Zertifizierung: Wie Oeko-Tex Nachhaltigkeit fördern will

Ein bewussterer Umgang mit den Ressourcen der Erde: Das soll bis 2020 auch das Ziel für die Textilindustrie sein. Dieses Ziel will das Textilbündnis erreichen, das die deutsche Bundesregierung unterstützt. Unternehmen dabei helfen, es zu erreichen, will die Oeko-Tex Gemeinschaft. Deshalb bietet sie verschiedene Möglichkeiten an, mit denen Unternehmen mehr Nachhaltigkeit schaffen, verantwortlich handeln und dem Verbraucher bewusstere Kaufentscheidungen offerieren können. FashionUnited sprach mit dem Generalsekretär der Gemeinschaft, Georg Dieners über Maßnahmen, Herausforderungen und Ziele von Oeko-Tex.

FashionUnited: Kurz zusammengefasst: Was macht Oeko-Tex?

Georg Dieners: Die Oeko-Tex Gemeinschaft ist ein internationaler Zusammenschluss aus 18 unabhängigen Prüf- und Forschungsinstituten mit Vertretungen in über 60 Ländern der Welt. Wir überprüfen Leder und Textilien aller Art auf schädliche Inhaltsstoffe. Außerdem setzen wir uns für eine nachhaltige und sozialverträgliche Textilproduktion ein. Unser Ziel ist es, Verbrauchern im Rahmen von Labortests einen hohen und effektiven Schutz in Bezug auf gesundheitsbedenkliche Inhaltsstoffe zu gewährleisten und die Textilindustrie dabei zu unterstützen ihre Produktionsprozesse nachhaltiger zu gestalten. Dem Verbraucher machen wir dies über unsere Labels ‚Standard 100‘, ‚Made in Green‘ und ‚Leather Standard‘ sichtbar.

Ihr Claim lautet „Confidence in Textiles“. Warum können sich Verbraucher auf die Oeko-Tex Siegel verlassen?

Georg Dieners: Hinter unseren Labels stehen ganze 25 Jahre Erfahrung und Expertise. Diese bieten wir ihnen gemeinsam mit unseren Forschungs- und Prüfinstituten sowie den Experten, die dort für Oeko-Tex arbeiten. Wir schenken den Verbrauchern das Vertrauen, dass sie sich mit unseren Labels für schadstoffgeprüfte und nachhaltig produzierte Produkte entscheiden können.

Zertifizierung: Wie Oeko-Tex Nachhaltigkeit fördern will

Oeko-Tex handelt mit Vertrauen. Wie gewährleisten Sie, dass dieses Vertrauen (insbesondere bei Made in Green) an keiner Stelle in der Lieferkette missbraucht wird?

Georg Dieners: Indem wir beispielsweise die beteiligten Produktionsbetriebe regelmäßig vor Ort kontrollieren – auch unangekündigt. Diese sogenannten Audits sind zwingender Bestandteil jedes Zertifizierungsvorgangs. Dabei achten unsere Spezialisten unter anderem darauf, dass die Betriebe, die Anforderungen der Vereinten Nationen (UN) und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Bezug auf die Arbeitsbedingungen erfüllen. Dazu zählt zum Beispiel auch, dass die notwendige Sicherheit am Arbeitsplatz gewährleistet wird. Sie geben auch Acht darauf, dass die Betriebe sich an einen verantwortungsvollen Umgang mit Abfall, Abwässern und Emissionen halten.

Ab dem 1. April 2017 sind einige Neuregelungen in Kraft getreten, was Ihre Produktanforderungen angeht, was genau wurde geändert?

Georg Dieners: Diese Neuregelungen sind Anpassungen unserer Grenzwerte, die jedes Jahr mindestens ein Mal stattfinden. Dies hat den Grund, dass wir damit so schnell und so effektiv wie möglich auf die wichtigsten gesetzlichen Regelungen reagieren können.

Der Zusatz ‚Öko‘ verleitet dazu, zu denken, dass es sich um ökologische Produkte handelt, was aber nicht immer zutrifft. Der Standard 100 by Oeko-Tex sagt lediglich aus, dass die Kleidung auf Schadstoffe geprüft wurde. Daher mussten Sie sich in der Vergangenheit auch Vorwürfen der Irreführung stellen. Was unternehmen Sie, um Transparenz in Bezug auf ihre einzelnen Label zu erreichen?

Georg Dieners: Der Name Oeko-Tex leitet sich aus dem Begriff der Textil- und Lederökologie ab. Aus diesem Grund nennen wir uns auch Internationale Gemeinschaft für Forschung und Prüfung auf dem Gebiet der Textil- und Lederökologie. Zugegeben ist das sehr lang, daher nutzen wir lieber die Kurzform Oeko-Tex.

Die Textil- und Lederökologie befasst sich ja mit den Wirkungsweisen von umwelt- und gesundheitsschädigenden Stoffen in Textilien bzw. mit einem möglichen Verzicht auf derartige Stoffe. Vor 25 Jahren hat Oeko-Tex als einer der Pioniere auf dem Markt damit begonnen, Textilien auf ihren Schadstoffgehalt zu überprüfen, um die Verbraucher zu schützen und der Industrie dabei zu helfen, ihr Chemikalienmanagement zu verbessern. Daraus ist der Standard 100 entstanden, der heute an vielen Artikeln zu finden ist. Der Name ist also eigentlich alles andere als irreführend.

