Zwischen Hitzewelle und Zurückhaltung: Die Menswear-Trends aus Paris
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Die Pariser Herrenmodewoche für Frühjahr/Sommer 2027 wurde von einer Hitzeperiode überschattet, aus der nur wenige Momente visuell abhoben. Im Mittelpunkt standen daher besonders Ventilatoren, Fächer, Schirme sowie eine künstliche Welle samt Sandstrand bei Louis Vuitton.
Doch während das französische Modehaus unter der Leitung des US-Rappers Pharrell Williams vor dieser Kulisse mit Lifestyle-Produkten wie einem gebrandeten Fahrrad und Surfboards für Aufmerksamkeit sorgte und sein Landsmann Rick Owens zusammen mit Adidas Trainingsjacken in mobile Klimaanlagen verwandelte, schien in der Menswear eine Phase der Ruhe eingekehrt zu sein.
Dabei ruhen sich die Designer:innen keineswegs aus, sie setzen allerdings auf deutlich zurückhaltendere Looks. Im Vordergrund standen leichte und fließende Stoffe sowie modernes Tailoring, dessen Silhouette wieder reduzierter und geradliniger wurde.
Eine gewisse Sinnlichkeit schmiegte sich um die Körper, die zudem durch einen meist stark androgynen Cast unterstrichen wurde. Menschen, die aufgrund ihres Erscheinungsbildes unterschiedlichen Geschlechtern zugeordnet werden könnten, präsentierten die Looks, sodass sich die Grenzen auf eine ungezwungene und natürliche Weise öffneten. Dies war unter anderem bei Ernest W. Baker, Auralee und Beautiful People zu sehen.
Sinnliche Menswear
Bei den heißen Temperaturen tendieren die Marken in dieser Saison zu leichten und fließenden Stoffen. Statt einer klassischen Menswear mit strukturierten Hemden und Sakkos setzen die Designer:innen auf transparente Alternativen.
Dior-Kreativchef Jonathan Anderson schickte unter anderem einen fließenden, karierten Blazer für das französische Modehaus auf den Laufsteg, der mit einem locker geknöpften Hemd und einer zerrissenen Jeans kombiniert wurde. Eine lässige Schal-Krawatte rundete den Look ab.
Derweil tendieren das Pariser Label Egonlab und das belgische Modehaus Dries Van Noten zu leichten Hemden, die durch Verzierungen wie Stickereien beziehungsweise Farbverläufe auf sich aufmerksam machten. Das koreanische Label Post Archive Faction präsentierte sogar einen ganzen seidigen, transparenten Mantel sowie mehrere Hemden und T-Shirts, in die diese Leichtigkeit übertragen wurde.
Andere Marken transportierten dieses Gefühl der Mühelosigkeit mit fließenden Silhouetten, die der sonst so starren Herrenmode eine frische Brise gaben. Der in London ansässige Menswear-Designer Kiko Kostadinov zeigte einen lockeren Poncho mit tiefem Ausschnitt, während das japanische Label IM Men aus dem Issey Miyake-Kosmos sowie Michael Rider bei seiner ersten großen Herrenmode-Show für das französische Modehaus Celine jeweils auf ein schlichtes, einfarbiges Set aus Longsleeve und weiter Hose setzten.
Die Pariser Marke Valette Studio verpasste der klassischen Herrenmode derweil einen modernen Twist und interpretierte sie für sich neu. Designer Pierre-François Valette vereinte ein schlichtes Anzughemd, das den oberen Teil ausmachte, mit einem seidigen unteren Part, der in eine Schleppe überging. Dazu wurde eine lässige schwarze Anzughose kombiniert, wodurch eine perfekte Symbiose zwischen der aktuellen Strömung und der traditionellen Herrenmode entstand.
Blazer und Shorts
Etwas klassischer, aber dennoch mit einem modernen, sportlichen Ansatz sind die Looks aus Blazer und kurzen Shorts. Dabei reicht die Auswahl von einem schwarzen Anzug mit farblich abgeglichener Hose bis zum Mix aus Mustern und Farben. Neben schickeren Shorts sind aber auch sportliche Modelle zu sehen. Dazu werden Ballettschuhe mit Schnürungen, Boots und sogar Flip Flops kombiniert.
Regenschauer
Ein ähnlich hybrider Ansatz kam auch für die Outerwear zum Einsatz, die sich besonders für das folgende Szenario eignet: Die heißen Tage der letzten Woche sorgten immer wieder dafür, dass Hitzegewitter mit prasselndem Niederschlag die Folge waren. Oftmals ist die eigene Regenjacke dann aber nicht gerade das stylische Update, besonders wenn es ein schickerer Look ist.
Dass klassische Menswear aber auch mit einer solch praktischen Jacke funktionieren kann, wenn sie richtig gestylt ist, bewiesen die japanischen Marken Beautiful People und Taakk, das koreanische Label Solid Homme und das französische Modehaus Saint Laurent. Alle diese Marken haben einen davor recht simplen Look mit einem sportlicheren Outerwear-Piece aufgelockert.
I♥
Natürlich war auch der Streetwear-Bereich in dieser Saison nicht wegzudenken. Hier feierte ein echter Marketing-Klassiker sein Comeback – das T-Shirt mit dem „I ♥"-Motiv. Ursprünglich Ende der 1970er vom Grafikdesigner Milton Glaser für eine New-York-Kampagne entwickelt, ist es heute ein Tourismus-Basic, das auch immer wieder für die Laufstege neu interpretiert wird.
Die Pariser Marke 3.Paradis ersetzte das Herz durch eine Taube, während das ebenfalls in der französischen Hauptstadt beheimatete Label Ami sowie Doublet ihre Zuneigung für Paris beziehungsweise die Fashion Week ausdrückten. Die japanische Streetwear-Brand zeigte allerdings auch noch eine weitere Version, die von „Kratzspuren" verschlissen wurde und die Liebe zu Puma verkörperte – eine Anspielung auf den deutschen Sportartikler, mit dem Doublet für die Kollektion kollaborierte.
Drei Streifen auf dem Runway
Das australische Label Song For The Mute setzte ebenfalls seine Zusammenarbeit mit Adidas fort. Im Mittelpunkt standen dabei erneut die Schuhe. Dieses Mal lag der Fokus unter anderem auf einer neuen Version des Tennis-Sneakers Stan Smith sowie dem robusten Wanderschuh Traxion 1000 Hiker.
Die wohl am wenigsten erwartete Zusammenarbeit war die mit Rick Owens. Nach fast zehn Jahren Pause frischten Adidas und der US-Designer, der für seine düsteren Avantgarde-Kollektionen bekannt ist, ihre Partnerschaft wieder auf. Dieses Mal bediente Owens sich der neuen Climacool-Technologie, deren Hitzeregulierung gerade auch den Fußballern bei der Weltmeisterschaft zugutekommt. Der Designer kühlte seine Models mit integrierten Ventilatoren in aufgeblasenen Trainingsanzügen ab.