Work in Fashion: Traumjob Einkäufer?

Der Fashion Online Store Conleys wurde einst gegründet, so heißt es in der Firmenhistorie, weil der Hamburger Firmengründer Stephan Schneider 1992 nach dem Shopping in New York im Taxi auf einen Fahrer namens Jack Conley traf. Mit diesem sinnierte er über Kleidungsstücke, die es nur im jeweiligen Land ihrer Herkunft käuflich zu erwerben gab. Stephan Schneider sah eine Marktlücke und so wurde Conleys zum Katalog und Onlineshop für ausgefallene Artikel, die es in Deutschland sonst nicht gab.

Dass dies in Zeiten eines immer kleiner werdenden globalen Dorfes nicht für immer ein Erfolgsrezept bleiben konnte, zeigte sich zu Ostern diesen Jahres, als die Creatrade Holding, das Mutter-Unternehmen von Conley’s, Insolvenz anmelden musste. Die Firma musste ein paar Federn lassen, doch zum 1. Juli konnte der Kaufvertrag mit der Pforzheimer Klingel Gruppe unterzeichnet und insgesamt 500 Arbeitsplätze gerettet werden. FashionUnited sprach mit Barbara Zöller, die bei Conley’s als Category Lead Women das Sortiment verantwortet über ihren Job in dem Unternehmen, seinen Wandel über die letzten beiden Dekaden, und warum es immer noch ein Traumjob sein kann, im Einkauf eines Onliners zu arbeiten.

Frau Zöller, erzählen Sie doch bitte, welcher Karriereweg Sie zu Ihrer heutigen Position geführt hat.

Barbara Zöller: Ich bin schon sehr lange bei Conleys, ein Urgestein sozusagen. Damals habe ich als Designassistentin im Unternehmen begonnen und wurde anschließend Designerin und Head of Design, also die ganz klassische Karriereleiter. Danach bin ich ins Produktmanagement gewechselt und habe dort die Verantwortung für den Private Label-Bereich übernommen. Dieser Job erforderte damals viel Reisen, Besuche in Fabriken und bei Lieferanten. Das hat mir auch sehr viel Spaß gemacht, insbesondere deshalb, weil es mit den ‚goldenen Zeiten‘ für Conley’s einherging. Wir sind gewachsen und gewachsen. Mit tollen Zahlen im Rücken macht natürlich alles noch viel mehr Spaß.

Alles hat einmal ein Ende?

Barbara Zöller: Ja, nach der Geburt meines Sohnes konnte ich diese Flexibilität nicht mehr bieten und bin ins Campaigning gewechselt, um mir die andere Seite des Business anzusehen, also die Vermarktung der Produkte. Das war zu der Zeit, als Online bei Conleys immer stärker wurde. Wir fragten uns: Was ist im Onlinebereich machbar? Wo spielen wir welche Kampagne aus? Im Newsletter, Online oder als Print-Unterstützung? Daher war das ebenfalls sehr spannend. Das habe ich drei Jahre lang gemacht, aber mir fehlte die Nähe zum Sortiment.

Work in Fashion: Traumjob Einkäufer?

Deshalb sind Sie dann in den Einkauf gewechselt?

Barbara Zöller: Ja, genau. Heute bin ich als Category Lead Women für den Private Label- und den Markenbereich verantwortlich und stelle mit meinem Team das Sortiment zusammen. Taschen und Accessoires runden das Sortiment ab. Diese Mischung ist sehr spannend.

Wenn jemand im Bereich Einkauf arbeiten möchte, wie würden Sie ihm raten, den Einstieg zu machen?

Barbara Zöller: Das kommt darauf an, wo im Einkauf er oder sie arbeiten möchte. Bei uns heißen die Einkäufer Category Manager, das bedeutet Kreativeinkauf. Im Private Label Bereich gibt es ebenfalls einen Einkauf, der aber für die Beschaffung zuständig ist. Das macht natürlich einen großen Unterschied, ob ich die Materialien und Zutaten source und in die Preisverhandlungen gehe und nach neuen Lieferanten suche, oder ob ich im Kreativeinkauf die großen Messen besuche und mir dort die Markenkollektionen ansehe. Dort muss gefiltert werden, welche Marke zum Shop passt und den Kunden anspricht. Je nachdem, wo jemand also anfangen will, sollte er oder sie sich entsprechend im jeweiligen Bereich bewerben. An dieser Stelle kann ich auch gleich ankündigen, dass wir aktuell auf der Suche nach einer/m Junior Category Manager für den Schmuckbereich sowie einem Buyer für den Private Label-Bereich sind.

Und welche Fähigkeiten sollte der/die passende Kandidat/in mitbringen?

Barbara Zöller: Auf der einen Seite sollte die Lust and der Mode und Geschmack beziehungsweise Stil da sein. Andererseits muss auch ein ausgeprägtes Zahlenverständnis da sein: Was verkauft sich gerade? Was funktioniert nicht? Die Zahlen müssen analysiert und ausgewertet werden und das Budget muss im vornherein geplant werden. Das macht mindestens 50 Prozent des Jobs aus.

Welche Illusion müssen Sie einem Berufsanfänger nehmen?

Barbara Zöller: Dem Berufseinsteiger sollte klar sein, dass es nicht nach dem persönlichen Geschmack geht. Man muss sich in die Kunden hineinversetzen und für diesen einkaufen.

Wie sieht denn ein ‚typischer‘ Tag in ihrem Beruf aus?

Barbara Zöller: Das kommt ganz darauf an, wo wir uns in der Saison befinden. Momentan sind die Category Manager viel in Showrooms. Dort wird die wirkliche Arbeit geleistet - die Messen sind in erster Linie erste Sichtung und Socialising und werden nur zum Bruchteil fürs Ordern genutzt. Mit dem Input aus den Showrooms kommen sie zurück, anschließend wird Inhouse noch nachselektiert, am Budget gefeilt und dann muss man Mengen festlegen, Liefertermine planen und schließlich die Ordern rausschicken. Später in der Saison wird dann mehr am aktuellen Sortiment gearbeitet.

Wie gestaltet sich das?

Barbara Zöller: Wenn ein Artikel zum Beispiel online nicht läuft, müssen wir ihn vielleicht anders darstellen, oder mit Print unterstützen, oder eine Extra-Kampagne schalten, oder einen Warenaustausch anfragen. Es gibt immer Möglichkeiten, regulierend einzugreifen.

Wie viel Prozent einer saisonalen Order haben Sie denn zur freien Verfügung, die Sie zum Beispiel für neu von Ihnen entdeckte Marken ausgeben können?

Barbara Zöller: Weil wir aus dem Bereich der ‚Cherrypicker‘ kommen und unseren Kundinnen etwas zeigen wollen, was sie noch nicht kennen, sind das schon etwa 20 Prozent, würde ich sagen. Das ist wirklich großartig und motiviert natürlich, gerade wenn man auf eine Messe geht.

Fotos: Conley’s website

Work in Fashion: Traumjob Einkäufer?   Im August wird FashionUnited sich auf das Thema "Work in Fashion" konzentrieren. Für alle Artikel hierzu, klicken Sie bitte hier.
 

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