Um aber auch für die Verbraucher mehr Transparenz zu schaffen, enthält jedes Standard 100 Label den Zusatz „Geprüft auf Schadstoffe“. So weiß der Kunde sofort, welche Vorteile er beim Kauf hat. Darüber hinaus befindet sich auf jedem Etikett der Hinweis, welches Institut die Prüfung durchgeführt hat und es ist eine Zertifikatsnummer mit angegeben, mit der auf unserer Webseite die Gültigkeit überprüft werden kann.

Wird das ‚Made in Green‘-Label langfristig den Standard 100 by Oeko-Tex ersetzen?

Georg Dieners: Das Made in Green Label ist sicherlich zukunftsweisend. Es verbindet die Schadstoffprüfung nach dem Standard 100 mit einer nachhaltigen Produktion in umweltschonenden Betrieben und der Arbeit unter sozialverträglichen Bedingungen. Ich denke, Aspekte der Nachhaltigkeit werden immer wichtiger für die Verbraucher und auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Textilindustrie sind gerade sie besonders gefragt. Nur wer nachhaltig einkauft, kann etwas bewegen. Made in Green hilft dabei, eine bessere Kaufentscheidung für unseren Planeten zu treffen.

Was kann Oeko-Tex besser als andere Textil-Siegel und wo würden Sie gerne noch besser werden?

Georg Dieners: Wir bieten den Verbrauchern auf unseren Labels einfache Statements, die ihnen deutlich machen, was die Produkte auszeichnet. Also: „ Standard 100 – geprüft auf Schadstoffe“ oder „ Made in Green - geprüft auf Schadstoffe und nachhaltig produziert“. Damit helfen wir, alle wesentlichen Informationen zu vermitteln - auch wenn es im Geschäft einmal schnell gehen muss. Ich denke in Zeiten eines regelrechten Siegeldschungels bieten wir den Verbrauchern damit einen wichtigen Mehrwert.

Zudem zertifizieren wir alle Arten von Textilien – das heißt wir zertifizieren auch synthetische Fasern. Viele andere Labels bieten Zertifikate nur für ein bestimmtes Segment an, zum Beispiel Bio-Baumwolle. Aber die ganze Welt kann nicht nur Bio- Baumwolle tragen. Wichtig ist uns auch das Thema Transparenz. So findet sich auf jedem Standard 100 Etikett zum Beispiel der Hinweis, welches Institut die Prüfung durchgeführt hat und die Verbraucher haben die Möglichkeit über eine neunstellige Zertifikatsnummer die Gültigkeit des Labels zu überprüfen. Ähnlich funktioniert das auch mit der Produkt-ID auf dem Made in Green Label. Wenn diese bei uns auf der Webseite eigegeben wird, kann der gesamte Produktionsprozess des Textils nachverfolgt werden: Vom Garn bis hin zum fertigen Produkt. Natürlich sind wir aber auch immer daran interessiert unsere Leistungen zu verbessern und kontinuierlich dazuzulernen.

Zertifizierung: Wie Oeko-Tex Nachhaltigkeit fördern will

Was ist die größte Herausforderung in der Zukunft Ihres Unternehmens?

Georg Dieners: Die größte Herausforderung wird in Zukunft darin liegen, die Verbraucher dahingehend zu sensibilisieren, dass schadstoffgeprüfte Textilien keine Selbstverständlichkeit sind und dass es wichtig ist, die Textilindustrie nachhaltiger zu gestalten. Schließlich haben wir nur diesen einen Planeten und nur dieses eine Leben. Alles fängt damit an, dass die Verbraucher bewusster einkaufen und Wert darauf legen, dass ihre Textilien zertifiziert sind. Nur so kann eine langfristige Umstellung erfolgen.

Oeko-Tex feiert in diesem Jahr 25-jähriges Bestehen. Wie hoffen Sie, sieht die Öko-Bilanz der Mode- und Bekleidungsindustrie in 25 Jahren aus? Was hat sich hoffentlich bis dahin geändert?

Georg Dieners: In den letzten Jahren hat sich meiner Meinung nach bereits viel verändert. Wir essen bewusster, wir achten darauf, welche Pflegeprodukte wir verwenden oder wie wir uns fortbewegen. Dieses Bewusstsein wird sich in den nächsten Jahren hoffentlich auch immer stärker auf die Textilindustrie auswirken und ich würde mir wünschen, dass unsere Bemühungen eine nachhaltigere Produktion zu etablieren, von der Textilbranche angenommen und umgesetzt wird.

Was kann jeder einzelne Verbraucher dafür tun?

Georg Dieners: Jeder kann seinen persönlichen kleinen Beitrag dazu leisten. Zum Beispiel indem man sich über das Thema informiert, allgemein bewusstere Kaufentscheidungen trifft und natürlich auch, indem man beim Kauf von Textilien auf unsere Labels achtet.

Fotos: Oeko-Tex

 

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