Wie steht es um die Zukunft der New York Fashion Week?

Weniger als einen Monat vor der New York Fashion Week beginnt die internationale Laufstegsaison ohne viel Aufhebens. Es wird in New York keine Designer geben, die große Wellen schlagen, die meisten vermeiden Präsentationen auf dem Laufsteg, und einige Marken, wie Marc Jacobs, produzieren sogar gar keine Frühjahr/Sommer 2021-Kollektionen.

Die Modewoche, die ursprünglich vom 11. bis 16. September stattfinden sollte, wurde auf eine dreitägige Veranstaltung vom 14. bis 16. September verdichtet, und ihre Online-Plattform Runway360 wird die Hauptquelle für Inhalte und Aktionen, Markenprofile und Livestreams sein.

Ob diese Unterbrechung vorübergehend ist, bleibt abzuwarten. Reisen nach Amerika sind nach wie vor ein Risiko und werden von vielen Ländern mit einer Reisewarnung belegt. Aus China, dem Vereinigten Königreich und dem europäischen Schengen-Raum ist die Einreise in die Vereinigten Staaten nach wie vor untersagt. Marken, die in diese Länder exportieren, müssen Käufer in Übersee über andere Kanäle erreichen.

Kann der digitale Hub des CFDA die Modewoche retten?

Steven Kolb, Präsident und CEO der CFDA, hofft, dass die neue Online-Plattform die Talente der Mitglieder und der Industrie insgesamt fördern wird. „Diese Zeit des Wandels in der Mode erfordert innovative Wege. Runway360 ist mehr als eine Antwort auf soziale Distanzierung und eingeschränkte Reisemöglichkeiten. Die digitale Plattform wird Designern helfen, die mit kurzfristigen, durch Covid-19 verursachten Problemen konfrontiert sind, und zukünftige Fashion Weeks inklusive digitales Live-Streaming von Modenschauen unterstützen."

Normalerweise würden die US-Designer zu dieser Jahreszeit letzte Hand an ihre Kollektionen legen, bevor diese bei den Modenschauen im September gezeigt würden. Aber es gab noch keine Ankündigung für eine Präsentation auf dem Laufsteg. Vergleicht man dies mit Mailand, wird schnell klar, wo die Vereinigten Staaten stehen: In Mailand hat die Camera Nazionale della Moda Italiana eine Modewoche mit 28 Live-Shows angekündigt, einschließlich Präsentationen von Prada und Fendi.

Wenn es den Designern, die die Modewoche überspringen, gelingt, dennoch eine erfolgreiche Verkaufssaison zu haben, könnte die Relevanz der New Yorker Modewoche fragwürdig werden, ja sogar gänzlich in Frage gestellt sein. Dank zahlreicher Ressourcen an Plattformen, um Presse und Käufer zu erreichen, wird die Finanzierung teurer Veranstaltungen wie einer Modenschau — bei der die Kosten im Durchschnitt etwa 100.000 Dollar pro Show betragen — möglicherweise künftig nicht mehr als sinnvoll erachtet. Der CFDA müsste alle Hebel in Bewegung setzen, um die Marken im Februar mit neuen Anreizen zur Rückkehr zu bewegen. Darüber hinaus müsste ihr neuer digitaler Hub die Bemühungen der Online-Modewochen in Paris und Mailand übertreffen, deren Erfolg weitgehend umstritten war.

Die positive Kehrseite einer abgesagten Modewoche ist die Vermeidung ihres Kohlenstoff-Fußabdrucks. Ohne die weltweit reisenden Besucher dieser Modewoche – Zehntausende Redakteure und Einkäufer, die nach New York fliegen und von Show zu Show fahren, werden die Kohlendioxidemissionen so niedrig sein wie nie zuvor.

Bild über CFDA

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.uk veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

 

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