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Zurück zur Substanz: Die ‘ruhige’ Raffinesse der FW26-Saison

Die FW26-Saison setzt auf Tragbarkeit und Handwerkskunst, mit subtilen Details und einer Abkehr von aufsehenerregenden Debüts. Designer:innen konzentrieren sich auf Qualität und präzise Ausarbeitung.
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Die Trends der FW26 Saison; (v.l.n.r.): Erdem, Alaia, Dior Credits: ©Launchmetrics/spotlight
Von Jule Scott

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Die Fall/Winter-Saison 2026 ist zu Ende gegangen – und hinterlässt ein unerwartet ruhiges Echo. Nach mehreren Zyklen, die von aufsehenerregenden Debüts neuer Kreativdirektor:innen und einem nahezu permanenten Wechsel an den Spitzen der Luxusmodehäusern geprägt waren, zeichnet sich nun eine leisere Phase ab. Viele Designer:innen scheinen in ihren Rollen angekommen zu sein. Das spiegelt sich in Kollektionen wider, die durchdacht wirken, präzise ausgearbeitet sind und den Fokus stärker auf die handwerkliche und gestalterische Qualität von Kleidung richten.

Diese neu gewonnene Klarheit steht im Kontrast zu einem angespannten globalen Kontext. Die Modesaison fiel in eine Zeit anhaltender Konflikte im Iran und gesamten Nahen Osten. Die Gleichzeitigkeit wirkt bisweilen irritierend – eine Branche, die von Kreativität lebt, im Spannungsfeld geopolitischer Instabilität. Umso bemerkenswerter ist die Haltung vieler Marken, die sich bewusst gegen Spektakel oder Provokation entschieden. Stattdessen prägte Zurückhaltung das Bild.

Tragbarkeit wurde zum zentralen Leitmotiv, ohne dabei beliebig zu wirken. Minimalistische Ansätze blieben präsent, wurden jedoch weiter geschärft und neu interpretiert. Abendgarderobe fand ihren Weg in den Alltag, während Silhouetten reduziert wurden, ohne an Ausdruckskraft zu verlieren. Die Spannung entstand vor allem im Detail: schmuckartige Elemente werten selbst zurückhaltende Looks auf, und ein vielschichtiges Spiel mit Mustern, Materialien und Oberflächen sorgt für zusätzliche Tiefe. Das Resultat war eine Saison, die Balance suchte und gleichzeitig bewusst Raum für individuelle Interpretation ließ.

Die wichtigsten Trends der Fall/Winter-2026-Saison der „Big Four“

Karomuster

Karomuster gehören zu den wenigen Trends, die mühelos zwischen Tradition und Subkultur oszillieren. Ihre historischen Wurzeln und die enge Verbindung zu Tartan und Kilt stehen einer ebenso starken Verankerung in gegenkulturellen Codes gegenüber. Fall/Winter 2026 hat diese Vielseitigkeit erneut unterstrichen – nicht nur in den Looks selbst, sondern auch in der Bandbreite der Modehäuser, die damit arbeiten.

Karomuster bei Burberry, Chloé, Rabanne Credits: ©Launchmetrics/spotlight

Während Burberry traditionell eng mit Karos verbunden ist und Daniel Lee diese konsequent weiterentwickelt, zählen sie bei französischen Marken wie Chloé oder Rabanne nicht zu den naheliegendsten Stilmitteln. Umso spannender fallen die Interpretationen aus: Chemena Kamali übersetzt das Muster bei Chloé in eine moderne, feminine Variante auf einer Pussybow-Bluse, während Julien Dossena bei Rabanne einen karierten Rock mit Rollkragen und verspielter Spitzenbluse kombiniert.

‘Alltagsschleppen’

Schleppen waren lange klar der Abendgarderobe zugeordnet. In dieser Saison lösen sie sich zunehmend von dieser strengen Einordnung. Zwar sind sie im Alltag noch nicht vollständig angekommen, benötigen jedoch längst kein klassisches Ballkleid mehr. Designer:innen integrieren sie in zeitgemäßere Silhouetten.

Schleppen bei Khaite, Sandy Liang, Prabal Gurung Credits: ©Launchmetrics/spotlight

Bei Khaite kombiniert Catherine Holstein ein transparentes Top mit schmal geschnittenen Hosen und verlängerten Stoffbahnen, während Prabal Gurung einen ähnlichen Effekt mit einem glänzenden roten Oberteil erzeugt. Sandy Liang interpretiert den Trend spielerischer – und deutet an, dass Schleppen künftig auch im Alltag funktionieren könnten.

Blumenbroschen

Broschen erleben bereits seit einiger Zeit ein Comeback – in dieser Saison treten sie jedoch vielschichtiger in Erscheinung. Chanel bleibt seiner ikonischen Kamelie treu, die in einer weicheren, stärker texturierten Variante an einem Tweed-Zweiteiler erscheint. Bei Dior und Simone Rocha hingegen scheinen florale Elemente förmlich aus den Looks herauszuwachsen. Sie sitzen an Schultern oder Hüften und verleihen den Silhouetten eine neue, fast skulpturale Dimension.

