfe ziehen ihre Inspiration sich aus der späten Sowjetzeit.

Wie die Sowjet-Ästhetik einen internationalen Trend prägt

Interessanterweise folgen diesem Trend auch einige Designer aus Polen, den baltischen Staaten und der Ukraine. So hat die polnische Designerin Gosya Bachinska kürzlich ihre "Jalta" -Kollektion vorgestellt, die an das Treffen der Staatsmänner der Anti-Hitler-Koalition während des Zweiten Weltkriegs erinnert. Die Kollektion beinhaltete unter anderem Blusen mit Broschen, die den Medaillen ähnelten, welche die Anführer der Koalition erhielten.

Die ukrainische Designerin Yulia Yefimchuk ließ sich von der sowjetischen Geschichte zu einer Kollektion inspirieren, in der militaristische Designs mit Inschriften in lateinischen Buchstaben wie "Kommunismus", "Sozialismus", "Propaganda" sowie sowjetische Mottos auf Russisch vorkamen.

Die estnische Designerin Marit Ilison entwirft Mäntel aus wollenen Soviet-Decken, während die litauische Modemacherin Egle Ziemite mit "D'efect" eine Kollektion für Herbst/Winter 2018 entwarf, die ihre Inspiration aus den Fotos der siebziger Jahre der Sowjetzeit bezog.

Zu guter Letzt ließ sich auch die US-amerikanische Modekette Urban Outfitters zu einer Reihe von Kleidern und Westen mit dem in kyrillisch geschriebenen Wort "Equality" inspirieren. Die Massenmarkt-Reichweite von Urban Outfitters schließlich hob den Sowjettrend auf eine globale Ebene.

Dieser Artikel wurde ursprünglich für FashionUnited.ru geschrieben. Übersetzt aus dem Englischen und bearbeitet von Barbara Russ.

Fotos: Umbro, Adidas

 

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