Blumen bei Chanel, Simone Rocha, Dior Credits: ©Launchmetrics/spotlight

Pelzoptik

Pelz bleibt ein kontroverses Thema, verschwindet jedoch nicht vollständig von den Laufstegen. Stattdessen wird er neu interpretiert, häufig in Form von Faux Fur oder abstrahierten Varianten. Alessandro Michele setzt bei Valentino auf dramatische, bodenlange Silhouetten, während Demna Gvasalia sich bei Gucci auf klassische, fast filmisch inspirierte Modelle bezieht. Pelz – oder seine optischen Pendants – bleibt damit ein prägender Bestandteil der Saison.

Pelzoptik bei Valentino, Bottega Veneta, Gucci Credits: ©Launchmetrics/spotlight

Gothic

Gothic ist eine Ästhetik, die nie vollständig von der Bildfläche verschwindet, sondern sich kontinuierlich neu erfindet. Für Fall/Winter 2026 zeigt sie sich weniger düster, dafür weicher und romantischer. Transparente Stoffe, Spitze und fließende Silhouetten dominieren. Erdem interpretiert Gothic mit einem beinahe klösterlichen, langen schwarzen Kleid, während Dreaming Eli mit Korsagen und filigraner Spitze eine fragile, fast theatrale Wirkung erzielt. Ann Demeulemeester bleibt ihrer Handschrift treu und präsentiert eine zurückhaltendere, poetische Variante mit Rüschen und strukturierten Layerings.

Gothic-Looks bei Erdem, Dreaming Eli, Ann Demeulemeester Credits: ©Launchmetrics/spotlight

90er-Jahre Minimalismus

Die Wiederbelebung des Minimalismus der 90er lässt sich auf zeitlose Stilreferenzen wie Carolyn Bessette-Kennedy zurückführen, deren Look aktuell durch die TV-Serie Love Story wieder verstärkt Aufmerksamkeit erhält. Beides trägt zur aktuellen Faszination für klare, zurückhaltende Mode bei. Auf den Laufstegen der Herbst/Winter-Saison 2026 zeigte sich dies in schlanken, körpernahen Silhouetten und gedeckten Farbpaletten bei mehreren Modehäusern.

90s Minimalismus bei Calvin Klein, Alaïa, Gucci Credits: ©Launchmetrics/spotlight

Calvin Klein präsentierte ein klassisches Slipdress mit eckigem Ausschnitt, das den Kern der Zurückhaltung der 90er einfing, während Alaïa auf skulpturale Minimalistik setzte und ein präzises, figurbetontes Outfit in neutralen Tönen zeigte. Gucci bot eine etwas expressivere Interpretation, bei der die minimalistische Silhouette mit dramatischerem Styling kombiniert wurde – ein Beispiel dafür, wie sich der Look zwischen purer Minimalistik und einer stärker inszenierten Version der 90er- und sogar frühen 2000er-Jahre bewegen kann.

Samt

Samt entwickelte sich zu einer der zentralen Texturen der Herbst/Winter-Saison 2026 und unterstrich den diesjährigen Fokus auf Haptik. Das Gewebe, das oft mit Abendmode und historischer Kleidung assoziiert wird, wurde auf den Laufstegen in modernen, klaren und alltagstauglichen Silhouetten neu interpretiert. Statt übermäßig opulent zu wirken, kam Samt in dieser Saison zurückhaltend zum Einsatz – mit Betonung auf Schnittführung, klare Linien und intensive, satte Farbtöne.

Samt bei Calvin Klein, Ralph Lauren, Alaïa Credits: ©Launchmetrics/spotlight

Bei Calvin Klein interpretierte Kreativdirektorin Veronica Leoni Samt durch minimalistische Schneiderkunst und präsentierte einen eleganten schwarzen Samtanzug, während Ralph Lauren die klassischeren Assoziationen des Materials nutzte und ein langes, fließendes Samtkleid zeigte. Alaïa wiederum setzte auf einen scharf geschnittenen Samtanzug in tiefem Burgunderrot.

Auffällige Texturen

Textur ist eines der wenigen Designelemente in dieser Saison, das über das rein Visuelle hinausgeht und stattdessen eine instinktive, haptische Reaktion hervorruft. Die Herbst/Winter-Saison 2026 verstärkte diesen Fokus auf Taktilität und Tiefe, wobei Designer:innen die Materialität nutzten, um nicht nur Kleidungsstücke, sondern die gesamte Stimmung eines Looks zu formen.

Auffällige Texturen bei Bottega Veneta, Erdem, Givenchy Credits: ©Launchmetrics/spotlight

Louise Trotter setzte für Bottega Veneta auf kräftige Monochrome, bei denen gesättigtes Rot und Federn eine Silhouette schufen, die zugleich verspielt und imposant wirkte. Erdem, unter der Leitung von Erdem Moralıoğlu, bot einen weicheren Gegenpol mit einer kokonartigen Form, die in zarten, malerischen Texturen gestaltet war. Givenchy, unter Sarah Burton, schlug einen eher eklektischen Weg ein, indem ein dicht texturierter Mantel mit klaren, markanten Akzenten kombiniert wurde.

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